PC - Weekly 2021 KW 41

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Ernüchterung: Dass im November eine Drosselung der Anleihenkäufe der Fed einsetzt, wird immer wahrscheinlicher. Die Lohn-Preis-Spirale beginnt sich aufgrund des Arbeitskräftemangels in Gang zu setzen. Die Kostenfaktoren wirken immer stärker und drohen in den kommenden Monaten die Gewinne der Unternehmen zu beschneiden. Gleichzeitig lässt ausgehend von China die globale Wachstumsdynamik nach, während in den USA die üblichen Probleme mit Lieferkettenunterbrechungen, niedrigen Lagerbeständen, steigenden Beschaffungspreisen ein Thema sind. Hinzukommt die globale Energieknappheit begleitet von einer Explosion der Erdgaspreise. Die Abhängigkeit der westlichen Welt von Russland nimmt zu. Liefert Russland mehr Gas nach China und weniger nach Europa, dann drohen Stromausfälle und kalte Wohnungen im Winter! Gleichzeitig bleibt das Verhältnis des Westens zu China bleibt angespannt, denn der Konflikt zwischen Taiwan und China weitet sich aus. China hat zuletzt mit immer mehr Kampfjets den Luftraum Taiwans verletzt, während Medienberichten zufolge seit mehr als einem Jahr rund zwei Dutzend US-Ausbildner taiwanische Armee- und Marineangehörige trainieren.

Stimmung im nicht-verarbeitenden Gewerbe verbessert sich überraschend: Das Institute for Supply Management (ISM) teilte am Dienstag mit, dass der Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe von August au September von 61,7 auf 61,9 Punkte gestiegen ist, während Volkswirte nur 60 Punkte erwarteten. Das schürt bereits wieder Ängste vor eine Überhitzung der Konjunktur. Die Stimmungsindikatoren sprechen dem von der Fed avisierten Tapering-Beginn im November nichts entgegen. Der Subindex für Auftragseingänge stieg von 63,2 auf 63,5 Punkte und die knappen Lagerbestände sprechen für weitere Anstiege in den kommenden Monaten.

Durchwachsener Arbeitsmarkt: Positiv war ein Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung um 38.000 auf 326.000. Die Folgeanträge fielen von revidierten 2,811 auf 2,714 Millionen Einwohner, während Analysten von 2,780 Millionen ausgingen. Zwar ist im September die Arbeitslosenquote um 0,4 Prozentpunkte auf 4,8 % gesunken und die Beschäftigtenzahlen wurden um insgesamt 169.000 Stellen nach oben korrigiert, doch gleichzeitig entstanden außerhalb der Landwirtschaft nur 194.000 Stellen, während Volkswirte von 500.000 ausgingen. Hinzukommt ein stärkerer Aufwärtsdruck auf die Löhne. Allein im September verteuerten sich in den USA die durchschnittlichen Stundenlöhne um 0,6% auf 30,85 Dollar. Inflationssorgen keimen auf. Kostprobe: Andrew Hunter, Senior US-Ökonom bei Capital Economics: „Da so viele KMUs wie noch nie Gehaltserhöhungen einkalkulieren, ist von einer weiteren Beschleunigung der Inflation in den kommenden Monaten auszugehen. Daraus lässt sich schließen, dass die Fed-Beamten ihre Definition der „vorübergehenden „hohen Inflation weiter fassen müssen, was ein weiterer Faktor wäre, der Anlass zum Tapering geben könnte“. Auf jeden Fall achten die Entscheidungsträger der Fed auf Arbeitslosenrate und Lohninflation, beides Daten, die für ein Tapering er Anleihenkäufe (derzeit 120 Mrd. USD/Monat) im November sprechen. Das verunsichert entsprechend die Bond- und Aktienmärkte.

Langsamste Wachstumsrate des Dienstleistungssektors seit 9 Monaten: Der langsamste Zuswachs der Auftragseingänge seit 13 Monaten und Arbeitskräftemangel begrenzten die Expansion. Die Ausbreitung von Corona ist ein weiterer Faktor. Gleichzeitig sinkt die Pricing-Power in der Weitergabe gestiegener Input-Preise auf das niedrigste Niveau seit 5 Monaten.  Dennoch stieg der finale IHS Markit US Services PMI Business Activity Index von August auf September von 54,1 auf 54,9 Punkte. Die Kundennachfrage bleibt nämlich hoch, insbesondere im Beherbergungsbereich. Hingegen die Exporte waren ein zweites Monat in Folge rückläufig. Trotzdem blicken die von IHS Markit befragten US-Firmen optimistischer als bisher in die Zukunft. Allerdings zeigte der Gesamtindex für die US-Privatwirtschaft, der IHS Markit U.S. Composite PMI® war von 55,4 auf 55 Punkte rückläufig. Wachstumsbremsen sind Personal und die weitere Covid-19-Ausbreitung.

S&P 500 – Ausblick und kritische Vorboten: Aggregiert man die Analystenprognosen und Ausblicke der Unternehmen, so wäre im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von 27,6% (Jahresbasis) zu erwarten, die drittstärkste Steigerung seit dem dritten Quartal 2010. Die Nettogewinnmarge im dritten Quartal würde dann bei 12,1% weit über dem 5-Jahresschnit von 10,9% liegen. Das für heuer erwartete Gewinnwachstum von 42,6% ist zwar primär auf Basiseffekte zurückzuführen, doch auch 2022 sollte es mit einer weiteren Steigerung um 9,6% aufwärts gehen, weshalb in dieser aktuellen Niedrigzinsphase ein Forward KGV von 20,5 (10-Jahresschnitt von 16,4) noch nicht überteuert erscheint. Allerdings preist dies viel Optimismus ein, denn das gleitende 12-Monats-KGV liegt bei 25,9 (10-Jahresschnitt von 19,6). Doch folgender kritische Vorbote mahnt zur Vorsicht. Von den 21 S&P 500-Firmen, die bereits Zahlen für das 3. Quartal meldeten, erwähnten 15 in ihrem Report negative Auswirkungen von Lieferkettenunterbrechungen. Hinzukommt eine Abschwächung der Dynamik in der Pricing Power und die Aktienkurse bröckeln bereits ab.

Aktien - Europa

Nachfragerückgang im Euroraum: Materialengpässe bremsen im September Produktionswachstum und Geschäftstätigkeit. Man muss sich nach der Decke strecken und immer mehr Einkaufsvorhaben werden aufs Eis gelegt, während sich der er Anstieg der Einkaufspreise laut IHS Markit mit der zweithöchsten Rate seit Umfragebeginn im Juli 1998 fortsetzte. Noch verfügen europäische Firmen über eine gewisse Pricing Power, was sich darin zeigt, dass die Verkaufspreise im September mit der dritthöchsten Rate seit Umfragebeginn stiegen. Doch wirkt sich dies alles auf die Nachfrage aus, weshalb das siebte Auftragsplus in Folge schwächer ausfiel als in den zurückliegenden vier Monaten. Auch die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken auf den tiefsten Wert seit Jänner. Per Saldo war der finale Eurozone Composite Index von August au September von 59 auf 56,2 Punkte rückläufig. Fazit: Die Zeichen stehen auf Stagflation!

Europäische Aktien noch günstig bewertet: Europas Konjunktur wird von den Medien generell kritischer betrachtet als jene der USA. Daraus und infolge einer etwas schwächeren Erholungsdynamik könnte der aktuelle Bewertungsabschlag resultieren, der unter Umständen auch Chancen bieten könnte: Im aus 432 Werten bestehenden MSCI Europe lag per Ende September 2021 bei einer Dividendenrendite von 2,56% das Kurs/Buchwert-Verhältnis bei 2,10. Nimmt man den MSCIW ACWI (globaler Aktienindex) so stehen dort einer Dividendenrendite von 1,79% ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von 2,96 gegenüber. Ebenfalls ein klarer Abschlag ist beim Forward-KGV zu erkennen. 15,13 im MSCI Europe stehen 21,52 im MSCI ACWI gegenüber.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Immobilienkrise und Konjunkturschwäche in China bleibt Thema: Wachstumsraten von 8 % und mehr werden für das Gesamtjahr 2021 immer unwahrscheinlicher. Der höchst verschuldete Immobilienentwickler der Welt, die chinesische Evergrande mit 300 Mrd. USD an Verbindlichkeiten hat bereits Fristen für fällige Zinszahlungen verstreichen lassen. Weitere kleinere Immogesellschaften folgten. Gefährlich ist hier, dass fast 30% der Wirtschaftsleistung Chinas im Zusammenhang mit Immobilien stehen. Doch nicht nur von der Immobilienseite droht Ungemach. Es mehren sich wegen Energieknappheit die Stromausfälle und zahlreiche Bänder stehen still, da in einigen Städten Chinas der Strom rationiert ist.  Umso aufmerksamer achten Anleger nun auf die Stimmungs- und Aktivitätsindikatoren der Wirtschaft, sprich umfragebasierte Einkaufsmanagerindizes. Hier gab es zunächst mal am Freitag ein Aufatmen nach dem der Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex (PMI) für Dienstleistungen von 46,7 Punkte im August im September wieder auf 53,4 Punkte anstieg. Doch Energieversorgung, Immobilienmarkt und Außenpolitik (Taiwan) bleiben weiterhin die Damoklesschwerter über dem chinesischen Aktienmarkt.

Anleihen

Zinswende nimmt Gestalt an: Die vor knapp zwei Wochen erfolgten Klarstellungen der Fed bezüglich der aktuellen Inflationssituation und Handlungsbereitschaft setzten den Bondmarkt unter Druck. Schon im November könnte die Fed mit einer Drosselung der Anleihenkäufe beginnen, was als eine konkludente Reaktion auf jüngsten Inflationszahlen, Inflationserwartungen und Arbeitsmarktdaten gesehen werden kann. Auf Monatsbasis stiegen die Renditen 10jähriger US-Treasuries bereits um 27 Basispunkte auf 1,61%, jene laufzeitkongruenter britischer Papiere um 44 Basispunkte auf 1,20% und deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit verzeichneten einen Renditeanstieg von 0,20 Prozentpunkten (20 Basispunkten). Egal ab quer durch Europa oder einige Schwellenländer oder gar im asiatischen Raum – Der Renditeanstieg gewinnt international an Breite. Besonders krass Australien: 49 BP Anstieg auf 1,71% in nur einem Monat!  Die Zinserwartungen schlugen schnell um, zumindest in den USA: Noch vor wenigen Wochen vermutete man die Fed-Sitzung am 14. Dezember 2022. Mittlerweile sollte die Leitzins-Wende bereits am 21. September 2022 vollzogen werden, und zwar mit einer erwarteten Wahrscheinlichkeit (per 10.10.) von 60,1%. Noch vor einem Monat preisten die Futures lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 30,3% ein. Langsam wird es mit einer nachhaltigen Zinswende ernst.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,19 Prozentpunkte (07.10.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Aber die Märkte preisen für 2022 nur noch globale Ausfallsquoten von weniger als 2% ein (langfristiger Durchschnitt bei 4,2%), zumal sie heuer auf 12-Monats-Sicht nur noch bei 3% lagen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Ölpreis holt auf: Der Erdgaspreis verzeichnete auf Wochenbasis einen Rückschlag von 11%, während die Ölpreise (Brent u. WTI) jeweils 3 bzw. 4% noch weiter aufholten. Das sind Nachholeffekte auf die gewaltige Erdgaspreis-Rally. Gleichzeitig setzte sich die Preisexplosion bei Hafer weiter fort und auch Bauholz wurde wieder knapper, während die Industriemetalle Nickel Blei, Zinn und Zink anzogen. Die Märkte sind derzeit mit Rohwaren unterversorgt. Indessen bröckeln im Zuge steigender Anleihenrenditen die Gold- und Silberpreise weiter ab – eine Entwicklung, die auf inflationäre Trends zurückzuführen ist.

Währungen

Rohstoffwährungen ziehen an: Australien und Kanada profitieren von steigenden Rohstoffpreisen und das schlägt sich im Einklang besonders stark steigender Anleihenrenditen in einer Aufwertung zum Euro nieder. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Australische und kanadische Dollar Stärke zeigen, währen Schweizer Franken und USD tendenziell leicht aufwerten. Die Explosion der Erdgaspreise führten im laufenden Jahr zur Aufwertung des Rubels zum Euro um 9,2%, während alleine auf Monatsbasis der Anstieg bei 4,3% lag.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

11.10.2021

EUR: EZB Lane Rede

12.10.2021

EUR: ZEW-Umfrage - Konjunkturerwartungen
USA: Auktion Treasuries: 10 Jahre

13.10.2021

China: Handelsbilanz, Exporte u. Importe
Japan: Maschinenbestellungen
UK: BIP u. Industrieproduktion
EUR: Industrieproduktion
USA: FOMC-Protokoll, Inflationsdaten, Auktion Treasuries 30 Jahre

14.10.2021

China: Inflationsdaten
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung,

15.10.2021

China: NBS Pressekonferenz, Einzelhandelsumsätze
USA: Einzelhandelsumsätze, Controlling des Einzelhandels

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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