PC - Weekly 2021 KW 21

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Wirtschaftsboom in USA?: Nachdem bereits seit längerem die Inflationsalarmglocken läuten verdichten sich inflationäre Tendenzen in Form übermäßig starker Konjunkturindikatoren. Jüngstes Beispiel sind die Umfrageergebnisse von IHS Markit bei US-Unternehmen aus den Bereichen Produktion und Dienstleistung. Der Dienstleistungssektor habe dabei alle bisherigen Rekorde gebrochen. Gleichzeitig führte die schnelle Impfkampagne zu einem unerwartet starken Rückgang der Erstanmeldungen zur Arbeitslosigkeit. Und die von der Fed Philadelphia für deren Region publizierte Umfrageergebnisse im verarbeitenden Gewerbe zeigten für Mai bei einer konjunkturellen Abkühlung explodierende Preise. Die individuellen Einkaufspreise der befragten Unternehmen steigen stärker als die Inflationsrate und der Diffusions-Index bezahlter Preise stieg um 8 Punkte auf 76,8 und somit den höchsten Stand seit März 1980. Rund 77% der Firmen berichteten von steigenden Input-Preisen, während niemand über Rückgänge berichtet hat. Die aktuellen Preise stiegen so stark wie seit Mai 1981 nicht mehr. Da stellt sich langsam die Frage, wie stark die Firmen dies an die Endverbraucher weitergeben können. Wirft man einen Blick auf die Steigerung der Stundenlöhne für April, so stiegen diese auf Jahresbasis nur noch um 1,2%. Demgegenüber steht eine Inflationsrate von 4,2%. Bei nach wie vor hoher Arbeitslosigkeit ist Sparen angesagt. Somit droht  Produktion und Handel eine Preis/Kosten-Schere, denn bestenfalls ein kleiner Teil der höheren Kosten können auf Dauer an die Konsumenten weitergegeben werden. Gleichzeitig erhöhen diverse geopolitische Spannungen das Warenknappheits- und Inflationsrisiko. Somit ist es nicht verwunderlich, wenn in den kommenden Wochen in der Fed Tapering-Debatten laufen.

        Anhaltend starker US-Arbeitsmarkt: Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren in der am 15. Mai endenden Abrechnungswoche um weitere 34.000 auf 444.000 rückläufig, was der niedrigste Wert seit Mitte März 2020 ist. Die von Reuters befragten Volkswirte gingen von 452.000 aus. Der Rückgang wurde von den Regionen Georgia, Kentucky und Texas angeführt. Doch das Problem ist die strukturelle Langzeitarbeitslosigkeit: Die Folgeanträge auf AL-Unterstützung stiegen nämlich um 111.000 auf 3,75 Millionen. Gleichzeitig zeigten die Produktionsaktivitäten der Region Philadelphia Für Mai einen Einbruch auf 31,5 Punkte und somit weit unter die von Volkswirten erwartete Expansion von 40,5. Ob es sich dabei um eine temporäre Abweichung oder den Beginn einer neuen Entwicklung handelt, werden die kommenden Monate zeigen.

        Gefährliches Overshooting privatwirtschaftlicher Aktivitäten: Eine vorläufige Auswertung der von 12. bis 20. Mai erhobenen Fragebögen in der US-Privatwirtschaft ergab einen unerwartet starken Anstieg der Aktivitäten: Der Flash U.S. Composite Output Index stieg von April auf Mai auf von 63,5 auf ein Rekordhoch von 68,1 Punkte. Getragen war diese Beschleunigung von der Dynamik des Service-Sektors und auch Neuaufträge verbesserten sich den fünften Monat in Folge. Im Produktionsbereich gab es verstärkt „Vorratskäufe“ von Kunden, die sich aufgrund der Güterknappheit eindecken. Gleichzeitig stiegen die Exportaufträge sowohl im Produktions- als auch Dienstleistungsbereich so stark wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im September 2014. Der IHS Flash U.S. Services PMI Business Activity Index stieg von April auf Mai von 64,7 auf 70,1 Punkte und somit so stark wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Oktober 2009. Die steigende Durchimpfungsrate und Normalisierung des Wirtschaftsgeschehens beflügelt. Ebenfalls ein Rekordhoch verzeichnete der Produktionssektor mit einem Anstieg von 60,5 auf 61,5 Punkte. Gleichzeitig stiegen die Input-Kosten so stark wie seit Juli 2008 nicht mehr. Logistik, Rohmaterialien, Treibstoffe und Handelspreise sind im Aufwind. Nachdem bis dato noch die starke Nachfrage die Pricing-Power der Unternehmen beflügelt wurden die höheren Kosten im stärksten Ausmaß seit Beginn der Datenreihe im Oktober 2009 an  Kunden weitergegeben. Doch wie lange wird das noch funktionieren, wenn Armut nach wie vor hoch bleibt, Löhne und Gehälter stagnieren und eventuell die Fed bald restriktiv einschreiten muss?

 

        S&P 500: Stark positive Gewinnüberraschungen im ersten Quartal: Bis 21. Mai veröffentlichten 95% der S&P 500 Firmen ihre Quartalszahlen, von denen 86% der Gewinne besser ausfielen als von den Analysten im Schnitt erwartet. Das ist der höchste Anteil seit Beginn der Aufzeichnungen im März 2008. Der 5-Jahresschnitt lag bei 74%. Aggregiert betrachtet liegen die Gewinne um 22,5% über den Analystenschätzungen (5-Jahres-Schnitt +6,9%). Das wäre das zweithöchste Gewinnüberraschungsniveau seit Beginn dieser Aufzeichnungen im Jahr 2008. Mischt man die geschätzten und bereits für das erste Quartal veröffentlichten Zuwachsraten dann wäre das ein Quartalsgewinnwachstum um 51,9% (Vorwoche: 50,3%). Das wäre der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2010 (55,4%). Die höchsten Gewinnüberraschungsquoten gabs bisher in den Sektoren Technologie (94%), Finanzen (94%), und Energie (91%). Für das zweite Quartal haben bereits 87 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 54 positive 33 negativen Gewinnerwartungen gegenüber stehen, was einer positiven Erwartungsquote von 62% (5-Jahres-Schnitt: 35%) entspricht. Analysten erwarten im zweiten Quartal 59,9% Gewinnwachstum bei 18,9% Umsatzsteigerung. Für das Gesamtjahr sind bei 11,8% Umsatzwachstum 33,7% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,2 relativiert (10-Jahresschnitt: 16). Achtung: Die positiven Erwartungen könnten nahe ihrem vorläufigen Höhepunkt sein, zumal auch die Rentabilität der Unternehmen im ersten Quartal neue Rekordwerte (Netto-Gewinn-Marge von 12,8%) erreichen sollte. Doch was kommt dann? Inflation wird immer häufiger in den Unternehmenspublikationen erwähnt und sobald die Nachfrage auf der Absatzseite aussetzt, droht dem einen oder anderen Unternehmen Margendruck durch eine Preis-Kosten-Schere. Allerdings gibt es Time-Lags durch Lieferverträge. Doch wenn diese alten Verträge auslaufen, dann droht eine Kostenlawine auf die Firmen zuzukommen und sie können diese nicht auf einmal auf Kunden abwälzen.

Aktien - Europa

        Gewinnschub im ersten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 92,8% wachsen. 263 Firmen des STOXX 600 veröffentlichten ihre Quartalsgewinne, wovon 73% die Analystenprognosen übertrafen (langjähriger Durchschnitt: 51%). Vor allem im Industriebereich und bei zyklischen Konsumgütern werden starke Gewinnsteigerungen erwartet, ebenso im Finanzsektor. Das für das Gesamtjahr 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 44,9% (Tendenz steigend!), wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

        Eurozone erlebt stärksten Nachfrageschub seit 15 Jahren: Das ist die Kernaussage der vorläufig ausgewerteten Umfrage von IHS Markit, die sie vom 11. bis 20. Mai  in der Privatwirtschaft (Produktion und Dienstleistung) der Eurozone durchführte. Der Indikator für die gesamte Privatwirtschaftsaktivität, der IHS Markit Flash Eurozone Composite Index stieg von April auf Mai um 3,1 auf 56,9 Punkte und erreichte den höchsten Wert seit Februar 2018. Dabei erlebte der gesamte Auftragseingang den stärksten Zuwachs seit Juni 2006, womit der Auftragsbestand so stark wuchs, wie noch nie seit Erhebung dieser Daten im November 2002. Die Produktion hinkt hinterher. Die Nebenwirkungen: Ein Rekordanstieg der Einkaufspreise der Industrie und der stärkste Anstieg der Einkaufspreise seit März 2011.

Aktien - Schwellenländer / Asien

        Enttäuschungen in China: Lieferengpässe bremsen Auslandsnachfrage und Industriedynamik in China: Die chinesische Industrie wuchs im April langsamer als erwartet.  Der Zuwachs der Industrieproduktion verlangsamte sich von 14,1% im März auf 9,8% im April. Die Investitionen des privaten Sektors stiegen in den ersten vier Monaten ebenfalls schwächer als erwartet. Allerdings wuchs im ersten Quartal 2021 wegen Basiseffekten zum Vorjahr die chinesische Wirtschaft um 18,3%. Für das Gesamtjahr werden noch gut 8% Plus erwartet.

Anleihen

        Abwarteposition: Während EZB-Präsidentin Christine Lagarde nur mit vorübergehend höherer Inflation rechnet und die EZB tendenziell eine expansive Geldpolitik weiter fortführen sollte, sieht es in den USA etwas komplexer aus: Dass die US-Volkswirtschaft früher oder später nicht mehr an einer Drosselung der Anleihenkäufe und mittelfristiger Leitzinsanhebungen nicht mehr vorbeikommt, ist allgemein bekannt. Somit war auch das erwartete Aufkeimen der Tapering-Debatte ein Nonevent. Blickt man auf das Fed-Watch-Tool, das Leitzinsprognosen aus Future-Preisen ableitet, gelangt man zu folgendem Ergebnis: Es besteht derzeit nur noch eine 7,6prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Fed noch heuer ihren Leitzins anhebt. Vor einem Monat waren es noch 12,1%. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Inflationsschübe, insbesondere Ölschocks, früheren Rezessionen vorangingen. Unter diesen Aspekten werden jüngste Preisschübe wohl eher als Krisenvorboten betrachtet. Und was passiert in Krisen: Die Geldpolitik unterstützt die Wirtschaft. Wie reagieren darauf die Märkte: Die Renditen zehnjähriger Treasuries verharren derzeit auf 1,62% und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen sind im Wochenvergleich lediglich 2 Basispunkt auf -0,13% gestiegen. Generell hielten sich zuletzt die Ausschläge wichtiger Staatsanleihen in engen Grenzen.

        HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,24 Prozentpunkte (29.04.21) gesunken ehe bis 20.05. wieder ein Anstieg auf 3,42 PP folgt. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung, die zuletzt einsetzte, denn: US-High Yields sind offensichtlich überbewertet!

 

Edelmetalle und Rohstoffe

        Rohöl unter Druck: Die OPEC Plus Staaten erhöhen wieder schrittweise ihre Ölproduktion und hinzukommt noch ein weiterer Faktor: Der Iran könnte nach ersten konstruktiven Atomgesprächen wieder als Faktor auf den Weltmarkt zurückkehren. Hinzukommen noch Erwartungen, die US-Notenbank könnte früher als erwartet die Leitzinsen anheben. Neben Öl sind Agrarpreise und diverse Industriemetalle, insbesondere Aluminium unter Druck geraten. Konjunkturell gibt es nämlich ohnehin genügend Fragezeichen.

Währungen

        Orientierungslosigkeit: Abgesehen von einer weiteren Abschwächung des Australischen und Neuseeländischen Dollar bewegte sich der Euro zu den wichtigsten Währungen in engen Bandbreiten. In EUR/USD spricht die starke US-Konjunktur und der dort mittelfristige Zinsanhebungsbedarf für eine Erstarkung des Dollar, während Inflationsraten, explodierende Staatsverschuldung und eine Geldpolitik der finanziellen Repression wohl eher für einen weitere Dollarabschwächung zum Euro sprechen. Bezüglich der Entwicklung des Britischen Pfunds sind die mittelfristigen Folgen des Brexit einmal abzuwarten.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

24.05.2021

USA: Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex

25.05.2021

Deutschland: BIP

USA: Immobilienpreisindex, Verkäufe neuer Häuser, Conference Board Verbrauchervertrauen

26.05.2021

Japan: Führender Wirtschaftsindex

27.05.2021

EUR: Wirtschaftsbulletin

China: PBoC Zinssatzentscheidung

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, BIP, Auftragseingänge langlebiger Gebrauchsgüter, Persönliche Konsumausgaben, Rede Janet Yellen, Auktion 7-jähriger Staatsanleihen

28.05.2021

Japan: Inflationsdaten und Arbeitslosenquote

EUR: Verbrauchervertrauen, Geschäftsklima-Index,Industrievertrauen

USA: Chicago Einkaufsmanagerindex; Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen; Warenhandelsbilanz

 

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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