PC - Weekly 2021 KW 27

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Zinsängste entspannen sich weiter, Aktien steigen: Die Lohn-Preis-Spirale ist noch nicht in Bewegung. Die Reallöhne gehen tendenziell zurück. Gleichzeitig ist die Pricing-Power der Unternehmen gestiegen, was aus den Umfragen im Zuge von Einkaufsmanger-Indizes im Industriebereich hervorgeht. Stärkere Konjunkturschwankungen auf hohem Niveau zeigten sich in letzter Zeit in der Region Chicago, was auf einen Schub der Neuaufträge für den Flugzeughersteller Boeing zurückzuführen ist. Auf der geopolitischen Front verschärft sich der „Kalte Krieg“ mit China, das laut Satellitenaufnahmen fast 120 neue Raketensilos in einem Wüstengebiet der Provinz Gansu baut. Die USA sind in Alarmbereitschaft. Darüber hinaus mehrten sich in jüngster Zeit Nachrichten über zahlreiche unbekannte Flugobjekte. Ähnlich war es in Hochphasen des Kalten Kriegs. Retrospektiv kann dies als Indikator verstärkter Rüstungsaktivitäten (Erprobung neuer Kampfflugzeuge) gewertet werden. Nun droht eventuell ein konkreter Kriegsauslöser zwischen USA und China: Der 100. Geburtstag der KP auf dem Tianmen-Platz in Peking (vergangener Donnerstag) hatte es in sich. So verlautbarte Staatschef Xi Jinping: „Alle Söhne und Töchter Chinas, einschließlich der Landsleute auf beiden Seiten der Straße von Taiwan, müssen zusammenarbeiten und solidarisch vorgehen, indem sie jegliche ‚Taiwan-Unabhängigkeits‘-Pläne entschlossen zerschlagen.“ Dies in Kombination mit massiver Hochrüstung in jüngster Zeit erhöht das geopolitische Eskalationspotenzial.

Arbeitsmarkt in den USA liefert ein gemischtes Bild: Zwar entstanden von Mai auf Juni in den USA außerhalb der Landwirtschaft 850.000 neue Stellen, was der Normalisierung nach den Corona-Maßnahmen geschuldet wird. Das zeigt sich darin, dass 194.000 neue Stellen auf den Bereich Bars und Food Services fallen. Auch im Beherbergungsbereich und in der Sparte Kunst und Unterhaltung ging es mit der Beschäftigung bergauf. Obwohl im gesamten Beherbergungs- und Freizeitbereich insgesamt 343.000 neue Stellen entstanden, liegt der Beschäftigtenstand mit 2,2 Mio. Stellen noch immer 12,9% unter dem Level von Februar 2020. Im staatlichen Bildungswesen entstanden 155.000 neue Stellen, doch seit Februar 2020 gingen dort per Saldo 414.000 Stellen verloren. Eher mäßig war der Stellenaufbau im Industriebereich, während im Bau sogar Stellen verloren gingen.  Per Saldo stieg von Mai auf Juni die Arbeitslosenquote von 5,8 auf 5,9%. Insgesamt waren 9,5 Mio. Einwohner arbeitslos verglich mit 5,7 Millionen (3,5%) vor Corona. Doch was macht die Gesamtbevölkerung im Schnitt? Von der arbeitsfähigen Bevölkerung waren 61,6% entweder beschäftigt oder auf der Suche nach einem Job (Participation Rate). Das sind 1,7 Prozentpunkte weniger als im Februar 2020. Offensichtlich macht sich Resignation breit bzw. viele nützten auch die vorübergehenden Sozialprogramme. Während im Februar 2020 noch 61,1% der arbeitsfähigen Bevölkerung einen Job hatten waren es im Juni nur noch 58%. Immer mehr US-Einwohner müssen sich mit Teilzeitjobs begnügen und die strukturelle Arbeitslosigkeit ist im Vormarsch: Das zeigt sich darin, dass im Juni die Zahl der Langzeitarbeitslosen (länger als 27 Wochen) um 233.000 auf 4 Mio. anstieg. Das sind 42,1% aller Arbeitslosen im Juni. Dies dämpft auch die Lohninflation. In der Privatwirtschaft stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne um 3,6% und somit weniger als die aktuelle Inflationsrate, was Reallohneinbußen bedeutet.

US-Hersteller erfreuen sich starker Nachfrage bei Rekordlieferzeiten und explodierenden Input-Preisen: Diese Mischung macht die Sache komplex bis gefährlich bezüglich geldpolitischer Schlussfolgerungen und Reaktionen an der Zinsfront. Der saisonbereinigte IHS Markit U.S. Einkaufsmanagerindex liegt im Juni gegenüber Mai unverändert bei 62,1 Punkten, aber bereits 0,5 BP unter der Schnellauswertung. Die Expansion der Auftragseingänge war die zweitstärkste seit Beginn der Aufzeichnungen im Mai 2007. Indessen beeinträchtigen anhaltende Lieferkettenunterbrechungen und Personalknappheit die Expansion der Produktion. Was positiv für die Aktienkurse ist, ist folgende Erkenntnis jüngster Befragungen: Die Kundennachfrage ist so stark, dass sie es Herstellern ermöglichte die Produktpreise so stark anzuheben wie noch nie zuvor in den vergangenen 14 Jahren.

ISM: Industrieaktivitäten gebremst: Der vom Institute for Supply Management (ISM) berechnete Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes war im Juni von 61,2 auf 60,6 Punkte rückläufig. Volkswirte (befragt von Dow Jones Newswires) gingen von 61 Punkten aus. Neuaufträge stagnieren auf sehr hohem Niveau, die Beschäftigung geht zurück, während die Preise stark anstiegen.

S&P 500: Besonders positiv schätzen Unternehmen des S&P 500 sowie Analysten das zweite Quartal ein. Über den Zeitraum des zweiten Quartals hatten Analysten ihre Gewinnprognosen um 7,3% nach oben revidiert, während in den vergangenen 15 Jahren die durchschnittliche Abwärtsrevision innerhalb eines Quartals bei 5% lag. Das wäre die höchste Aufwärtsrevision seit Beginn der Statistik von FactSet im 2. Quartal 2002. Das erwartete Gewinnwachstum würde 63,6% betragen vgl. mit erwarteten 52,1% Ende März. Auch die Unternehmen zeigen Zuversicht: Für das zweite Quartal haben bereits 103 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 66 positive 37 negativen Gewinnerwartungen gegenüberstehen, was einer positiven Erwartungsquote von 64% (5-Jahres-Schnitt: 37%) entspricht. Die Nettogewinnmarge würde mit 11,8% weit über dem 5-Jahresschnitt von 10,6% und der Vorjahres-Marge von 8,6% liegen. Für das Gesamtjahr sind bei 12,4% Umsatzwachstum 35,5% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,4 (10-Jahresschnitt: 16,1) relativiert. Wie lange geht dies so weiter? Können Unternehmen ihre aktuelle Pricing-Power weiterbehalten oder droht aufgrund geschwächter Kaufkraft der Bevölkerung eine moderatere Nachfrageentwicklung? Von diesen Faktoren hängt nun die weitere Börsenentwicklung ab.

Aktien - Europa

Industrie der Eurozone auf Rekordwachstum – und das nun schon zum vierten Mal in Folge: Der finale IHS Markit Einkaufsmanager Index Industrie Eurozone stieg im Juni gegenüber Mai um 0,2 Punkte auf 63,4 Zähler. Steigende Produktionsvolumina, starke Auftragszuwächse und Kapazitätsengpässe sorgten für ein Rekordtempo bei Stellenaufbau, wo Österreich und die Niederlande führend waren. Da die Nachfrage häufig direkt aus den Fertigwarenlagerbeständen bedient wurde, nahmen diese so stark ab wie zuletzt im August 2009. Die Folge: ein Anstieg der Einkaufspreise im Rekordtempo. Lieferengpässe sind auch in Europa ein Thema, doch die Produktionskapazitäten werden erweitert.

Adidas beschleunigt Wachstum: Adidas ist Trikot-Sponsor zahlreicher elitärer Fußballvereine und Nationalmannschaften und liefert auch traditionell die offiziellen Bälle für die EM. Nach einer kurzen Delle 2020 beschleunigt sich nun das Gewinnwachstum und bereits im ersten Quartal hat das Management die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Im Zuge einer neuen Strategie sollen in den kommenden Jahren die Umsätze zwischen 8 bis 10% p.a. und die Gewinne zwischen 16 und 18% p.a. gesteigert werden. 30 bis 50% der Nettogewinne sollten als Dividende ausgeschüttet werden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Industrie verliert an Dynamik: Die Einkaufsmanager chinesischer Firmen werden in ihren Einschätzungen vorsichtiger.  Der CFLP PMI für das verarbeitende Gewerbe schwächte sich im Juni den dritten Monat in Folge ab und zwar um 0,1 auf 50,9 Punkte, was aber noch immer einen stabilen Wert bedeutet. Neue Exportaufträge und die Beschäftigung bleiben noch im Kontraktionsbereich unter 50, während die Produktion von 52,7 auf 51,9 Punkte zurückging und die Auftragseingänge leicht anstiegen. Gleichzeitig lag der CFLP PMI für das nicht-verarbeitende Gewerbe im Juni mit 53,5 Punkten (niedrigster Wert seit Februar) deutlich unter den Konsens-Erwartungen von 55,3 Punkten.

Anleihen

Entspannung: Die jüngsten Arbeitsmarktdaten in den USA sprachen eindeutig gegen Inflation. Auch die konjunkturelle Gegenbewegung in Chicago und gebremste Industrieaktivitäten entspannten die Stimmung am Bondmarkt. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries gingen um 10 Basispunkte (BP) auf 1,42% zurück und in Europa lag der Rückgang zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bei 8 BP (auf -0,24%).   Starke Renditerückgänge auf Monatsbasis zeigen sich bereits in Italien und Spanien (je -10 bzw. -8 BP). Gleiches gilt auch für Portugal und die Schweiz. Mit den US-Arbeitsmarktdaten und bereits im Vorfeld mit gemischten Konjunktursignalen kehrte wieder eine mäßigere Zinserwartung ein. Dazu ein Blick auf das Fed Watch Tool, das aus Fed-Fund-Futures die Leitzinswahrscheinlichkeiten ableitet:  Dieses preist gleichbleibende Zinsen bis zur Notenbanksitzung am 14. Dezember 2022 (Fed-Sitzung) mit 29,3% ein. Eine Leitzinsanhebung um 25 PBP wird mit 40% und eine um 50 BP sogar mit 22,7% eingepreist, während noch stärkere Anhebungen mit knapp 8% gewichtet sind. Somit wäre eine etwaige geldpolitische Verschärfung bereits weitgehend eingepreist: Ein wesentlicher Punkt, warum die Renditen nicht weiter steigen, ist dabei die Erwartung eines nur temporären Inflationsschubs. Hinzukommen noch konjunkturelle Fragezeichen rund um neue Corona-Mutationen wie z.B. die Delta-Variante.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,02 Prozentpunkte (01.07.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung.

Edelmetalle und Rohstoffe

Massive Gegenbewegung bei Agrarrohstoffpreisen: Noch vor einer Woche brachen die Preise für Mais, Sojabohnen und Weizen ein. Die abgelaufene Woche explodierte der Maispreis um 11,4%, Sojabohnen stiegen gut 10% und Weizen und Hafer je 2,2 bzw. 2,7%. Was ist passiert? Die Ernteprognosen werden immer unsicherer vor allem aufgrund der Hitze und Trockenheit in den USA und einer anhaltend starken Nachfrage aus China setzte sich nach einer kurzen Korrektur die Aufwärtsbewegung weiter fort. Indessen zeigen die Edelmetalle erste Tendenzen einer wackeligen Bodenbildung.

Währungen

Moderate Euroabwertung: Der US-Dollar zeigte wegen starker Konjunkturnachrichten aus den USA weiterhin eine leichte Aufwertungstendenz zum Euro und auch der Yen konnte moderat aufwerten. Stabil war der Schweizer Franken, der theoretisch über erhebliches Aufwertungspotenzial verfügt.
Die Carrytrade-Währung Mexikanischer Peso setzte ihre Anstiege weiter fort, während der Brasilianische Real schwächer tendierte.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

05.07.2021

China: Caixin PMI Dienstleistungen
EUR: Markit PMI Gesamtindex; Markit PMI Dienstleistungen

06.07.2021

EUR: Einzelhandelsumsätze, ZEW Umfrage – Konjunkturerwartungen;
USA: Markit PMI Gesamtindex; Markit PMI Dienstleistungen; ISM nicht verarbeitendes Gewerbe

07.07.2021

Japan: Führender Wirtschaftsindex;  
EUR: EU-Kommission Wachstumsprognose
USA: FOMC-Protokoll

08.07.2021

Japan: Leistungsbilanz
EUR: EZB-Sondersitzung strategische Ausrichtung
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung,

09.07.2021

China: Erzeugerpreisindex, Inflationsdaten

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

Disclaimer

Diese Mitteilung dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Investmentanalyse oder Anlageempfehlung bzw. Aufforderung oder Angebot zur Zeichnung oder zum Kauf des(der) erwähnten Produkte(s) dar. Sie gilt weiters nicht als ausreichende Grundlage für eine Anlageentscheidung. Da jede Anlageentscheidung einer individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse (z.B. Risikobereitschaft) des Anlegers bedarf, ersetzt diese Information nicht die persönliche Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenberater im Rahmen eines Beratungsgesprächs. Soweit in dieser Mitteilung konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Eine Anlageentscheidung für Fonds sollte in jedem Fall auf der Grundlage der aktuellen Verkaufsprospekte einschließlich der zuletzt veröffentlichten Jahres- und ggf. Halbjahresberichte getroffen werden, die auch ausführliche Informationen zu den Chancen und Risiken enthalten. Provisionen, Gebühren und Entgelte können zu einer Reduktion der individuellen Wertentwicklung führen. Aus der Veranlagung können sich steuerliche Verpflichtungen ergeben, die von den jeweiligen persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängen und künftigen Änderungen unterworfen sein können. Die enthaltenen Informationen und Aussagen stellen eine Einschätzung der PRIVATCONSULT zum Zeitpunkt der Erstellung und Veröffentlichung dar und können sich jederzeit ändern. PRIVATCONSULT kann keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in dieser Mitteilung enthaltenen Daten und Informationen übernehmen und haftet somit nicht für Verluste oder sonstige Schäden, die aus der Nutzung dieser Informationen entstehen können. Die historische Wertentwicklung einer Veranlagung ist keine Garantie für eine zukünftige Entwicklung. Der Wert der entsprechenden Anlage kann sowohl steigen als auch fallen. Bei der Abbildung des Portfolios handelt es sich um ein Modellportfolio und nicht um die Abbildung eines spezifischen Kundendepots.

HINWEIS: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Werbung. Sie wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

Zurück