PC - Weekly 2020 KW 44

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Schwierige Rahmenbedingungen: Die globalen COVID-19-Fälle erreichten am Sonntag mit 42,47 Millionen (Sonntag vor einer Woche: ca. 40 Millionen Fälle) neue Rekordwerte. In den USA stieg die Anzahl der bisher Erkrankten von 8,1 auf 8,6 Millionen. Brasilien und Indien haben bereits 5,4 bzw. 7,9 Millionen Fälle und quer durch Europa haben die Lockdowns begonnen. Betroffene Länder sind u.a. Irland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Spanien und teilweise nun auch Österreich, wo es vor allem zu verschärften Maßnahmen kam. Während China wieder Wachstumsimpulse zeigt, befindet sich die restliche Weltwirtschaft auf Schrumpfkurs. Der Taiwan-Konflikt zwischen USA und China brodelt weiter. China droht den USA für ein Raketengeschäft mit Taiwan mit Vergeltung. Ein weiterer Konfliktschauplatz USA-China ist das Südchinesische Meer. Die USA werfen dort China Brüche des Seerechts vor und wollen Patrouillenboote der Küstenwache entsenden. Indessen setzen sich die Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Enklave Bergkarabach weiter fort und in Nigeria fordern Demonstranten weitreichende Polizeireformen. Positiv hingegen sind die Entwicklungen beim Brexit. Großbritannien und die EU treiben hier die Vorhandlungen voran und laut Medienberichterstattung gibt es bereits erste Fortschritte.

        Kommt neues Konjunkturprogramm noch vor der Präsidentenwahl? In der vergangenen Woche sah es so aus als wäre dieses geplante Maßnahmenpaket zur Kompensation der Covid-19-Folge verschoben. Doch vergangene Woche keimten die Hoffnungen erneut auf nachdem die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi eine Annäherung in den Verhandlungen verkündete. Allerdings weicht der republikanisch dominierte Senat noch einem Deal aus.

        Flash U.S. Composite Output Index stieg im Oktober von 54,3 auf ein 20-Monats-Hoch von 55,5 Punkte: Die Geschäftsaktivitäten der US-Privatwirtschaft (Produktion u. Dienstleistung) haben sich im Oktober beschleunigt – so das Ergebnis der vorläufigen Auswertung aktueller Unternehmensbefragungen von IHS Markit. Sowohl der Dienstleistungssektor als auch das verarbeitende Gewerbe zeigten Stärke. Der Anstieg der Industrieauftragskomponente war der stärkste seit Jänner 2019. Das vierte Quartal begann mit Wirtschaftsaktivitäten wie sie seit Jänner 2019 nicht mehr gesehen wurden. Doch die weitere Entwicklung der Corona-Maßnahmen der Regierung und der Zeitpunkt eines neuen Stimulusprogrammes entscheiden über weitere Dynamik.

Lichtblicke am Arbeitsmarkt: Noch im September stieg die Anzahl der Langzeitarbeitslosen in den USA  um 781.000 auf 2,4 Millionen und die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stiegen in der Woche endend mit 10. Oktober von revidiert 845.000 auf 898.000 (revidiert: 842.000). In der Woche darauf folgte ein erster Lichtblick: Die Neuanträge auf AL-Unterstützung gingen auf 787.000 zurück, während Volkswirte noch 875.000 erwarteten. Das ist der niedrigste Stand seit 3. Oktober und der zweitniedrigste seit 14. März.

Erste Gewinnveröffentlichungen des 3. Quartals vielversprechend: Per 23. Oktober haben 27% der S&P 500 Unternehmen die Zahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht. Davon veröffentlichten 84% Gewinne über den Analystenschätzungen verglichen mit 73% im 5-Jahres-Durchschnitt. Das Besondere dabei: Die aggregierten Gewinne der S&P 500 Unternehmen liegen laut FactSet um 17,2% über den Schätzungen der Analysten (vgl. mit 5-Jahresschnitt von +5,6%). Nimmt man aktuelle Veröffentlichungen in Kombination mit den Prognosen bei jenen Firmen, die noch keine Quartalsgewinne veröffentlichten, so kann nun im Jahresvergleich zum 3. Quartal 2019 nur noch mit einem Gewinnrückgang von 16,5% gerechnet werden (Vorwoche: Erwartung bei -18,4%). Insbesondere positive Gewinnüberraschungen im Finanzsektor, in der Gesundheitsbranche und dem Konsumgüterbereich sind dafür verantwortlich. Aber wie sieht es längerfristiger aus? 2021 sollten bei 7,9% Umsatzwachstum die Gewinne wieder um 24,2% wachsen. Allerdings liegt das 12-Monats-Forward-KGV mit 21,7 auf hohem Niveau, was den US-Aktienmarkt korrekturgefährdet macht. Der 10-Jahresschnitt liegt nur bei 15,5!

        Aus der Earning Season: IBM konnte zwar im Cloud-Business punkten, doch ansonsten musste der IT-Gigant im dritten Quartal beim Umsatz weiter Federn lassen. Angesichts erhöhter Marktunsicherheit gab der Konzern keinen Jahresausblick bekannt. Hingegen, nicht zuletzt aufgrund der Nachfrage nach Hygieneprodukten, konnte Procter & Gamble im ersten Geschäftsquartal den Umsatz steigern, was das Management dazu veranlasste Umsatz- und Gewinnziele für das Gesamtjahr anzuheben.

Aktien - Europa

        Privatwirtschaft der Eurozone fällt wieder zurück in die Kontraktion: Im Gegensatz zu den USA weniger erfreulich ist das Ergebnis der Vorab-Auswertung der vom 12. bis 22. Oktober im Euroraum durchgeführten Unternehmensbefragungen. Der Service und Produktion umfassende Flash Eurozone Composite Index Produktion ist gegenüber dem Vormonat im Oktober von 50,4 auf 49,4 Punkte gesunken. Der Kontraktionsbereich beginnt unter 50 Punkten! Die Schrumpfung der Wirtschaftsleistung im Oktober ist eine Folge verschärfter Geschäftseinbußen im Servicesektor infolge steigender Coronazahlen. Mittlerweile rechnen Experten mit einer weiteren Schrumpfung der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2020. Allerdings steht ein hohes Auftragsminus im Servicesektor einem starken Auftragszuwachs in der Industrie gegenüber, deren Auftragsbestände die stärkste Zunahme seit Februar 2018 verzeichneten. Einher ging dies mit dem stärksten Produktionswachstum seit 32 Monaten. Der Servicesektor hingegen erlitt die zweiten Geschäftseinbußen in Folge.

        Schwaches drittes Earningsquartal: Die Prognosen für das dritte Quartal 2020 sind verhalten: Laut Refinitiv-Konsens sollten im dritten Quartal 2020 die Gewinne der Unternehmen bei 11,8% Umsatzrückgang um 34,8% (Vorwoche minus 36,7% erwartet) einbrechen. Rechnet man den schwachen Energiesektor raus, dann bremsen sich Umsatz- und Gewinneinbruch auf je -7,8 bzw. -28%. Gegenüber dem 15. September haben sich allerdings die Erwartungen verbessert. Damals gingen Analysten sogar von einem Gewinneinbruch im Ausmaß von 40% aus. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch um 35,8% im STOXX 600 und -40,2% in der Eurozone. Einziger Wachstumssektor im Euroraum sind die Versorger, deren Gewinne um 2,9% wachsen könnten, während die Gewinne im Energiesektor um 81,3% einbrechen sollten. Dieser Pessimismus kann allerdings Nährboden für positive Gewinnüberraschungen sein.

Aktien - Schwellenländer / Asien

       Chinas Wirtschaft wächst im vierten Quartal um 4,9%: Während die restliche Welt mit der tiefsten Rezession seit der Finanzkrise kämpft, veröffentlichte China für das dritte Quartal ein BIP-Wachstum von 4,9%, das allerdings unter den Analystenschätzungen von 5,5% liegt. Vor allem die zunehmende Wachstumsdynamik auf September stimmt optimistisch. Laut neuer Prognose des IWF sollte Chinas Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 1,9% (Juni-Prognose: 1,0%) wachsen und für 2021 erwartet der Währungsfonds ein Plus von 8,2%. Vor allem die Exporte und Binnenkonsum stützen: Chinas Exporte stiegen im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,9% und die Einzelhandelsumsätze wuchsen um 3,3%.

Anleihen

        Starke US-Wirtschaft und schwächelndes Europa – Diesen Eindruck vermittelten zumindest die Einkaufsmanagerindizes vergangener Woche. Hinzukommt eine wachsende Hoffnung erneuter Konjunkturhilfen, während die Fed erst kürzlich indirekt verkündete, selbst in der ersten Erholungsphase noch an ihrer Nullzinspolitik festzuhalten. In Europa wird es so ernst, dass EZB-Präsidentin Lagarde in einem Interview mit der französischen Tageszeitung „Le Monde“ Bedenken äußerte, dass die konjunkturelle Erholung vom Corona-Einbruch im Frühjahr an Dynamik zu verlieren drohe. Nun werde die EZB die Entwicklung den Herbst über beobachten. Sollte sich die Lage eintrüben, könnte die EZB entgegensteuern. Lagarde ging sogar so weit und dachte über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nach. Die Inflationsraten bleiben weltweit moderat. Zuletzt veröffentlichte Großbritannien 0,7% für September (nach 0,5% im August). Entsprechend reagierten die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen aus den entwickelten Ländern. In Europa hielt sich weiterhin das niedrige, großteils negative Niveau, während die Renditen zehnjähriger US-Treasuries etwas stärker emporschnellten. Sie stiegen binnen einer Woche um 9 Basispunkte auf 0,84%. Hingegen waren die Renditen laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen nur um 4 Basispunkte auf -0,58% gestiegen. Hingegen waren bei italienischen und spanischen Papieren etwas stärkere Renditeanstiege erkennbar, zumal sich die staatliche Verschuldungssituation in Europa verschlechtert.

       HY-Corporate Bonds mit rückläufigen Risikoaufschlägen: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind im Einklang mit sinkender Risikofreude der Anleger und zunehmenden Konjunkturängsten von 5,14 auf 5,64 Prozentpunkte (24.9.) gestiegen, ehe in den vergangenen vier Wochen wieder eine Gegenbewegung auf 4,88 Prozentpunkte (22.10.) einsetzte. Offensichtlich steigt mangels Alternativen ab einem gewissen Renditelevel wieder die Investmentbereitschaft der Anleger.

Edelmetalle und Rohstoffe

Währungen

        Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro in der vergangenen Woche um 1,2 Prozent abgewertet, nachdem EZB-Präsidentin Christine Lagarde sich wiederholt skeptisch zur Konjunktur in Europa äußerte und sich subtil für weitere Notenbankmaßnahmen aussprach. Joker bleibt indessen – je nach Ausgang der Brexit Verhandlungen – das Britische Pfund, während sich ansonsten die Schwankungen des Euro zu den wichtigsten Währungen in Grenzen halten. Seitwärts tendierte die Krisenwährung Schweizer Franken. Von ihrer festeren Seite zeigten sich die Carry-Trade-Währungen Südafrikanischer Rand und Russischer Rubel.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

26.10.2020

Japan: Führender Wirtschaftsindex

USA: Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex; Verkäufe neuer Häuser

27.10.2020

USA: Auftragseingänge langlebige Gebrauchsgüter ohne Rüstung, Auftragseingänge langlebige Güter, Nicht militärische Investitionsgüter-Aufträge ohne Flugzeuge, API wöchentlicher Rohöllagerbestand, Verbrauchervertrauen Conference Board

28.10.2020

EUR: Rede EZB-Präsidentin Lagarde;

29.10.2020

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Persönliche Konsumausgaben, BIP

EUR: EZB-Zinssatzentscheidung; Verbrauchervertrauen, Geschäftsklimaindex

30.10.2020

Japan: Industrieproduktion

EUR: BIP, Inflation

USA: Chicago Einkaufsmanagerindex; Reuters/ Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Privatausgaben,

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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