PC - Weekly 2020 KW 26

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Zinsängste entspannen sich, Aktien steigen: Konjunkturoptimismus in Kombination mit einer sinkenden Zinsangst beflügelten die Aktienmärkte. In seiner Rede vor dem Repräsentantenhaus zeigte Fed-Chairman Jerome Powell keinen Handlungsbedarf. Trotz der gestiegenen Inflation wird die Fed die Ruhe bewahren, da die Preisanstiege wie die Daten vom Arbeitsmarkt und beim Wirtschaftswachstum „Ergebnis einer ungewöhnlichen Situation in der abklingenden Pandemie“ sind. Somit werde die Notenbank nicht aus Furcht vor einer einsetzenden Inflation die Leitzinsen präventiv erhöhen. Erneut sprach Powell davon, dass der Inflationsschub nur temporär ist. Noch immer kauft die Fed monatlich Wertpapiere im Volumen von 120 Mrd. USD und sie wird dies so lange fortsetzen, bis erhebliche Fortschritte bei Preisstabilität und Beschäftigung erreicht sind. Nimmt man die Wirtschaftsprognosen der einzelnen Mitglieder des Federal Open Market Comittee (FOMC; Offenmarktausschuss) in den USA, so liegt in der BIP-Wachstumseinschätzung der Medianwert für heuer bei 7,0%, jedoch für 2022 und 2023 nur noch bei je 3,3 bzw. 2,4%. Bei der Arbeitslosenquote gehen die Fed-Experten davon aus, dass sie von 4,5% im heurigen Jahr bis 2023 auf 3,5% zurückfällt. Die PCE (Personal-Consumption-Expenditures)-Inflation soll von 3,4% im laufenden Jahr auf 2,1% im Jahr 2022 zurückgehen und bis 2023 auf 2,2%. Während heuer noch alle 18 Mitglieder des Offenmarktausschusses unveränderte Leizinsen sehen, gehen für 2022 5 von einer Anhebung auf 0,375% (Mitte der Bandbreite) und 2 von 0,625% (Mitte der Bandbreite) aus. Die konjunkturellen Signale führten in der vergangenen Woche wieder zu einer Beruhigung der Märkte.

Produktion läuft auf Hochtouren: Der von IHS Markit ermittelte Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA stieg im Juni gegenüber dem Vormonat von 62,1 auf einen vorläufigen Rekordwert (seit Oktober 2009) von 62,6 Punkten. Analysten gingen von 61,4 Punkten aus. Störfaktoren waren Lieferzeiten und Inputpreise. Eine leichte Abkühlung gab es im Servicebereich von 70,4 auf 64,8 Punkte, was aber noch das zweitstärkste Expansionsniveau seit Beginn der Aufzeichnungen im Oktober 2009 darstellt.

Beschleunigtes BIP-Wachstum: Vom ersten auf das zweite Quartal beschleunigt sich das BIP-Wachstum in den USA von 6,4 auf 9%. Für das laufende Jahr erwarten Volkswirte ein Plus von 7%, was das stärkste BIP-Wachstum seit 1984 wäre. 2020 lag der Rückgang bei 3,5%, die negativste Entwicklung seit 74 Jahren. Noch immer ist die Sparquote im Mai auf erhöhtem Niveau von 12,4% nach 14,5% im April. Insgesamt haben die US-Haushalte über die Pandemie zusätzlich 2,5 Billionen Dollar angespart, was erhebliches Konsumpotenzial bedeutet. Somit ist der Anstieg des University of Michigan Consumer Sentiment Index von Mai auf Juni von 82,9 auf 85,5 Punkte positiv zu werten, zumal die Haushalte mit Einkommen von über 100.000 Dollar pro Jahr optimistisch in die Zukunft blicken.

S&P 500: Besonders positiv schätzen Unternehmen des S&P 500 das zweite Quartal ein.  Für das zweite Quartal haben bereits 103 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 66 positive 37 negativen Gewinnerwartungen gegenüberstehen, was einer positiven Erwartungsquote von 62% (5-Jahres-Schnitt: 35%) entspricht. Seit 31. März stiegen die durchschnittlich erwarteten Gewinne/Aktie um 6,7%, während die durchschnittliche Veränderung der Prognosen über ein Quartal in den vergangenen 10 Jahren bei -4% lag. Das erwartete Quartalsgewinnwachstum würde 62,8% betragen und das bei einer Umsatzsteigerung um 19,5%. Das Gewinnwachstum wäre der höchste Wert seit dem vierten Quartal 2009 (108,9%). Die Nettogewinnmarge würde mit 11,7% weit über dem 5-Jahresschnitt von 10,6% und der Vorjahres-Marge von 8,6% liegen. Für das Gesamtjahr sind bei 12,3% Umsatzwachstum 35,2% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von über 22 relativiert.

Aktien - Europa

Frühindikatoren der Eurozone auf Expansionskurs: EZB-Direktorin, Isabel Schnabel, zufolge zeigen die jüngsten Prognosen der EZB-Volkswirte, dass die Wirtschaft der Euro-Zone auf dem Weg zu einer kräftigen Konjunkturellen Erholung ist. 2021 und 2022 geht die EZB von jeweils 4,6 bzw. 4,7% BIP-Wachstum aus. Dass es in nächster Zeit stark nach oben gehen könnte, lässt sich auch aus der vorläufigen Auswertung von Umfragen von IHS Markit in der Privatwirtschaft der Eurozone ableiten: Der Auftragszuwachs des Servicesektors erlebte das höchste Plus seit August 2007 und auch die Industrie erfreute sich hier einer kräftigen Zunahme und einem Produktionsanstieg. Gleichzeitig ist die Pricing Power der Unternehmen gestiegen. Die Verkaufspreise der Privatwirtschaft erlebten einen Rekordanstieg.

Gewinnschub im ersten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 96,4% wachsen. 290 Firmen des STOXX 600 veröffentlichten ihre Quartalsgewinne, wovon 72,4% die Analystenprognosen übertrafen (langjähriger Durchschnitt: 51%). Vor allem bei zyklischen Konsumgütern, Industriewaren, und im Finanzsektor werden starke Gewinnsteigerungen erwartet. Das für das Gesamtjahr 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 45,8% (Tendenz wieder steigend!), wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden. Betrachtet man die einzelnen Länder so wird das höchste Gewinnwachstum im ersten Quartal erwartet in Spanien (461,2%), Belgien (390,9%) und Österreich (280,6%), während Portugal mit 20,4% hinterherhinkt.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China mit Wachstum und Value: Auch wenn derzeit Einzelhandel und Industrie in China nicht die gewünschte Erholungsdynamik liefern, so wird China in den kommenden beiden Jahren voraussichtlich mehr als 50 zum globalen BIP-Wachstum beisteuern. Die chinesische Regierung will ihre Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2035 verdoppeln, was einem BIP-Wachstum von 4,7% entspräche. Die Rating-Agentur Moody´s Investors Service stellt fest, dass „Chinas wirtschaftlicher Aufschwung die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ankurbeln und die Umsätze der Unternehmen in den nächsten 12 bis 18 Monaten steigern wird. In Sektoren wie Auto und Autodienste, Lebensmittel und Getränke, sowie Technologie-Hardware sollte das EBITDA-Wachstum die Ausweitung der Verschuldung übersteigen, was die Bilanzsituation chinesischer Unternehmen verbessern würde. Nimmt man ein MSCI China Index-Factsheet vom 31. Mai, so liegt das 12-Monats-Forward-KGV chinesischer Aktien aggregiert nur bei 15,9 vgl. mit 18,8 im MSCI ACWI. Somit weisen chinesische Aktien noch einen gewissen Value-Bonus auf.

Anleihen

Ruhe am langen Ende: Das Verhalten der Renditen am langen Ende weicht von der Dynamik der Fed-Fund-Futures ab, aus denen das CME Fed Watch Tool die Wahrscheinlichkeiten von Leitzinsanhebungen ableitet. Auf Wochensicht ist die Rendite zehnjähriger US-Treasuries um 3 BP auf 1,52% gestiegen und sie liegt über 20 BP unter dem Jahreshoch. Hingegen die Fed Fund Futures ließ ein kontinuierlicher Inflationsanstieg von Jänner bis Mai von 1,4 auf 5% nun schnellere Leitzinsanhebungen bis zur Fed Sitzung am 14. Dezember 2022 einpreisen: Noch am 27. Mai lag die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen noch bei 41,8%. Eine Anhebung um 25 Basispunkte (BP) auf 25 bis 50 BP wurde mit 39,8% eingepreist und eine weitere auf 50 bis 75 BP mit 15,1%, darüber nur mit 3,2%. Bis 25. Juni gab es folgende Verschiebungen: Während die Erwartung einer einzigen Leitzinserhöhung noch konstant mit 39,9% eingepreist war, betrug die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen nur noch 26%. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Leitzinserhöhung auf 50 bis 75 BP preisen die Fed-Fund-Futures bereits mit 24,6% ein und auf 75 bis 100 BP mit 7,9%, darüber mit 1,5%. In Europa hingegen rechnet die EZB mit starker Erholungsdynamik. Auf der anderen Seite rechnen Experten laut einer aktuellen Umfrage der EZB erst im Mai 2024 mit einer ersten Leitzinsanhebung im Euroraum. Somit stieg auf Wochenbasis die Rendite 10jähriger deutscher Bundesanleihen um 3 BP auf -0,16%. Ein wesentlicher Punkt, warum die Renditen nicht weiter steigen, ist die Erwartung eines nur temporären Inflationsschubs. Hinzukommen noch konjunkturelle Fragezeichen rund um neue Corona-Mutationen wie z.B. die Delta-Variante.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,08 Prozentpunkte (24.06.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung.

Edelmetalle und Rohstoffe

Getreidepreise unter Druck: Der Mais-Preis brach vergangene Woche um 8,5% ein, Sojabohnen verloren 5% an Wert und der Weizen über 4%. Was ist da los? Die aktuellen Ernteschätzungen fallen größer aus als noch vor einigen Wochen. Das gilt insbesondere für die europäischen Länder sowie Russland und die Ukraine. Gleichzeitig hat die US-Regierung eine mögliche Reduzierung der Beimischungspflicht bei Benzin und Biodiesel angekündigt. Hintergrund: Große Teile der US-Maisernte dienen der Herstellung für Bioethanol. Beim Weizen spielen die Erwartungen höherer EU-Exporte eine wichtige Rolle. Nach jüngster Korrektur eine mögliche Bodenbildung zeichnet sich indessen bei Gold, Silber und Platin ab – eine Entwicklung, die mit der Beruhigung an der Zinsfront korreliert.

Währungen

Schönwetter-Devisenmarkt: Während der US-Dollar nach einer Zinsberuhigung wieder leichter zu Euro tendiert, folgte auch ein Rückgang des Yen um 1,1%, während die „Rohstoffwährungen“ Kanadischer Dollar, Australischer Dollar und Südafrikanischer Rand wieder aufwerteten. Die Carrytrade-Währungen Brasilianischer Real und Mexikanischer Peso setzten ihre Anstiege weiter fort, während die Türkische Lira nach Ankündigung diverser Megaprojekte der Regierung weiter schwächelte.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

28.06.2021

USA: FOMC Mitglied John C. Williams spricht

29.06.2021

Japan: Arbeitslosenquote u. Einzelhandelsumsätze
EUR: Verbrauchervertrauen und Geschäftsklimaindex
USA: Immobilienpreisindex; Verbrauchervertrauen Conference Board

30.06.2021

China: NBS PMI Produktion, PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe
EUR: Verbraucherpreisindex
USA: ADP Beschäftigungsänderung; Chicago Einkaufsmanagerindex

01.07.2021

Japan: Tankan Große Produktionsprognose, Tankan Großindustrie CAPEX gesamt; Tankan Herstellungsindex für große Firmen
China: Caixin Produktion
EUR: Arbeitslosenquote; Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, ISM verarbeitendes Gewerbe; Markit PMI Herstellung

02.07.2021

EUR: Erzeugerpreisindex
USA: Arbeitslosenquote; durchschnittliche Stundenlöhne; Erwerbsbeteiligungsquote; Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, Werkaufträge

 

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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