PC - Weekly 2021 KW 22

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Mäßigere Wirtschaftsdaten: Nachdem in der Vorwoche überhitzte Konjunkturdaten die Inflationsalarmglocken läuten ließen, zeigte ein mit 6,4% unter den Erwartungen von 6,5% gebliebenes BIP Wachstum bereits einen Lichtblick – zumindest an der Zinsfront. Auch die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter waren im April schwächer als die Analysten prognostizierten. Hingegen deutlich besser als erwartet fielen die Umfragedaten bei den Einkaufsmanagerindizes der Region Chicago aus. Gleichzeitig waren die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung niedriger als erwartet. Das Reuters/Uni Michigan-Verbrauchervertrauen lag indessen im Rahmen der Erwartungen und im Zuge der Treasury Auktion sind die Zinsen am langen Ende nur marginal gestiegen, wofür die jüngsten Kerninflationsdaten verantwortlich waren. Per Saldo war diese Woche die Inflation weniger Grund zur Sorge. Das zeigte sich an der Break-Even-Inflation der nächsten 10 Jahre, die sogar auf 2,43% rückläufig war, während sie Mitte Mai mit 2,564% den höchsten Stand seit März 2013 erreichte. Handelspolitisch gibt es Lichtblicke: Erstmals seit Amtsantritt Bidens haben sich Unterhändler der USA und Chinas über ihren Handelskonflikt ausgetauscht. Hingegen zusätzlich getrübt sind die Beziehungen zwischen den USA und Russland. Die USA wollen dem Open Skies-Abkommen, das gegenseitige militärische Überflüge erlaubt, nicht wieder beitreten.

Langlebige Güter nicht mehr so gefragt: Die Neuaufträge zur Produktion langlebiger Güter mit Lebensdauer von über drei Jahren war von März auf April 2021 um 1,3% rückläufig. Dieser Rückgang folgte elf Monaten kontinuierlicher Zuwächse. Nimmt man den volatilen Transportbereich heraus sind die Neuaufträge dann doch noch um 1% gestiegen, zumal der „Transportausrüstungsbereich“ schon den zweiten Monat schwächelt und nun 6,7% im Minus ist. Rechnet man die Rüstungsaufträge heraus war der Monatsvergleich unverändert. Doch noch aussagekräftiger sind die jährlichen Veränderungen der ersten vier Monate gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hier wuchsen die gesamten Neuaufträge mit 22,4% noch wesentlich stärker als die Auslieferungen mit 12,1%! Allerdings sind starke Basiseffekte im Vorjahresvergleich im Spiel.

Anhaltend starker US-Arbeitsmarkt: Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren in der am 22. Mai endenden Abrechnungswoche um weitere 38.000 auf 406.000 rückläufig, was der niedrigste Wert seit Mitte März 2020 ist. Die von Reuters befragten Volkswirte gingen von 425.000 aus. Der Rückgang wurde von den Regionen Florida, Washington und New Jersey angeführt. Doch das Problem ist die strukturelle Langzeitarbeitslosigkeit: Die Folgeanträge auf AL-Unterstützung waren nämlich nur um 96.000 auf 3,642 Millionen rückläufig. Von März auf April ging nämlich infolge von Lieferengpässen und Warenknappheit die Anzahl der neu geschaffenen Stellen von 770.000 auf 266.000 zurück

Boom und Basiseffekte in Chicago: Gemessen werden fünf Sub-Indikatoren, nämlich Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung, Auftragsbestand und Lieferzeiten. Im Mai erreichte der Gesamtindex den höchsten Stand seit November 1973! Die Auftragseingänge stiegen um 7,7 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Dezember 1983, während die Produktionszuwächse etwas abflauten.  Indessen erreichen die Lieferzeiten das längste Niveau seit 47 Jahren, was auf Lieferengpässe hindeutet.

S&P 500: Stark positive Gewinnüberraschungen im ersten Quartal:  Mittlerweile veröffentlichten 95% der S&P 500 Firmen ihre Quartalszahlen, von denen 86% der Gewinne besser ausfielen als von den Analysten im Schnitt erwartet. Das ist der höchste Anteil seit Beginn der Aufzeichnungen im März 2008. Der 5-Jahresschnitt lag bei 74%. Aggregiert betrachtet liegen die Gewinne um 22,5% über den Analystenschätzungen (5-Jahres-Schnitt +6,9%). Das wäre das zweithöchste Gewinnüberraschungsniveau seit Beginn dieser Aufzeichnungen im Jahr 2008. Mischt man die geschätzten und bereits für das erste Quartal veröffentlichten Zuwachsraten dann wäre das ein Quartalsgewinnwachstum um 51,9% (Vorwoche: 50,3%). Das wäre der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2010 (55,4%). Für das zweite Quartal haben bereits 87 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 54 positive 33 negativen Gewinnerwartungen gegenüberstehen, was einer positiven Erwartungsquote von 62% (5-Jahres-Schnitt: 35%) entspricht. Für das Gesamtjahr sind bei 11,8% Umsatzwachstum 33,7% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,2 relativiert (10-Jahresschnitt: 16). Achtung: Die positiven Erwartungen könnten nahe ihrem vorläufigen Höhepunkt sein, zumal auch die Rentabilität der Unternehmen im ersten Quartal neue Rekordwerte (Netto-Gewinn-Marge von 12,8%) erreichen sollte. Doch was kommt dann? Inflation wird immer häufiger in den Unternehmenspublikationen erwähnt und sobald die Nachfrage auf der Absatzseite aussetzt, droht dem einen oder anderen Unternehmen Margendruck durch eine Preis-Kosten-Schere. Allerdings gibt es Time-Lags durch Lieferverträge. Doch wenn diese alten Verträge auslaufen, dann droht eine Kostenlawine auf die Firmen zuzukommen und sie können diese nicht auf einmal auf Kunden abwälzen.

Aktien - Europa

Bayer wegen Glyphosat Problematik erneut unter Druck: Noch am 10. und 11. März erzeugte Bayer bei den Anlegern auf einem virtuellen Kapitalmarkttag Aufbruchsstimmung. Neue Medikamente, höhere Rentabilität, bis 2024 jährliche Einsparungen von mehr als 1,5 Mrd. EUR und dann ein freier Cash Flow von 5 Mrd. EUR bis 2024 vgl. mit 4,24 Mrd. EUR im Schnitt der Jahre 2016 bis 2020 – das hätte beflügeln sollen. Langsam kehrte die Zuversicht der Anleger zurück und kaum setzte die Aktie zu einem möglichen Ausbruch nach oben an kam vergangene Woche eine erneute Enttäuschung von der Glyphosat-Front, die den Aktienkurs um über 7% einbrechen ließ. Ein US-Bezirksrichter lehnte sogar den nachgebesserten Deal Bayers mit Klägeranwälten über den Umgang mit künftigen Klagen ab und nannte diesen schlichtweg „unvernünftig“. Nun steht das mit Geschäft mit dem Glyphosat-haltigen Unkrautvernichter Roundup mit US-Privatkunden auf dem Prüfstand.

Das Wirtschafts-Sentiment in der EU hat sich im Mai weiter verbessert: Der Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg von April auf Mai in der EU um 4 auf 113,9 Punkte und liegt damit bereits deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Am stärksten verbesserte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor, aber auch im Handel und der Finanzbranche. Starke Stimmungsverbesserungen verzeichneten die Länder Italien, Polen und Frankreich.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Verschnaufpause bei chinesischen Großbetrieben: Nachdem sich Chinas Wirtschaft im ersten Quartal mit einem Rekordwachstum von 18,3% erholte, kam es zu Lieferengpässen und steigenden Rohstoffpreisen. Der staatliche Einkaufsmanagerindex mit 3000 relativ großen Betrieben war von April auf Mai marginal von 51,1 auf 51 Punkte rückläufig. Die Expansionsgrenze liegt bei 50 Punkten. Hingegen stieg der kleinere und mittlere Firmen enthaltende Caixin-Index leicht von 51,9 auf 52 Punkte, während der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor um 0,3 auf 55,2 Punkte zulegte. Fazit: Ein BIP-Wachstum von 8% erscheint somit für heuer noch immer realistisch, aber Störfrequenzen wie die Vietnam-Virus-Mutation sollten nicht unterschätzt werden.

Anleihen

Weiter auf Abwarteposition: Noch immer ist nichts Signifikantes passiert und die scheinbar widersprüchlichen Konjunkturdaten werden mehr wie ein Rauschen im Hintergrund angenommen. Störfrequenzen gab es somit in der vergangenen Woche weniger, zumal sich auch die Inflationserwartungen leicht mäßigten. Auf Wochenbasis gingen somit den Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 1,62 auf 1,59% zurück. Die Renditen laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen verzeichneten einen Rückgang von -0,13 auf -0,16% und infolge einer gestiegenen Risikofreude tendierten auch Staatsanleihen aus Schwellenländern freundlich. Im Einklang mit den Inflationserwartungen sinken auch die Leitzinserwartungen in den USA. Blickt man auf das Fed-Watch-Tool, das Leitzinsprognosen aus Future-Preisen ableitet, gelangt man zu folgendem Ergebnis: Es besteht derzeit nur noch eine 9-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Fed noch heuer ihren Leitzins anhebt. Vor einem Monat waren es noch 15,9%. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Inflationsschübe, insbesondere Ölschocks, früheren Rezessionen vorangingen. Unter diesen Aspekten werden jüngste Preisschübe wohl eher als Krisenvorboten betrachtet. Und was passiert in Krisen: Die Geldpolitik unterstützt die Wirtschaft.

     

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,24 Prozentpunkte (29.04.21) gesunken ehe bis 27.05.21 wieder ein Anstieg auf 3,30 PP folgt. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung, die zuletzt einsetzte, denn: US-High Yields sind offensichtlich überbewertet! Trotzdem sieht es ganz danach auch, als ob bestimmte Anleger hier in diesem Segment noch Chancen ausreizen möchten. Sie achten dabei mehr auf absolutes Zinsniveau und verlieren teils die mit High Yields verbundenen Ausfallsrisiken aus den Augen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Ausbruch von Gold und Silber: Rückläufige US-Anleihenrenditen bei schwachem US-Dollar und anhaltend expansiver Geldpolitik treiben den Gold- und Silberpreis noch weiter nach oben. Die Knappheit am physischen Silbermarkt nimmt zu und an der Comex wird ein Silber-Spike immer wahrscheinlicher.

 

Währungen

Weitere Orientierungslosigkeit und US-Dollarschwäche: Der Euro bewegte sich nur in engen Bandbreiten zu den wichtigsten Währungen. Allerdings neigt der US-Dollar immer mehr zur Schwäche, was jedoch auf rückläufige Anleihenrenditen zurückzuführen ist. Auf Seite der Carry-Trade-Währungen hat sich der leicht rückläufige Dollarzins positiv ausgewirkt. Fester tendierten der Südafrikanische Rand und der Brasilianische Real.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

31.05.2021

Japan: Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze
China: NBS PMI Produktion, PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe.

01.06.2021

China: Caixin PMI Produktion
EUR: Inflation u. Arbeitslosenquote
USA: Markit PMI Herstellung; ISM verarbeitendes Gewerbe

02.06.2021

USA: Fed Beige Book

03.06.2021

EUR: Markit PMI Gesamtindex
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, ADP Beschäftigungsänderung; Markit PMI Gesamtindex, ISM nicht verarbeitendes Gewerbe

04.06.2021

USA: AL-Quote, Erwerbsbeteiligungsquote, Stundenlöhne, Nettoveränderung der Beschäftigung, Wochenarbeitszeit

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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