PC - Weekly 2021 KW 18

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Starke US-Wirtschaft vs. schwaches Europa: Bereits im ersten Quartal wuchs das BIP konsumgetrieben gegenüber dem Vorquartal annualisiert um 6,4%, weshalb die aktuellen staatlichen Ausgabenprogramme prozyklisch und eindeutig inflationär wirken, denn: Joe Biden hat bereits ein 1,9 Billionen Dollar Corona-Rettungspaket mit knapper Mehrheit im Kongress durchgesetzt. Dieses sieht „Helikoptergelder“ von 1600 USD für zahlreiche Amerikaner sowie Hilfen für von Corona betroffenen Unternehmen vor – also ein schwerpunktmäßiges Sozialprogramm, dem nun ein 2,3 Billionen-Dollar-Infrastrukturprogramm folgen sollte. Alleine das wären bereits 11% des BIP im Jahr 2020 folgend auf 9,1% des BIP! Der IWF rechnet für heuer in den USA mit 6,4% BIP-Wachstum. Warren Buffett wies auf der heurigen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway darauf hin, dass derzeit 85% der Wirtschaft einer Sonderkonjunktur unterliegen. Entsprechend positiv ist derzeit auch die Entwicklung der Gewinnüberraschungen und die Risikofreude der Anleger steigt auf weiter Front. Anders ist aber die Situation in Europa, wo die Wirtschaftsdaten eher verhalten sind, da die Aufrollung der Impfkampagnen hinter ursprünglichen Zielen hinterherhinkt und sich weite Teile des Kontinents noch im „Lockdown-Modus“ befinden. Dies hat bereits zu einer entsprechenden Reaktion an der Währungsfront geführt. Geopolitisch hingegen nehmen die Spannungen im südchinesischen Meer zu. China droht faktisch mit militärischer Eroberung von Taiwan und Verletzungen des taiwanesischen Luftraums durch chinesische Kampfjets stehen an der Tagesordnung. In der aktuellen Ausgabe von Economist bezeichnet die renommierte Zeitschrift in ihrer Titelstory Taiwan als „gefährlichsten Ort der Welt“. Gleichzeitig warnen US-Geheimdienstbehörden vor einem Krieg im Weltraum zwischen den USA und den Gegnern China und Russland.

Erstmals seit dem ersten Quartal 2020 wieder ein positives Wirtschaftswachstum in den USA: Die Nachrichten vom „Boom in den USA“ sind etwas verwirrend. Denn die in den Medien als „Sensation“ verkauften 6,4% BIP-Wachstum im ersten Quartal 2021 sind wie folgt gerechnet: Vergleichswert ist das Vorquartal (Q4 20) und die Wachstumsrate zum Vorquartal wird auf das gesamte Jahr hochgerechnet und dann kommen 6,4% nach 4,3% im vierten Quartal 2020. Volkswirte rechneten nur mit 6,1%. Doch betrachten wir einmal die Jahresrate, so drehte das Quartalswachstum von -2,4% (Q4 20) mit 0,4% ins Plus, was er erste Zuwachs seit dem ersten Quartal 2020 ist. Wachstumsdriver sind dabei die privaten Investitionen, vor allem in den Wohnbau und Ausrüstung und beim privaten Konsum langlebige Güter. Beispielsweise sind auf einmal Produkte gefragt, die in den vergangenen Jahren einer Flaute unterlagen. Beispiele sind Musikinstrumente wie z.B. E-Gitarren.  Hingegen Dienstleistungen leiden noch immer unter den Corona-Maßnahmen.

Auftragseingänge für langlebige Güter im Aufwind: Dieser Frühindikator stieg von Februar auf März um 0,5% auf 256,3 Mrd. USD. In zehn der vergangenen elf Monate gab es hier einen Zuwachs. Rechnet man die Auftragseingänge im Transportbereich heraus lag das Plus bei 1,6% und ohne Rüstung bei 0,5%. Fabrikswaren aus Metall verzeichneten in sechs der vergangenen sieben Monate ein Plus und stiegen um 3,6% auf 35,4 Mrd. USD. Noch aussagekräftiger ist aber der bisherige Stand im laufenden Jahr (Jänner, Februar und März 2021) gegenüber dem Vorjahreszeitraum: Hier steht ein Plus des Auftragseingangs langlebiger Güter allgemein einer Steigerung der Auslieferungen um 5,4% gegenüber Ohne der volatilen Transportkomponente lag das Verhältnis bei 10% (Auftragseingänge) zu 7,2% (Auslieferungen). Das bedeutet weiteres Wachstum. Vor allem Computerausrüstung ist gefragt.

Starke Region Chicago: Die Stimmung der Führungskräfte in der Region Chicago hat sich im April unerwartet aufgehellt. Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex steigt deshalb im April von 66,3 auf 72,1 Punkte und somit den höchsten Stand seit Dezember 1983. Volkswirte gingen nur von 65 Punkten aus. Positiv zu werten ist, dass der Index für den Auftragseingang um 9,9 Punkte auf ein 7-Jahreshoch und der Auftragsbestand sogar um 16,2 Punkte auf den höchsten Stand seit Dezember 1973 anstieg. Die Nebenwirkung heißt „Inflation“: Der Index für die bezahlen Preise erreichte ein 41-Jahres-Hoch. Rohstoffknappheit und Transportprobleme belasten die Kostenseite.

S&P 500: Stark positive Gewinnüberraschungen im ersten Quartal: Bis 30. April veröffentlichten 60% der S&P 500 Firmen ihre Quartalszahlen, von denen 86% der Gewinne besser ausfielen als von den Analysten im Schnitt erwartet. Das ist der höchste Anteil seit Beginn der Aufzeichnungen im März 2008. Der 5-Jahresschnitt lag bei 74%. Aggregiert betrachtet liegen die Gewinne um 22,8% über den Analystenschätzungen (5-Jahres-Schnitt +6,9%). Das wäre das zweithöchste Gewinnüberraschungsniveau seit Beginn dieser Aufzeichnungen im Jahr 2008. Mischt man die geschätzten und bereits für das erste Quartal veröffentlichten Zuwachsraten dann wäre das ein Quartalsgewinnwachstum um 45,8%. Das wäre der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2010 (55,4%). Die höchsten Gewinnüberraschungsquoten gabs bisher in den Sektoren IT (94%), Finanzen (93%), und Energie (92%). Für das zweite Quartal haben bereits 48 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 30 positive 18 negativen Gewinnerwartungen gegenüber stehen, was einer positiven Erwartungsquote von 63% (5-Jahres-Schnitt: 35%) entspricht. Analysten erwarten im zweiten Quartal 58,3% Gewinnwachstum bei 18,1% Umsatzsteigerung. Für das Gesamtjahr sind bei 10,9% Umsatzswachstum 31,7% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 22,0 relativiert (10Jahresschnitt: 16).

Aktien - Europa

Gewinnschub im ersten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 71,3% wachsen. Vor allem im Industriebereich und bei zyklischen Konsumgütern werden starke Gewinnsteigerungen erwartet, ebenso im Finanzsektor. Das für das Gesamtjahr 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 40,6% (Tendenz steigend!), wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hellte sich im April stark auf. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg zum Vormonat um 9,4 Punkte auf 110,3 Zähler, wie die Europäische Kommission am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Analysten rechneten im Schnitt mit einem wesentlich schwächeren Zuwachs auf lediglich 102,2 Punkte. Ähnliches gilt auch für die EU.

Euroraum schrumpft weiter: Im ersten Quartal: Die Wirtschaftsleistung der Eurozone ging im ersten Quartal auf Jahresbasis um 1,8% zurück, wofür ein schwacher Dienstleistungssektor infolge strenger Corona-Maßnahmen verantwortlich ist. Die stärksten Rückgänge verzeichneten Portugal und Spanien mit jeweils -5,4 bzw. -4,3%. Österreich und Deutschland erlitten Rückgänge um je -2,7 bzw. -3,0% während Frankreich bereits einen Zuwachs um 1,5% erzielte.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Lieferengpässe bremsen Auslandsnachfrage und Industriedynamik in China: Die chinesische Industrie wuchs im April langsamer als erwartet. Der offizielle Einkaufsmanagerindex des nationalen Statistikamtes (NBS) zeigte am Freitag im verarbeiteten Gewerbe eine Wachstumsverlangsamung. Zwar blieb der Index über der Kontraktionsgrenze von 50 Punkten, doch fiel er im April gegenüber März von 51,9 auf 51,1 Punkte. Es machen sich Versorgungsengpässe und steigende Kosten sowie eine abnehmende Exportnachfrage bemerkbar. Firmen klagen über Probleme in der Logistik, einen Mangel an Containern und steigende Frachtraten sowie eine Knappheit an Chips. Die großen und staatlichen Firmen der Umfrage entlassen wieder Mitarbeiter und der Subindex für die Beschäftigung sank somit von 50,1 auf 49,6 Punkte. Der Index für neue Exportaufträge war von 51,2 auf 50,4 Punkte rückläufig. Volkswirte gehen aber nach dem Rekordwachstum von 18,3% im ersten Quartal 2021 nur von vorübergehenden Störungen aus und erwarten für das laufende Jahr für China ein BIP-Wachstum von 8,6%.

Anleihen

Minimale Renditeanstiege: Die EZB befindet sich in einem Dilemma zwischen Krisenhilfen und Inflation. Zuletzt hat sie sogar die pandemiebedingten Anleihenkäufe beschleunigt. Auf der anderen Seite besteht große Angst vor einem verfrühten Ausstieg aus dem Krisenmodus. Auch könnte eine anhaltende Konjunkturschwäche in Europa bei Rückkehr der USA auf den Wachstumspfad und gleichzeitigem Wachstumsschub in Asien der Euro abschwächen, was über Importe die Inflation beschleunigen würde. Ab einem Teuerungs-Level von über 2% muss die EZB früher oder später reagieren. Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen um 6 Basispunkte (BP) auf -0,20% gestiegen ist, während jene laufzeitkongruenter italienischer Staatsanleihen sogar um 12 BP auf 0,90% anstieg. Die Rendite französischer Staatsanleihen verteuerte sich von 0,08 auf 0,15%. Auch in Mexiko und Brasilien setzte sich der Renditeanstieg in moderatem Ausmaß weiter fort. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries sind trotz einer großen Treasury-Auktion in der Fed-Entscheidung nur um 7 BP auf 1,63% gestiegen. Nach der Zinsentscheidung und anschließenden Pressekonferenz blieb nämlich das Renditeniveau bei Staatsanleihen nahezu unverändert, was darauf schließen lässt, dass die jüngste Fed-Sitzung für die Märkte „ein Nonevent“ war. Fed-Chef, Jerome Powell betonte lediglich, dass jetzt noch nicht der passende Zeitpunkt sei um über ein Ende der Anleihenkäue zu diskutieren.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,24 Prozentpunkte (29.04.21) gesunken, Doch auf diesem Niveau sind bereits die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung. US-High Yields sind offensichtlich überbewertet!

Edelmetalle und Rohstoffe

Nahrungsmittel und Industriemetalle im Aufwind: Während Edelmetalle (Gold, Silber, Platin) infolge von Inflations- und Zinsängsten sowie eines missglückten charttechnischen Ausbruchs bei Gold weiterhin lustlos herumtümpeln, zeigen Holz, Agrarprodukte und Industriemetalle Stärke. Der Holzpreis stieg um weitere 11% und hat sich auf Sechsmonats-Sicht bereits mehr als verdreifacht. In den USA boomt der Hausbau und das Angebot ist knapp. Die Preise für Zinn und Nickel stiegen um 7,4 bzw. 5,4%. Das Infrastrukturprojekt wirft seine Schatten voraus. Die Preise für Weizen und Mais waren im Wochenverlauf um weitere 2,8 bzw. 6% gestiegen. Die neuen Ernten werden teuer gehandelt.. Kälte in diversen US-Bundesstaaten, Trockenheit in den nördlichen Anbauregionen der USA und Kanadas machen den Maisanbau und die Aussaat von Sommerweizen zur Herausforderung. Hinzukommt Tierfuttermangel in China, was den Maispreis treibt.

Währungen

Einen kräftigen Scheinausbruch gab es beim Euro zum US-Dollar. Über 1,21 wogen sich viele schon in Sicherheit und sahen in Kürze Stände von 1,23 bis 1,25. Doch Pustekuchen! Die konjunkturellen Diskrepanzen zwischen den USA und Europa vereitelten den Ausbruch und mit der 1,8% BIP Schrumpfung im Euroraum war die Enttäuschung so groß, dass der Dollar plötzlich erstarkte und nun auf Wochensicht rund 0,8% im Plus liegt. Der Euro zeigte in der vergangenen Woche auf breiter Front Schwäche gegenüber einer Vielzahl wichtiger Währungen, insbesondere gegenüber dem Kanadischen Dollar (-2,2%!). Hintergrund: Die kanadische Notenbank hat als erste der führenden Zentralbanken eine Drosselung ihrer Anleihenkäufe beschlossen. Doch auch der Schweizer Franken wertete zum Euro auf, während Südafrikanischer Rand und Mexikanischer Peso noch schwächer waren als der Euro.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

03.05.2021

EUR: Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe

USA: Markit PMI Herstellung, ISM verarbeitendes Gewerbe, Fed Powell Rede

04.05.2021

USA: Handelsbilanz, Werkaufträge, API wöchentlicher Rohöllagerbestand

05.05.2021

EUR: Markit PMI Gesamtindex, Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen, Erzeugerpreise

USA: ADP Beschäftigungsänderung, Markit PMI Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex, ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe

06.05.2021

Japan: BoJ Geldpolitik Sitzungsprotokoll

China: Caixin China PMI Dienstleistungen

EUR: Wirtschaftsbilletin, Einzelhandelsumsätze

UK: BoE geldpolitische Entscheidungen

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Lohnstückkosten

07.05.2021

China: Exporte, Importe, Handelsbilanz

USA: Arbeitsmarktdaten: AL-Quote, Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, Nettoveränderung der Beschäftigung, Erwerbsbeteiligungsquote, Durchschnittliche Stundenlöhne

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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