PC - Weekly 2021 KW 37

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Kritische Marktkonstellation: Inflation, Tapering, Delta-Variante sowie neue Mutationen, schlechte Verbraucherstimmung und politische Risikofaktoren – das sind die Zacken des Pentagramms, das einen Stimmungsumschwung am Aktienmarkt ankündigt. Die Fed Sitzung vom 22. September rückt näher und immer mehr geldpolitische Entscheidungsträger fordern eine Rückführung der Anleihenkäufe von monatlich 120 Milliarden Dollar. Beispielsweise Fed-Mitglied James Bullard forderte, dass die US-Notenbank damit im ersten Quartal 2022 beginne. Mittlerweile kam von der EZB ein überraschender Schritt, nämlich die Ankündigung, im Schlussquartal ihre Anleihenkäufe geringfügig zu verringern, aber konkrete Tapering-Entscheidungen vertagte sie auf Dezember. Die Fed gerät also immer mehr unter Zugzwang, zumal mit 5,4% Inflationsrate der Inflationsdruck immer mehr steigt. Teuerung ist auch ein Hauptfaktor jüngster Stimmungsverschlechterungen. Der von der Universität Michigan berechnete Index des Verbrauchervertrauens ist im August um über 13% eingebrochen, zumal die Amerikaner quer durch alle demographischen und geographischen Gruppen sehr pessimistisch in die Zukunft blicken. Hinzu kommen politische Unsicherheiten wie eine nahende Neubesetzung der Fed-Spitze durch US-Präsident Joe Biden, die jüngsten Unternehmensregulierungen in China, der Bundestagswahlausgang in Deutschland, die Afghanistan-Frage und in diesem Zusammenhang mögliche Stellvertreterkriege zwischen den USA und Russland. Last but not least drohen auch diesem Herbst weltweit wieder Corona-Lockdowns, sollte sich die Deltavariante zu schnell ausbreiten.

Konsumentenvertrauen auf Dekadentief: Der von der Universität Michigan veröffentlichte Consumer Sentiment Index brach von Juli auf August um 13,4% ein und signalisiert die schlechtesten Wirtschaftsaussichten seit einem Jahrzehnt. Seit Beginn der Umfragen im Jahr 1978 ab es lediglich sechs weitere Monate mit größerem Minus. Während die aktuelle Situation noch das „geringere Übel“ ist (entsprechender Index fiel „nur“ um 7,1%), sind die Zukunftserwartungen äußerst düster: Der Index der Konsumentenerwartungen brach um 17,6% ein und liegt auf Jahresbasis bereits 5% im Minus. Der Pessimismus erstreckt sich quer durch alle demographischen Gruppen und Regionen. Die Ausbreitung der Delta-Variante, höhere Inflation und ein noch nicht einwandfrei funktionierender Arbeitsmarkt verunsichern.

Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung gehen weiter zurück: Vor 5 Wochen suchten noch 375.000 US-Einwohner um erstmalige Arbeitslosenunterstützung an, ehe in er Woche endend mit 4. September die Zahl der Antragsteller gegenüber der Vorwoche von 345.000 auf 310.000, und somit den niedrigsten Stand seit Beginn der Pandemie bzw. 14. März 2020 zurückging. Die Zahl der Folgeanträge war ebenfalls rückläufig, nämlich um 22.000 auf 2,78 Millionen. Einer Gesamtanzahl von 11,93 Millionen Einwohner in Arbeitslosenprogrammen (vor einem Jahr noch 30,4 Millionen!) stehen schon Ende Juli 10,9 Millionen offene Stellen gegenüber (ein Plus um 749.000).

S&P 500 – Optimistischer Ausblick ins 3. Quartal: Analysten und Firmen verkündeten optimistische Ausblicke im Spektrum der S&P 500 Firmen. In der Folge wird für das dritte Quartal das drittstärkste jährliche Gewinnwachstum seit dem dritten Quartal 2010 erwartet. Seit dem 30. Juni haben Analysten ihre Gewinnprognosen bis zum Stichtag 10. September um 3,7% angehoben. Das ist außergewöhnlich, denn in einem normalen Quartal reduzieren Analysten die Schätzungen im Verlauf des Quartals. Der Fünfjahres-Schnitt liegt bei -2,9% und auf 15 Jahre sogar bei -4,9%. Auch die von den Unternehmen veröffentlichten positiven Ausblicke auf Q3 sind überdurchschnittlich hoch. 101 Unternehmen haben einen Gewinnausblick für Q3 veröffentlicht, davon 54 einen positiven und 47 einen negativen. Das ist eine 53%-Quote für die positiven Ausblicke vs. 39% im Fünf-Jahres-Schnitt. Aggregiert man die Analystenprognosen und Ausblicke der Unternehmen, so wäre im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von 27,9% (Jahresbasis) zu erwarten, die drittstärkste Steigerung seit dem dritten Quartal 2010. Die Nettogewinnmarge im dritten Quartal würde dann bei 12,1% knapp unter dem Rekordwert von 13,1% und noch weit über dem 5-Jahresschnit von 10,6% liegen. Doch die Lieferengpässe und steigenden Inputpreise könnten hier bald einen Strich durch die Rechnung machen. Das für heuer erwartete Gewinnwachstum von 42,6 ist zwar primär auf Basiseffekte zurückzuführen, doch auch 2022 sollte es mit einer weiteren Steigerung um 9,4% aufwärts gehen, weshalb in dieser aktuellen Niedrigzinsphase ein Forward KGV von 21 (10-Jahresschnitt von 16,3) noch nicht überteuert erscheint. Allerdings nehmen die Risikofaktoren an den Märkten derzeit zu.                                                                                                                                                                                                        

Aktien - Europa

Basiseffekte lassen Wirtschaftswachstum stark aussehen: Während das BIP des Euroraums im ersten Quartal 2021 noch immer im 1,2% schrumpfte (Jahresbasis), folgte im zweiten Quartal ein Wachstumsschub um 13,8%. Die Anzahl erwerbstätiger Personen wuchs um 1,8% und die Zahl geleisteter Arbeitsstunden um 14,7%, was auf ein Ende der Lockdown-Maßnahmen zurückzuführen ist. Die Exporte sind angesprungen. Sie wuchsen um 24,8% (Jahresbasis), während sie im 1. Quartal noch um 0,5% rückläufig waren. Rechnet man die Einkaufsmanager-Index-Daten aus den IHS-Umfragen hoch, dann könnte sich diese Entwicklung im dritten Quartal noch weiter beschleunigen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Exporte geben Hoffnung, aber: Das Weihnachtsgeschäft in der EU, Australien und Südkorea wirft seine Schatten Voraus. Aus Angst vor Lieferengpässen ordert der Handel heuer schon früher sein Weihnachtssortiment. Deshalb wuchsen im August die Exporte Chinas im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25,6%. Besonders erfreulich entwickelten sich die Ausfuhren nach Südkorea, Australien und in die EU. Die von Reuters befragten Ökonomen rechneten lediglich mit einem Zuwachs von 17,1% nach 19,3% im Juli. Selbst Chinas Importe stiegen um 33,1%. (Expertenerwartung: 26,8%). Hintergrund: Die Hafenarbeit normalisiert sich wieder und der Nachholbedarf ist groß. Der IWF erwartet für heuer ein BIP-Wachstum Chinas von 8,1%, ehe es 2022 eine Verlangsamung auf 5,7% geben sollte. Risikofaktor bleibt die Null-Covid-Strategie der Regierung in Peking. Die Deltavariante und neue Mutationen können hier schnell wieder zu Lockdowns und Lieferkettenunterbrechungen führen.

Anleihen

Korrekturmodus: Angesichts jüngster Inflationstrends können die ganz tiefen Spitzenniveaus der Niedrigzinsen nicht mehr dauerhaft gehalten werden, zumal auch die EZB beschloss, im vierten Quartal ihre Anleihenkäufe etwas zu drosseln. Innerhalb der Fed mehren sich ohnehin die Stimmen für ein baldiges Tapering und was macht da das Fedwatch-Tool, das aus den Fed-Fund-Futures-Preisen die Wahrscheinlichkeit für Leitzinsanhebungen der Fed ableitet? Obwohl am langen Ende die Renditen wieder zu steigen beginnen, ist die für die Fed-Sitzung am 14. Dezember abgeleitete Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen vom 10. Auf den 13. September von 43,1 auf 48% gestiegen. Das bedeutet nicht nur, die konjunkturdämpfende Wirkung von Lieferengpässen und Teuerung (zwischenzeitliche Einschränkung der realen Kaufkraft) könne sich entfalten, sondern auch die steigenden Corona-Zahlen sind ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft. Doch kurzfristig gab es die Nachrichten aus der EZB und Kommentare von geldpolitischen Entscheidungsträgern der Fed in Kombination mit stärkeren wöchentlichen Arbeitsmarktdaten. Auf Monatsbasis stiegen somit per Saldo die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 6 Basispunkte (BP) auf 1,33% und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen um 13 Basispunkte auf -0,33%. Um 18 BP stiegen die Renditen zehnjähriger britischer Staatsanleihen auf 0,75%.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,15 Prozentpunkte (09.09.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt.

Edelmetalle und Rohstoffe

Uranpreisexplosion: Binnen weniger Wochen explodierte der Uranpreis von knapp über 30 auf 42,40 USD. Institutionelle Investoren treiben derzeit den Uranpreis und Uran-Aktien in die Höhe. Beispielsweise will der Sprott Physical Uranium Trust für den Kauf großer Mengen physischen Urans bis zu 300.000.000 USD aufbringen, aktuell sind weltweit 53 neue Atomkraftwerke im Bau, und China plant sogar den Neubau von 44 Atommeilern. Nur so kann der zukünftige Strombedarf für die E-Mobilität und Wasserstoffwirtschaft gedeckt werden.

Währungen

US-Dollar und Britisches Pfund fester: Die jüngsten Renditeanstiege im Pfund und die Tapering-Debatte in den USA stärken den Dollar. Der Schweizer Franken tritt an der Stelle, während auch der Yen leichte Aufwertungstendenz zeigt. Als Carry-Trade und Rohstoffwährung im Aufwind ist der Südafrikanische Rand, während der Russische Rubel, der Mexikanische Peso und der Brasilianische Real in kleineren Schritten aufwerten. Generell sind Öl- und Rohstoffwährungen derzeit begünstigt. Auch die Norwegische Krone zeigt Stärke.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

13.09.2021

Japan: Inländischer Preisindex für Unternehmensgüter

14.09.2021

USA: Inflationsdaten

15.09.2021

China: Immobilienpreisindex, Industrieproduktion, NBS Pressekonferenz, Einzelhandelsumsätze
EUR: Industrieproduktion u. Lohnkosten
USA: Industrieproduktion u. Kapazitätsauslastung

16.09.2021

Japan: Handelsbilanz
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, Philly-Fed-Herstellungsindex, Einzelhandelsumsätze; Controlling des Einzelhandels

17.09.2021

EUR: Inflationsrate
USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

Disclaimer

Diese Mitteilung dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Investmentanalyse oder Anlageempfehlung bzw. Aufforderung oder Angebot zur Zeichnung oder zum Kauf des(der) erwähnten Produkte(s) dar. Sie gilt weiters nicht als ausreichende Grundlage für eine Anlageentscheidung. Da jede Anlageentscheidung einer individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse (z.B. Risikobereitschaft) des Anlegers bedarf, ersetzt diese Information nicht die persönliche Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenberater im Rahmen eines Beratungsgesprächs. Soweit in dieser Mitteilung konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Eine Anlageentscheidung für Fonds sollte in jedem Fall auf der Grundlage der aktuellen Verkaufsprospekte einschließlich der zuletzt veröffentlichten Jahres- und ggf. Halbjahresberichte getroffen werden, die auch ausführliche Informationen zu den Chancen und Risiken enthalten. Provisionen, Gebühren und Entgelte können zu einer Reduktion der individuellen Wertentwicklung führen. Aus der Veranlagung können sich steuerliche Verpflichtungen ergeben, die von den jeweiligen persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängen und künftigen Änderungen unterworfen sein können. Die enthaltenen Informationen und Aussagen stellen eine Einschätzung der PRIVATCONSULT zum Zeitpunkt der Erstellung und Veröffentlichung dar und können sich jederzeit ändern. PRIVATCONSULT kann keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in dieser Mitteilung enthaltenen Daten und Informationen übernehmen und haftet somit nicht für Verluste oder sonstige Schäden, die aus der Nutzung dieser Informationen entstehen können. Die historische Wertentwicklung einer Veranlagung ist keine Garantie für eine zukünftige Entwicklung. Der Wert der entsprechenden Anlage kann sowohl steigen als auch fallen. Bei der Abbildung des Portfolios handelt es sich um ein Modellportfolio und nicht um die Abbildung eines spezifischen Kundendepots.

HINWEIS: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Werbung. Sie wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

Zurück