PC - Weekly 2021 KW 46

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Geldpolitischer Epilog: Noch immer beschäftigen die gerade beginnende Drosselung der Anleihenkäufe der Fed sowie die nächsten geldpolitischen Schritte der führenden Notenbanken die Anleger. Bis dato kaufte die Fed monatlich Anleihen für 120 Mrd. Dollar – ein Zustand dessen Ende mittlerweile schon länger erwartet war, weshalb es zu keinen Verwerfungen am Kapitalmarkt kam nachdem nun ab November monatliche Drosselungen um jeweils 15 Mrd. USD feststehen. Bleibt dieses Tempo so, enden die Anleihenkäufe im Juni 2022. Nun rätseln die Märkte über weitere Schritte, vor allem im Zusammenhang mit einer Inflationsrate in den USA, die im Oktober mit 6,2% den höchsten Stand seit 31 Jahren erreicht hat, während sie im Euroraum mittlerweile auf 4,1% anstieg.  Auf der anderen Seite gibt es bremsende Signale wegen anhaltender Lieferkettenunterbrechungen in der Industrie. Wegen Inflationsängsten fiel das Verbrauchervertrauen auf ein 10-Jahrestief. Hingegen als Nachläufer-Indikator noch immer Stärke zeigte der Arbeitsmarkt im Oktober. Es wurden mehr Stellen als erwartet geschaffen und die Arbeitslosenquote entwickelte sich rückläufig. Geopolitisch nehmen die Spannungen zwischen China und den USA in der Taiwan-Frage zu. Während die USA die Unabhängigkeit Taiwans unterstützen, mahnen die Chinesen vor einer Einmischung von außen. Ein weiterer Konfliktschauplatz ist die Grenze Belarus Polen, wo auf der Seite von Belarus gezielt Flüchtlinge an die EU-Außengrenze gelockt werden und Belarus mit einer Kappung des Erdgas-Transits droht.

Konsumenten pessimistisch: Der von Reuters vorläufig veröffentlichte University of Michigan Consumer Sentiment Index brach von Oktober auf November von 71,7 auf 66,8 Punkte, und somit den tiefsten Stand seit November 2011, ein. Volkswirte rechneten noch mit 72,4 Punkten! Vor allem schätzen Verbraucher die Zukunft negativer ein, da es der Politik noch nicht gelungen ist, den hohen Inflationsraten entgegenzuwirken.

US-Arbeitsmarkt noch stark: Als Nachzügler-Indikator, der dem Konjunkturtrend hinterherhinkt, noch eine gewisse Stärke zeigte der US-Arbeitsmarkt auf dem im Oktober außerhalb der Landwirtschaft 531.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die AL-Quote war von 4,8 auf 4,6% rückläufig. Neue Stellen gabs im Oktober vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe. Wirft man einen Blick auf den wöchentlichen Trend, so gab es einen erneuten Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, und zwar von 271.000 auf 267.000, und somit das fünfte Pandemie-Tief in Folge.

Noch Wachstumsdynamik im S&P 500, aber Inflationsfaktor im Vormarsch: Von den 92% der S&P 500 Firmen, die per 12. November Gewinne veröffentlichten, meldeten 81% eine positive Gewinnüberraschung (höher als Analystenprognosen). (vgl. mit 5-Jahresschnitt von 76%). Aggregiert (in Summe betrachtet) lagen die veröffentlichten Gewinne 10,1% über den Analystenprognosen (5-Jahres-Schnitt: 8,4%). Bei den aggregierten veröffentlichten und erwarteten Gewinnen für das 3. Quartal würde zwar noch mit 39,1% die dritthöchste Wachstumsrate seit 2010 erreicht, doch der Ausblick auf das vierte Quartal ist bereits getrübt: 40 S&P 500 Firmen gaben negative Gewinnvorschauen ab, denen 27 positive gegenüberstanden. Im vierten Quartal sollten sich laut FactSet die Gewinnzuwächse auf 20,9% verlangsamen und 2022 sind bei 7% Umsatzwachstum nur noch 8,5% Gewinnwachstum zu erwarten. Die Preis-Kosten-Schere wird ein Thema. Bereits 285 S&P Firmen hatten im Earning-Call die Inflation erwähnt, verglichen mit 137 im 5-Jahres-Schnitt. Mittlerweile gehen die erwarteten Margen zurück. Ein 12-Monats-Forward-KGV von 21,2 erscheint zurzeit bereits etwas ambitioniert.

Aktien - Europa

Gewinnschub im dritten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im dritten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 60,7% (Vorwoche: noch 57,2% erwartet) wachsen. Ohne Energiesektor wäre es noch immer ein Plus von 45,9%. Die stärksten Zuwächse werden im Energiesektor, bei Industriewaren und Grundstoffen erwartet. Von den 234 Firmen die Gewinne für das dritte Quartal 2021 veröffentlichten, meldeten 66,2% Gewinne über den Analystenschätzungen, verglichen mit 52% in einem typischen Quartal. Allerdings wird ab dem ersten Quartal 2022 eine signifikante Wachstumsverlangsamung erwartet. Im 3. Quartal 2022 sollten im STOXX 600 bei 1,3% Umsatzplus die Gewinne nur noch 5,8% wachsen.

Industrieproduktion in Eurozone schrumpft weniger als erwartet: Im September ist die Eurozone auf Monatsbasis mit Minus 0,2% weniger stark geschrumpft als Analysten erwarteten (-0,5%). Auf Jahresbasis lag das Plus bei 5,2%. Gegenüber August beschleunigt hat sich dabei das Produktionswachstum bei den Investitionsgütern und zwar von 3,2 auf 5,9%. Das zeugt davon, dass Engpässe durch Ausbau von Produktionskapazitäten bald beseitigt werden sollten. Hingegen ein Nullwachstum gabs im Energiebereich wo Sparen das Gebot der Stunde ist, während das Verbrauchsgüterproduktionswachstum mit 8,5% noch auf hohem Niveau war. Auffallend viel produziert wurde zuletzt in Irland, Belgien, Litauen und Bulgarien. Negativ hingegen sind die abflauende Tendenz und der 1,1%-Rückgang (September) in Deutschland.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Preisanhebungen in China: Hersteller in China heben Preise so stark an wie seit 1995 nicht mehr: Steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe spüren auch chinesische Industriebetriebe und sie haben darauf reagiert – gut für die Aktien, schlecht für die Importeure in den USA und Europa: Im Oktober hoben chinesische Industriebetriebe ihre Preise so stark an wie seit 26 Jahren nicht mehr. Die Produzentenpreise stiegen um 13,5% zum Vorjahresmonat, während Volkswirte nur von einer Teuerungsrate von 12,4% ausgingen. Dies könnte in den USA und Europa zum Weihnachtsgeschäft eine zusätzliche Verteuerung der Einzelhandelspreise bescheren.

Anleihen

Frage nach nächsten Schritten der Notenbanken: Das Tapering-Programm der Fed und das Ende der Pandemie-Anleihenkäufe der EZB sind bereits „Vergangenheit“. Nun blicken die Märkte weiter voraus: Sollte die US-Wirtschaft in der Lage sein, weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum aufrechtzuerhalten, dann wird die bereits vorhandene Personalknappheit am Arbeitsmarkt noch größer und das Inflationsziel von 2% bleibt überschritten. Eine Lohn-Preis-Spirale wäre die Folge und 2022 wäre das Jahr der ersten Leitzinsanhebung. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen war per 12.11. am Terminmarkt eine erste Leitzinsanhebung für die Fed Sitzung am 15. Juni 2022 mit einer Wahrscheinlichkeit von 71,5% eingepreist. Davon fallen 49,6% Wahrscheinlichkeit auf eine Anhebung um 25 BP und 19,3% um 0,5 BP, während noch vor einem Monat die Wahrscheinlichkeit unveränderter Leitzinsen zu diesem Termin mit 61,9% beziffert wurde – so die aus Fed-Fund-Futures-Daten abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten des FedWatchTools der CME Group. Im Euroraum liegt indessen eine Leitzinsanhebung noch in weiter Ferne. Doch laut fondsprofessionell.de verwies Robert Holzmann, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, im Rahmen einer Veranstaltung in London darauf, dass das 2015 eingeführte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten („Asset Purchase Programm“, APP) darauf ausgelegt worden sei, den Anstieg der Verbraucherpreise wieder auf 2% zu heben. „Der Wegfall der Bedingung und damit das Ende des Programms könne also – je nach Inflationsentwicklung – im September oder Ende des Jahres 2022 kommen“, so seine Einschätzung. Im Rahmen dieses regulären Anleihenkaufprogramms erwirbt die EZB monatlich Wertpapiere (öffentliche Anleihen, asset backed securities (ABS), Unternehmensanleihen und besicherte Anleihen) in Höhe von 20 Mrd€.  Erst wenn dieses Programm eingestellt ist, dann sind die Leitzinsen ein Thema. Per Saldo hat in der vergangenen Woche der Rentenmarkt verhältnismäßig moderat reagiert, zumal die US-Inflation am höchsten Stand seit 1990 ist. In den USA sind die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 11 Basispunkte (BP) auf 1,56% gestiegen und laufzeitkongruente deutsche Bundesanleihen verzeichneten nur einen marginalen Anstieg um 2 BP auf minus 0,26%.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,06 Prozentpunkte (11.11.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Aber die Märkte preisen für 2022 nur noch globale Ausfallsquoten von weniger als 2% ein (langfristiger Durchschnitt bei 4,2%), zumal sie heuer auf 12-Monats-Sicht nur noch bei 3% lagen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Inflationszahlen in den USA beflügeln Edelmetalle: Die Rohstoffhausse setzt sich weiter fort, was sich in der vergangenen Woche in Preissprüngen bei Weizen (6,1%), Kaffee (7,4%), Mais (4,4%) und diversen Industrie- und Edelmetallen zeigte. Gold und Silber liegen je 2,6 bzw. 4,8% im Plus. Die höchste Inflationsrate seit 31 Jahren beflügelt, während steigende US-Bondrenditen und ein festerer US-Dollar bremsten. Per Saldo zeichnet sich aber immer mehr der Ausbruch von Edelmetallen nach oben ab, zumal diese aktuellen Preistrends noch hinterherhinken.

Währungen

Weitere Aufwertung von US-Dollar und Schweizer Franken: Infolge der Inflationszahlen wertete in Erwartung steigender Zinsen der US-Dollar gegenüber dem Euro in der vergangenen Woche ein gutes Prozent auf. Doch aus der Sicht der Verbrauchergeldparitäten wäre der Dollar zum Euro nicht mehr günstig. Indessen noch weiteres langfristiges Aufwertungspotenzial steckt im Schweizer Franken: Rund vier Prozent Inflation im Euroraum stehen einem Prozent in der Schweiz gegenüber. Trotz massiver Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) setzt sich die Frankenaufwertung deshalb weiter fort. Doch die SNB will die Marke von EUR/CHF 1,05 verteidigen. Brechen die Dämme (Unterschreitung von 1,05) winkt eine plötzliche stärkere Aufwertung!

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

15.11.2021

Japan: Bruttoinlandsprodukt
China: Immobilienpreisindex; Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion; NBS Pressekonferenz

16.11.2021

UK: Arbeitsmarktdaten
EUR: Bruttoinlandsprodukt
USA: Einzelhandelsumsätze; Controlling des Einzelhandels; Industrieproduktion

17.11.2021

UK: Inflationsdaten u. Erzeugerpreise
USA: Baubeginne u. Baugenehmigungen

18.11.2021

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung
Philly-Fed-Herstellungsindex

19.11.2021

Japan: Inflationsdaten
EUR: Rede EZB Präsidentin Lagarde
USA: Rede von FOMC Mitglied Clarida

 

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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