PC - Weekly 2020 KW 43

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Stagflation: Preise steigen, die Wachstumsdynamik verlangsamt sich. Das ist Stagflation, ein Wort, das sich aus Stagnation plus Inflation zusammensetzt und eine kaufkraftvernichtende Konstellation für den Normalverdiener darstellt. Entsprechend gemäßigt waren zuletzt wieder die Äußerungen von Fed Chef, Jerome Powell, während die jüngsten Einkaufsmanagerindizes ganz klare Stagflationen Signale lieferten. Die Rohstoffe bleiben knapp und teuer, vor allem in der Gastronomie und Logistik fehlt Personal, genauso wie Fachkräfte am Bau und in der IT. Um den Mangel zu beheben, müssen Firmen mal tief in die Tasche greifen, denn das Zeitalter der sogenannten „billigen Sklaven“ ist vorbei. Gleichzeitig können bei abflauender Konjunktur Gewerkschaften keine allzu hohen Forderungen durchsetzen. Dennoch ist in den kommenden Jahren wahrscheinlich von einem Inflationsniveau ähnlich jenem der 80er-Jahre auszugehen. Dieses ist zwar höher als in der Dekade nach der Finanzkrise aber noch immer wesentlich niedriger als jenes der 70er-Jahre. Gleichzeitig verhärten sich auf geopolitischer Ebene die Fronten zwischen dem Westen und der Türkei, die im Streit um einen Aktivisten gleich zehn Botschafter auswies – eine hohe Eskalationsstufe. Gleichzeitig sagten die USA Taiwan im Konflikt mit China militärische Hilfe zu. Die geopolitische Situation ist weltweit so angespannt wie schon lange nicht mehr, weshalb ein nächster „schwarzer Schwan“ in Form einer geopolitischen Eskalation nicht mehr ausgeschlossen ist.

Solider Dienstleistungssektor aber Abschwächung in der Industrie: Durchwachsen sind die aktuellen Umfragedaten von IHS Markit in der Privatwirtschaft der USA. Die vorläufige Auswertung er zwischen 11. und 21. Oktober durchgeführten Umfragen ergab einen Anstieg des Flash U.S. Composite Output-Index von 55,0 Punkte im September auf vorläufig 57,3 Punkte und somit ein 3-Monats-Hoch im Oktober. Der IHS Markit Flash U.S. Composite PMI Output Index ist ein gewichteter Durchschnitt aus dem Manufacturing Output-Index und dem Services Business Activity Index. Während sich der Dienstleistungssektor von der Corona-Delta-Welle erholt und das Hochfahren des Sektors dazu führte, dass der Flash US-Services Business Activity Index von 54,9 auf vorläufig 58,2 Punkte und somit ein 3-Monats-Hoch anstieg, zeigte der Produktionsbereich Schwäche auf breiter Front. Der U.S. Manufacturing PMI, eine Kombination aus Neuaufträgen (0,3), Output (0,25), Beschäftigung (0,2), Lieferzeiten (0,15) und Materiallager (0,1) markierte ein 7-Monats-Tief und der Flash Manufacturing Output Index ging gleich von 55,7 auf 52,3 Punkte und somit auf ein 15-Monats-Tief zurück. Hier machen sich Lieferengpässe bemerkbar.   Zwar ist der Neuauftragseingang so schwach gewachsen wie schon seit 8 Monaten nicht mehr, doch insgesamt war er noch auf hohem Niveau. Immer mehr machen der Industrie die steigenden Input-Preise zu schaffen. Doch solange die Daten gemischt sind, nimmt der Renditedruck am Rentenmarkt wieder ab.                                                                                                        

Weiter Sinkende Arbeitslosigkeit: Konjunkturell positiv, aber geldpolitisch negativ (spricht für Drosselung der Anleihenkäufe der Fed) war ein Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung um weitere 6000 auf 290.000 (ausgehend von einem auf 296.000 revidierten Level). Das ist der niedrigste Leval seit 15. März 2020 (damals 256.000). Die Folgeanträge fielen um 122.000 auf 2,481 Millionen Einwohner. Mittlerweile wird in vielen Branchen Personal knapp und die Lohn-Preis-Spirale nimmt ihren Verlauf.

Noch Earning-Dynamik im S&P 500 aber Alarmsignale im Technologiesektor: Trotz enormer Zuwächse fanden Anleger bei Intel ein Haar in der Suppe: Im dritten Quartal wuchs zwar der Umsatz um 5% und Einmaleffekte führten zu einem Gewinnanstieg um 60% auf 6,8 Mrd. USD, doch die sinkenden Notebook-Verkaufszahlen infolge eines weltweiten Bauteilmangels führten zu einer rückläufigen Entwicklung der Client-Computing Group. Da laut Intel CEO, Pat Gelsinger, die Halbleiter knapp sein sollen, ist keine baldige Entspannung in Sicht und der Aktienkurs liegt auf Wochensicht rund 9% im Minus. Noch härter traf es Social Media-Werte: Snap beendete die abgelaufene Woche mit einem Minus von 29% und riss auch Facebook und Twitter nach unten. Das Werbegeschäft von Snap gerät unter Druck, nachdem Apple die Regel einführte, dass App-Entwickler die Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie ihr Verhalten über verschiedene Anwendungen und Dienste hinweg zu Werbezwecken nachverfolgen wollen. Das kommt bei den Kunden schlecht an. Punkt Zwei: Aufgrund leerer Lager haben Firmen dieses Mal zum Weihnachtsgeschäft keinen Bock darauf, Werbung zu schalten. Und wie sieht es nun bei den aktuellen Gewinnüberraschungen im S&P 500 aus? Von den 23% der S&P 500 Firmen, die per 22. Oktober Gewinne veröffentlichten, meldeten 84% eine positive Gewinnüberraschung (höher als Analystenprognosen). (vgl. mit 5-Jahresschnitt von 76%). Aggregiert liegen die Gewinne 13,4% über den Analystenprognosen (5-Jahresschnitt: 8,4%). Diese Dynamik erklärt noch ein Forward KGV von 21 im S&P, doch zukünftige negative Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

Aktien - Europa

Eurozone signalisiert im Oktober schwächstes Wirtschaftswachstum seit 6 Monaten: Die jüngste Unternehmensbefragung von IHS Markit im Erhebungszeitraum 11. bis 20. Oktober ergab im Flash Eurozone Composite Index Produktion, einem Aktivitätsindikator der Privatwirtschaft einen vorläufigen Rückgang von 56,2 auf ein 6-Monatstief von 54,3 Punkten. Der Flash Eurozone Index Industrieproduktion ist sogar am 16 Monats-Tief angelangt und der Flash Eurozone EMI™ Industrie, bestehend aus den Unterindizes Auftragseingang (0,3), Produktion (0,25), Beschäftigung (0,2), Lieferzeiten (0,15) und Vormateriallager (0,1) fiel auf ein 8 Monats-Tief. Der gesamte Auftragseingang verzeichnete die 3. Abschwächung in Folge und in der Industrie die schwächste Zunahme seit 9 Monaten. Sowohl die Einkaufspreise als auch die Verkaufspreise erreichten ein Rekordhoch. Die konjunkturelle Scheitelbildung wird immer wahrscheinlicher. Die Zeichen stehen zunehmend auf Stagflation.

Europäische Aktien noch günstig bewertet: Europas Konjunktur wird von den Medien generell kritischer betrachtet als jene der USA. Daraus und infolge einer etwas schwächeren Erholungsdynamik könnte der aktuelle Bewertungsabschlag resultieren, der unter Umständen auch Chancen bieten könnte: Im aus 432 Werten bestehenden MSCI Europe lag per Ende September 2021 bei einer Dividendenrendite von 2,56% das Kurs/Buchwert-Verhältnis bei 2,10. Nimmt man den MSCIW ACWI (globaler Aktienindex) so stehen dort einer Dividendenrendite von 1,79% ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von 2,96 gegenüber. Ebenfalls ein klarer Abschlag ist beim Forward-KGV zu erkennen. 15,13 im MSCI Europe stehen 21,52 im MSCI ACWI gegenüber.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Wachstumsdynamik schwächt ab: Wegen Lieferkettenunterbrechungen und Stromversorgungsengpässen hat sich von August auf September das Wachstum der Industrieproduktion von 5,3 auf 3,1% verlangsamt. Da aber am chinesischen Binnenmarkt sich der Zuwachs der Einzelhandelsumsätze wieder von 2,5 auf 4,4% belebt hat, ist von einer regelrechten Leerung der Lager auszugehen. Mittlerweile hat sich bis zum dritten Quartal das BIP-Wachstum Chinaus auf 4,9% verlangsamt nach 7,9% im Vorquartal. Reihenweise geraten mittlerweile Immobilienentwickler in Schieflage und die Regierung plant regulierend einzugreifen.

Anleihen

Zinswende setzt sich fort, aber verliert etwas an Dynamik: Aus Washington folge eine weiter Klarstellung von Fed-Chef Jerome Powell: „Es sei zwar an der Zeit, die Anleihenkäufe zu reduzieren, aber nicht die Zinsen zu erhöhen“. Letzteres leitet er aus dem Arbeitsmarkt ein, der zuletzt ins Stocken geriet, da im September das Stellenplus mit 194.000 relativ niedrig ausfiel. Darüber hinaus fehlen noch immer knapp 5 Millionen Arbeitsplätze zum Vorkrisenniveau. Bereits ab der Fed-Sitzung Anfang November rechnen Experten mittlerweile mit einer Drosselung der monatlichen Anleihenkäufe von der Zeit noch 120 Mrd. USD. In der EZB wird zunehmend über die Dauer der Inflationsphase diskutiert, während in den USA die Futuresmärkte die erste Leitzinsanhebung in irgendeiner Fed-Sitzung im Sommer 2022 einpreisen. Die Zinswende ist globales Thema. Entsprechend sind weltweit die Staatsanleihenrenditen in den entwickelten Ländern aber auch diversen Schwellenländern gestiegen. In den USA stiegen die Renditen 10jähriger Treasuries marginal auf 1,63%, während jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen um weitere 3 Basispunkte auf -0,11% anstiegen. Mit partiellen konjunkturellen Impulsen und noch mehr Arbeitskräftemangel droht sich mittelfristig eine Lohn-Preis-Spirale zu entfachen, die Notenbanken zu Leitzinsanhebungen zwingen könnte. Weitere Renditeanstiege sollten daher niemanden verwundern.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,03 Prozentpunkte (21.10.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Aber die Märkte preisen für 2022 nur noch globale Ausfallsquoten von weniger als 2% ein (langfristiger Durchschnitt bei 4,2%), zumal sie heuer auf 12-Monats-Sicht nur noch bei 3% lagen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Gold und Silber drehen nach oben: Der US-Dollar setzte zu einer Gegenbewegung ein, zumal sich die Aussagen von Fed Chef Powell zunehmend mäßigten und die jüngsten Konjunkturdaten durchwachsen ausfielen. Die Renditeanstiege verloren an Dynamik und die Preise für Gold und Silber setzten hier zu einer Erholung an, zumal hier schon alleine unter inflationären Aspekten Nachholpotenzial besteht.

Währungen

Dollar verliert an Dynamik: Durchwachsene Konjunkturdaten und gemäßigte Töne aus der Fed führten im Dollar gegenüber dem Euro zu einer Gegenbewegung, sprich leichten Abwertung. Ob es sich um eine nachhaltige Trendwende handelt, bleibt abzuwarten. Der Schweizer Franken zeigte Aufwertungstendenz, genauso wie die Rohstoffwährungen Australischer Dollar, russischer Rubel, südafrikanischer Rand und mexikanischer Peso.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

25.10.2021

Japan: führender Wirtschaftsindex
USA: Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex

26.10.2021

USA: Immobilienpreisindex; Verbrauchervertrauen Conference Board; Verkäufe neuer Häuser

27.10.2021

USA: Auftragseingänge langlebige Güter, Nicht militärische Investitionsgüter Aufträge ohne Flugzeuge;

28.10.2021

EUR: EZB Zinssatzentscheidung und Pressekonferenz; Industrievertrauen, Verbrauchervertrauen
Japan: Einzelhandelsumsätze; BoJ Zinssatzentscheidung, Prognosebericht und Geldpolitik-Statement
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, BIP, Schwebende Hausverkäufe

29.10.2021

Japan: Inflationsdaten, Arbeitslosenquote
EUR: BIP, Inflationsdaten
USA: BIP-Daten, Privatausgaben, Chicago Einkaufsmanagerindex, Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Arbeitskostenindex

 

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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