PC - Weekly 2021 KW 40

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Fed bereitet geldpolitische Wende vor: Die Inflationsrate lag in den USA im August mit 5,3 % nur knapp unter dem höchsten Niveau seit 2008 und vergangenen Dienstag sprach Fed-Chairman, Jerome Powell vor einem Senatsausschuss Klartext: „Ein Anstieg der Preise und Einstellungsschwierigkeiten nach der Corona-Krise könnte länger anhalten als erwartet. Sollte sich die Inflation verfestigen, werde die Fed sicherlich reagieren und ihre Werkzeuge einsetzen“. In ihrer jüngsten Prognose gehe die Fed von einer Jahresinflation von 4,2% für 2021 aus. Eine weitere Aussage Powells, die für Verunsicherung sorgt, wäre: „Der Prozess des Reopenings der Wirtschaft ist einzigartig. Dabei können aber Engpässe oder Pannen beim Anwerben von Personal auftreten, die größer sind und länger dauern als ursprünglich vermutet“. Powell betrachtete nach der jüngsten Zinsentscheidung zwar die Anleihenkäufe von derzeit monatlich 120 Mrd. USD zwar als sinnvoll, doch gleichzeitig ist es an der Zeit für eine Drosselung – ein Prozess, der bereits Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein könnte. Der neue Ton der Fed verstärkt die Erwartung der Märkte, dass ein Ende der ultralockeren Geldpolitik unmittelbar bevorstünde und womöglich bereits 2022 erste Leitzinsanhebungen kommen könnten. Entsprechend schnellten die Staatsanleihenrenditen am langen Ende nach oben, während Aktien und Edelmetalle zunehmend unter Druck gerieten.

Starke Produktionswirtschaft: Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA stieg im September auf 61,1 Punkte (Juli 59,9) und übertraf somit den zweiten Monat in Folge die Erwartungen der Volkswirte. Konkret bedeuten jüngste Zahlen eine der stärksten Expansionsraten seit 1983. Produktion und Auftragseingänge zeigen nach oben und auch die Beschäftigung zeigt einen leichten Aufschwung. Achtung: Gegenteiliges zeigten jedoch die jüngsten wöchentlich veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die im Wochenvergleich um 27.000 auf 362.000 anstiegen – höchster Wert seit der am 7. August endenden Rechenperiode.

US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter stiegen wesentlich stärker als erwartet: Diese Nachricht ist schlecht, da Nachfrageüberhänge Angebotsmangel und Preisdruck erhöhen. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter stiegen im August im Monatsvergleich um 1,8% und lagen deutlich über den Analystenprognosen von 0,7%, da schließlich die Fabriken weiterhin mit Komponenten- und Personalmangel aber auch steigenden Inputpreisen zu kämpfen haben. Ein Indiz dafür sind die Vorjahresvergleiche des Zeitraumes Jänner bis August 21: Hier stehen Neuauftragssteigerungen von 24,7% lediglich Steigerungen der Auslieferungen um 14,1% gegenüber. Und im August wuchsen die Auftragseingänge mit 20,7% fast doppelt so stark wie die Auslieferungen. Besonders krass scheinen die Engpässe bei Transportmittel zu sein (Neuaufträge YTD bis August plus 45,8%, Auslieferungen nur plus 14,2%). Auch bei Investitionsgütern gab es einen starken Auftragseingang. Einen zusätzlichen Schub brachte die Erholung der zivilen Luftfahrtindustrie, wo es bei den Aufträgen für Flugzeuge und Flugzeugteile mit 77,9% auf Monatsbasis den stärksten Anstieg gab. Diese Nachrichten in Kombination mit einer geldpolitischen Wende der Fed wirken wie ein Brandbeschleuniger für Edelmetalle aber auch für den Bond- und Aktienmarkt.

Wirtschaft der Region Chicago kühlt ab: Diese Region ist aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für die USA relevant und es gibt einen Indikator, der ihren Zustand quantifiziert, nämlich das Chicago Business Barometer™, das umfragebasiert ist und aus fünf Subindikatoren besteht, nämlich Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung, Auftragsbestand und Lieferzeiten. Dieser Indikator fiel im September auf den niedrigsten Stand seit Februar, wobei die Auftragsbestände um 20,5 Punkte auf ein 6-Monats-Tief von 61,1 Punkten fielen, was an Lieferkettenunterbrechungen und Materialknappheit liegt. Lieferverzögerungen nehmen zu, während die Neuaufträge den niedrigsten Wert seit März erreichten.

S&P 500 – Optimistischer Ausblick: Die Gewinne der S&P 500-Firmen sollen im Fiskaljahr 2021 um 42,6% steigen, bei erwarteter Nettogewinnmarge von 12,4%! Analysten und Firmen verkündeten vor allem für das dritte Quartal 2021 optimistische Ausblicke im Spektrum der S&P 500 Firmen. In der Folge wird für das dritte Quartal das drittstärkste jährliche Gewinnwachstum seit dem dritten Quartal 2010 erwartet. Seit dem 30. Juni haben Analysten ihre Gewinnprognosen bis zum Stichtag 1. Oktober um 2,9% angehoben.  Das ist außergewöhnlich, denn in einem normalen Quartal reduzieren Analysten die Schätzungen im Verlauf des Quartals. Der Zehnjahres-Schnitt liegt bei -3,7% und auf 15 Jahre sogar bei -4,9%. Auch die von den Unternehmen veröffentlichten positiven Ausblicke auf Q3 sind überdurchschnittlich hoch. 103 Unternehmen haben einen Gewinnausblick für Q3 veröffentlicht, davon 56 einen positiven und 47 einen negativen. Das ist eine 54%-Quote für die positiven Ausblicke vs. 39% im Fünf-Jahres-Schnitt. Aggregiert man die Analystenprognosen und Ausblicke der Unternehmen, so wäre im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von 27,6% (Jahresbasis) zu erwarten, die drittstärkste Steigerung seit dem dritten Quartal 2010. Die Nettogewinnmarge im dritten Quartal würde dann bei 12,1% weit über dem 5-Jahresschnit von 10,8% liegen. Das für heuer erwartete Gewinnwachstum von 42,6% ist zwar primär auf Basiseffekte zurückzuführen, doch auch 2022 sollte es mit einer weiteren Steigerung um 9,6% aufwärts gehen, weshalb in dieser aktuellen Niedrigzinsphase ein Forward KGV von 20,9 (10-Jahresschnitt von 16,3) noch nicht überteuert erscheint.

Aktien - Europa

Bessere Verbraucherstimmung: Die Stimmung der Verbraucher im Euroraum hat sich im September überraschend aufgehellt. Der von der EU-Kommission veröffentlichte Indikator stieg um 1,2 Punkt auf minus 4 Punkte, während Volkswirte von einem Rückgang auf minus 5,9 ausgingen. Aktuell liegt das Niveau über jenem von vor der Corona-Krise


Gewinnschub erwartet: Von den 291 Firmen des STOXX 600, die Gewinne für das zweite Quartal bekanntgaben, meldeten 63,2 Prozent Gewinne über den Analystenschätzungen. In einem typischen Quartal liegt diese Quote nur bei 51%. Diese Dynamik sollte sich im Jahresverlauf weiter fortsetzen: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im Gesamtjahr 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 58,2% wachsen. Die stärksten Zuwächse werden im Energiesektor, bei zyklischen Konsumgütern und bei Industriegütern erwartet.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Immobilienkrise und Konjunkturschwäche in China: Mitte 2020 konnte der Durchschnittsverdiener in Peking mit einem Jahreseinkommen lediglich 2,7 Quadratmeter durchschnittlichen Wohnraum erwerben. Die Verschuldung privater Haushalte gemessen am Anteil an der Wirtschaftsleistung (BIP) hat sich binnen eines Jahrzehnts bis Ende 2019 auf 55% mehr als verdoppelt, was Großteils explodierenden Immobilienpreisen zu verdanken ist.  Von Februar 2004 bis Juli 2021 stiegen die offiziellen Immopreise in Peking um 827%. Doch das Schattenbankensystem, das solche Auswüchse finanzierte, hat die Regierung in Peking eingedämmt mit der Folge, dass die Spekulation nachließ und Überkapazitäten am Immomarkt übrigblieben. Das brachte auch den Immobilienentwickler Evergrande mit 300 Mrd. USD Schulden ins Wanken. Medienberichten zufolge ließ Evergrande am Freitag eine viel beachtete Zahlungsfrist für Anleihenzinsen in Höhe von 83,5 Mio. USD für eine Übersee-Anleihe verstreichen. Nun beginnt eine 30-tägige Nachfrist zu laufen, nach der das Unternehmen offiziell in Zahlungsverzug wäre. Unklarheit herrscht bezüglich weiteren Zinszahlungen von 47,5 Mio. Dollar. Auch anderen Immobilienentwicklern drohen Liquiditätsengpässe oder gar die Pleite. Eine kleinere Kettenreaktion könnte dabei Evergrande in Gang setzen. Gleichzeitig gibt es Wachstumsbarrieren für die Industrie, die in Energieknappheit (Stromausfälle), Lieferengpässen und hohen Rohstoffpreisen liegen. Der offizielle Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes (PMI) lag im September bei 49,6 gegenüber 50,1 Punkten im August und markierte damit erstmals seit Februar 2020 eine Kontraktion – so die Daten des Nationalen Statistikamtes (NBS) vergangenen Donnerstag. Diese Kontraktion kam auch für die von Reuters befragten Analysten überraschend, die noch von einem unveränderten Indexstand ausgingen

Anleihen

Zinswende möglich: Die eingangs erwähnten Äußerungen und Klarstellungen der Fed bezüglich der aktuellen Inflationssituation und Handlungsbereitschaft setzten den Bondmarkt unter Druck. Auf Monatsbasis sind die Renditen 10jähriger US-Treasuries bereits um 25 Basispunkte (BP) auf 1,47% gestiegen, bei laufzeitkongruenten deutschen Bundesanleihen um 14 BP auf -0,22% und in Großbritannien lag der Anstieg gar bei 29 BP auf 1,01%. Es herrscht bei Staatsanleihen ein weltweiter Renditeanstieg, der sich bereits von zwei Wochen durch stärkere Einzelhandelsumsätze in den USA ankündigte. Innerhalb der Fed mehren sich ohnehin die Stimmen für ein baldiges Tapering und was macht da das Fedwatch-Tool, das aus den Fed-Fund-Futures-Preisen die Wahrscheinlichkeit für Leitzinsanhebungen der Fed ableitet? Die für die Fed-Sitzung am 14. Dezember 2022 abgeleitete Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen ist binnen eines Monats von 47,7 auf 32,8% gesunken und die höchste Wahrscheinlichkeit (42,7%) wäre bis dahin ein Anstieg um 25 Basispunkte. In Europa hingegen bleiben die Zeichen auf expansive Geldpolitik. Die EZB erwartet nur einen vorübergehenden Inflationsanstieg und betrachtet die Delta-Variante als Verzögerungsfaktor einer vollständigen Wiedereröffnung.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,15 Prozentpunkte (30.09.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt.

Edelmetalle und Rohstoffe

Wetterextreme lassen Erdgaspreise explodieren: Der Erdgaspreis hat sich binnen drei Monaten verdreifacht und liegt auf Monatssicht um 82% im Plus. Alleine vergangene Woche waren es 21% Anstieg. Die russische Gazprom will aber auch im Oktober weniger Gas nach Europa liefern, immer mehr geht nach China, wo derzeit Energieknappheit herrscht. Hintergrund des Problems: Bei einem Kälteeinbruch in Texas wurden Anlagen beschädigt und die Hitzewelle im Nordwesten der USA ließ die Gasvorräte schrumpfen, da die hohe Stromnachfrage auf die Klimaanlagen zurückzuführen war. Niedrige Wasserführung amerikanischer Stauseen und der Hurrikan Ida taten ihr übriges. Gleichzeitig halten sich US-Fracking-Firmen mit Kapazitätserweiterungen zurück. Ein kalter Winter könnte heuer die Situation nochmals verschärfen.

Währungen

US-Dollarstärke: Während in Europa die Geldpolitik der EZB weiterhin expansiv bleibt, zeichnet sich in den USA eine geldpolitische Wende ab. Die stärker gestiegenen Dollarzinsen führten zu einer weiteren Dollaraufwertung gegenüber Euro. Relative Stärke zeigte auch der Kanadische Dollar, während der Schweizer Franken seinen leichten Aufwertungstrend weiter fortsetzte. Trotz Immobilienkrise und Dollarstärke konnte der Chinesische Yuan mit den US-Dollar schritthalten und wertete gegenüber dem Euro zuletzt auf. Dies ist ein Zeichen der Stärke der Chinesischen Zentralbank, die die aktuelle Situation gut unter Kontrolle hat.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

04.10.2021

USA: OPEC-Treffen
EUR: Treffen der Eurogruppe

05.10.2021

Japan: Inflationsdaten
USA: Handelsbilanz; Markit PMI Gesamtindex, ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe, Markit-PMI Dienstleistungen

06.10.2021

EUR: Einzelhandelsumsätze
USA: ADP Beschäftigungsänderung

07.10.2021

Japan: Führender Wirtschaftsindex
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung,

08.10.2021

China: Caixin China PMI Dienstleistungen
USA: Arbeitslosenquote, Durchschnittliche Wochenarbeitszeit, Durchschnittliche Stundenlöhne, Erwerbsbeteiligungsquote; Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, U6 Unterbeschäftigungsquote

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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