PC - Weekly 2021 KW 29

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

        Bremsspuren: Obwohl die Inflationsrate mit 5,4% im Juni den höchsten Stand seit August 2008 markierte, versuchte Fed Präsident, Jerome Powell, vergangenen Mittwoch im Rahmen seiner Rede vor dem US-Repräsentantenhaus noch Ruhe zu bewahren, indem er wiederholte, dass die hohe Inflationsrate nur vorübergehend sei und in den kommenden Monaten nachgeben werde. Darüber hinaus sei der Arbeitsmarkt noch weit von dem Niveau entfernt, ab dem die Fed die monatlichen Anleihenkäufe in Höhe von 120 Mrd. USD drosseln werde. Allerdings werde sich die Fed Ende Juli mit einer schrittweisen Rücknahme der Käufe beschäftigen. Etwas härtere Töne gab Powell am Donnerstag bei der Senatsanhörung von sich: Den überraschenden Inflationsanstieg sehe die Fed keinesfalls entspannt, doch solange die Inflation als vorübergehend gelte, verbiete sich eine Reaktion darauf. Von zukünftiger Relevanz könnte folgende Passage seiner Aussagen sein: „Die Fed fördere mit ihrer Geldpolitik die Konjunktur. Das werde für lange Zeit auch weiterhin so bleiben, selbst wenn die Zentralbank ihre Bondkäufe drosseln sollte und selbst nach einer Leitzinsanhebung“.  Ein schnelles Umschwenken auf Inflationsbekämpfung ist in den kommenden Wochen also nicht ausgeschlossen. Was jedoch dagegen spricht sind konjunkturelle Bremsspuren sowohl im Einzelhandel als auch beim Verbrauchervertrauen. Gleichzeitig ist weltweit die Corona-Delta-Variante auf dem Vormarsch. Lockdowns in Australien und beginnend auch auf der griechischen Insel Mikonos sind bereits Realität und auch hierzulande mehren sich wieder die Restriktionen.

        Inflation relativiert Erholung des US-Einzelhandels: Ausgehend von einer revidierten Basis stiegen die Einzelhandelsumsätze im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,6%. Auf Jahresbasis lag der Anstieg bei 18% und der Level vor der Corona-Krise ist bereits überschritten. Die Zeichen stünden auf Expansion, zumal die Nachfrage von Elektronikprodukten und Autos beflügelt wird. Auf inflationsbereinigter, also realer Basis befindet sich der Einzelhandel bereits den dritten Monat in Folge in Kontraktion (Monatsbasis) und das Minus weitete sich von Mai auf Juni von -1,3 auf -3,3% aus. Auf Jahresbasis sollte vom ersten auf das zweite Quartal der reale Konsum von Gütern von annualisiert 26,5 auf 11% zurückgehen Diese Dynamik lässt ein ursprüngliches Quartalswachstum von über 9% im zweiten Quartal unwahrscheinlicher werden. 7,5% erscheinen diversen Volkswirten plausibler.

        Abkühlendes Verbrauchervertrauen: Die Vorab-Auswertung von Verbraucherbefragungen für den Reuters/Uni Michigan Index des Verbrauchervertrauens zeigte im Juli gegenüber dem Vormonat einen Rückgang von 85,5 auf 80,8 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Februar. Die von Reuters befragen Analysten gingen noch von 86,5 Punkten aus. Die aktuelle Wirtschaftssituation wird so negativ gesehen, wie schon seit August 2020 nicht mehr und der Subindex der Erwartungen brach von 83,5 auf 78,4 Punkte – niedrigster Stand seit Februar 2021 – ein. Gleichzeitig sind die Inflationserwartungen gestiegen.

        S&P 500: Erfreulicher Auftakt zur Earning Season: 8% der S&P 500 Unternehmen haben bereits ihre Zahlen für das zweite Quartal 2021 gemeldet. Davon erzielten 85% Quartalsgewinne über den Erwartungen der Analysten. Der 5-Jahres-Schnitt liegt bei 75%. Wäre dies der finale Wert wäre das der zweitbeste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2008. Aggregiert betrachtet veröffentlichten im zweiten Quartal die Unternehmen Gewinne um 22,9% über den Analystenschätzungen, was ebenfalls sehr weit über dem 5-Jahres-Durchschnitt, nämlich 7,8% liegt. Mischt man die vorhandenen Q2-Daten mit Analystenschätzung, dann würden auf Jahresbasis die S&P 500 Firmen ein Gewinnwachstum/Aktie von 69,3% aufweisen, den höchsten Wert seit dem vierten Quartal 2009 (109,1%). Mit nachlassenden Corona-Maßnahmen meldeten alle 11 Sektoren ein Gewinnwachstum. Auch beim Umsatzwachstum zeichnen sich Rekordwerte ab. Für das Gesamtjahr sind bei 12,8% Umsatzwachstum 36,7% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 21,4 (10-Jahresschnitt: 16,2) relativiert. Wie lange geht dies so weiter? Können Unternehmen ihre aktuelle Pricing-Power weiterbehalten oder droht aufgrund geschwächter Kaufkraft der Bevölkerung eine moderatere Nachfrageentwicklung? Von diesen Faktoren hängt nun die weitere Börsenentwicklung ab. Analysten beziffern das 12-Monats-Potenzial im S&P 500 noch immer mit 10,5% (per 16.7.).

Aktien - Europa

        Schwächere Dynamik der Industrieproduktion: Im Mai ist die Industrieproduktion im Euroraum deutlich um 1% im Monatsvergleich gesunken, während der Analystenkonsens lediglich von -0,2% ausging nach 0,6% Wachstum im Vormonat. Auf Jahresbasis verlangsamte sich die Dynamik der Basiseffekte und so ging von April auf Mai die Wachstumsrate von 39,4 auf 20,5% zurück, vor allem der Investitionsgüterbereich verlor an Dynamik.

        Energieversorger E.ON SE fällt nach Analystenempfehlung positiv auf: Mit 3% Plus war die Aktie im DAX der Wochengewinner. Der Energieversorger konzentriert sich primär auf Energienetze, sprich Verteilnetze für Strom und Gasnetze sowie Kundenlösungen in Form von Produkten und Dienstleistungen für Privatkunden und KMU zur Steigerung der Energieeffizienz. Das konventionelle Energieerzeugungsgeschäft ist indessen abgespaltet im Unternehmen Uniper an der Börse platziert. Analysten von JP Morgan stuften die Aktie am Donnerstag von „neutral“ auf „overweight“ hoch und erhöhten das Kursziel von 10 auf 11,50 Euro. So sollten weitere Verkäufe von Unternehmensteilen zukünftig die Bilanz verbessern und zur Schuldverringerung beitragen. Auch bezüglich des Geschäfts in Großbritannien zeigen sich die Analysten zuversichtlich.

Aktien - Schwellenländer / Asien

       Chinas Wirtschaft verliert deutlich an Dynamik: Das BIP-Wachstum verlangsamte sich vom ersten auf das zweite Quartal 2021 von 18,3 auf 7,9%. Experten rechneten noch mit 8,1% Plus. Steigende Rohstoffpreise und die wieder aufflammende Pandemie hinterlassen Bremsspuren. Ein 14-Monats-Tief bei Caixin/Markit Services Einkaufsmanager-Index im Juni und im verarbeitenden Gewerbe neue Exportaufträge und Beschäftigung im Kontraktionsbereich sind Alarmsignale. Das Wachstum der Industrieproduktion verlangsamte sich von Mai auf Juni von 8,8 auf 8,3%, lag aber noch über den Erwartungen. Die Weltbank geht jedenfalls davon aus, dass die chinesische Wirtschaft im Gesamtjahr noch um 8,5% wächst.

Anleihen

        Entspannung hält weiter an: Trotz der 5,4% Inflationsüberraschung in den USA blieben die Bondmärkte relativ ruhig. Was steckt dahinter? Lieferkettenunterbrechungen im Automobilsektor sowie eine weltweite Chip-Knappheit führen zu ausgedehnten Lieferzeiten bei neuen Fahrzeugen. Die Preise für gebrauchte PKWs und Trucks explodierten auf Jahresbasis um 45,2%. Binnen eines Monats lag die Verteuerung bei 10,5%. Das war hier der stärkste Preissprung seit 1953. Auch die Neuwagenpreise sind im Aufwind. Hinzukommen starke Basiseffekte bei Erdöl und Erdgas und ein starker Anstieg der Agrarrohstoffpreise. Die volatilen Preiskomponenten Nahrungsmittel und Energie rausgerechnet stieg die Kerninflation trotzdem auf 4,5% nach 3,8% im Mai, was mittlerweile den stärksten Anstieg seit November 1991 bedeutet. Indessen lag der Stundenlohnanstieg in der Privatwirtschaft bei 3,6%. Eine Lohn-Preis-Spirale dürfte sich somit – nicht zuletzt infolge der nach wie vor hohen strukturellen Arbeitslosigkeit - nicht entfachen. Im Euroraum ist indessen die Inflationsrate bereits wieder von 2,0% im Mai im Juni auf 1,9% rückläufig. Mehr als die Hälfte ist auf die Energiepreiskomponente zurückzuführen. Ansonsten herrscht gemäßigte Entwicklung. Mit moderaten Wirtschaftsdaten aus China und den USA garniert und der Bank of Japan die für heuer ihre Wachstumsprognose leicht nach unten revidiert und ihre expansive Geldpolitik beibehält bleibt die Stimmung an den Bondmärkten relativ entspannt. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries gingen um 7 Basispunkte (BP) auf 1,29% zurück und in Europa lag der Rückgang der Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen ebenfalls bei 7 BP (auf -0,36%).   Merkbare Renditerückgänge auf Monatsbasis zeigen sich bereits bei laufzeitkongruenten Staatstiteln aus Australien (-31 BP), Portugal und Frankreich (je -18 BP). Faktisch unverändert bei null liegt indessen das Zinsniveau in Japan.

       HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,14 Prozentpunkte (15.07.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt.

Edelmetalle und Rohstoffe

        Agrarrohstoffpreise erneut im Aufwind: Weizen verteuerte sich im Wochenverlauf um 13 %, nachdem der USDA-Ausblick für 2021/22 von einer um 5% reduzierten Ernte in den USA ausgeht. Auch die Preise für Mais und Sojabohnen waren im Aufwind. Die Hitzewelle in Nordamerika, Flutkatastrophen in Europa sowie eine anhaltende Nachfrage aus China bleiben Faktoren. Während sich der Goldpreis infolge moderater Anleihenrenditen relativ stabil verhielt, geriet Silber charttechnisch bedingt wieder vermehrt unter Druck und fiel wie von vielen erwartet bis zu seiner 200-Tagelinie zurück.

Währungen

        Yen und US-Dollar zeigen Stärke: Auf erste kritische Aktienmarktsignale reagierten japanische Institutionen bereits mit ersten Repatriierungen von Auslandsengagements, was zu einer Erstarkung des Yen zum Euro führte. Hinzukommt, dass die Bank of Japan erwartungsgemäße Entscheidungen ohne „Sonderüberraschungen“ traf. Der US-Dollar profitiert indessen immer mehr von den Aussichten baldiger konsequenter Inflationsbekämpfungsmaßnahmen der Fed. Steigende Zinsen in nächster Zukunft, zumindest am langen Ende, beginnt der US-Dollar langsam einzupreisen. Indessen zeigen die Carry-Trade-Anlagewährungen Türkische Lira, Brasilianischer Real, Russischer Rubel und Mexikanischer Peso Stärke.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

19.07.2021

USA: NAHB-Immobilienmarktindex

20.07.2021

China: Geldpolitische Entscheidung d. Notenbank

Japan: Inflationsdaten

USA: Baugenehmigungen u. Baubeginne

21.07.2021

Japan: Handelsbilanz, Sitzungsprotokoll BoJ

USA: Auktion 20jähriger Staatsanleihen

22.07.2021

EUR: EZB Zinssatzentscheidung u. Pressekonferenz; Verbrauchervertrauen

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex

23.07.2021

UK: Einzelhandelsumsätze

EUR: Markit PMI Geamtindex, Markit PMI verarbeitendes Gewerbe, Markit PMI Dienstleistungen

USA: Markit PMI Gesamtindex, Markit PMI Herstellung, Markit PMI Dienstleistungen

Deutschland: Markit PMI Gesamtindex

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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