PC - Weekly 2021 KW25

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Zins- und Inflationsängste belasten: Eine Gruppe namhafter Banker und Investoren, darunter Morgan Stanley CEO James Gorman, und Startrader Paul Tudor Jones, setzten im Vorfeld jüngster geldpolitischer Entscheidung der Fed deren Chairman Jerome Powell unter Druck, um früher auf die Inflationsgefahren zu reagieren. Wartet er zu lange mit einer Rücknahme der expansiven Geldpolitik, dann könnte daraus bei überhitzter Konjunktur ein radikalerer Handlungsbedarf in kürzerer Zeit resultieren. Das könnte dann der Auslöser einer Rezession sein. Powell hat darauf reagiert, was an folgenden Infos abzulesen ist: Der Offenmarktausschuss hat mit der Diskussion über eine Drosselung der Anleihenkäufe begonnen und Powell lässt sich alle Optionen offen und sich schon gar nicht zu einer Entscheidung drängen. Der Hintergrund: Er persönlich gehe nur von einem zwischenzeitlichen Inflationspeak aus aber nicht von einer langfristigen Inflation. Vielmehr sollte sich die Produktion der gestiegenen Nachfrage anpassen und somit die Preissituation entspannen. Änderungen bei Anleihenkäufen werden sehr weit im Voraus bekanntgegeben. Auch sei die Zinswende noch in weiter Ferne, obwohl sich Stimmen für schneller Zinsanhebungen mehre. Wieviel Vorlauf die Fed dabei den Märkten gibt, bleibt abzuwarten. Auch keine konkreten Trigger-Ereignisse wurden genannt. Allerdings stellt die Fed zwei Zinsschritte bis Ende 2023 in Aussicht und erwartet höhere Inflation. Zwischenzeitlich steigende Renditen bremsten somit den Aufschwung am Aktienmarkt. Und mit der Corona-Delta-Variante kommt bereits der nächste weltumspannende Risikofaktor – eine kritische Konstellation, die den Beginn einer kräftigen Marktkorrektur bedeuten könnte.

Geopolitik: Biden will mit eigenem Infrastrukturprogramm der Seidenstrasse trotzen: Die Antwort auf Chinas neuer Seidenstrasse gab US-Präsident, Joe Biden beim G7-Gipfel. Mittels einer milliardenschweren Initiative zum Aufbau der Infrastruktur in Entwicklungs- und Schwellenländer will Biden diese der Einflusssphäre Chinas entziehen (B3W). Dies könnte bis 2035 bis zu 40 Billionen Dollar erfordern. Doch bis zu einer konkreten Umsetzung ist es noch ein weiter Weg.

Gemischter Arbeitsmarkt: In der Woche vom 29. Mai hat sich gegenüber dem Vorjahr die Anzahl aller US-Einwohner in irgendeinem Sozialprogramm für Arbeitslose von 30,2 auf 14,8 Millionen reduziert. Doch am Donnerstag verkündete das Arbeitsministerium einen erneuten Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung um 37.000 auf 412.000. Hingegen der Vier-Wochen-Durchschnitt blieb auf niedrigstem Niveau seit der Pandemie.

Stabile Konjunktur in Philadelphia-Region: Die regionale Fed von Philadelphia misst das Geschäftsklima der Region mit ihrem „Philly-Fed-Index), der zwar im Juni um 0,8 Punkte auf 30,7 Punkte zurückging, aber noch immer auf solidem Niveau ist. Der Kontraktionsbereich beginnt erst unter Null. Was jedoch auffiel war ein Rückgang des Subindex für den Auftragseingang von 32,5 auf 22,2 Punkte, während der Subindex für Beschäftigung von 19,3 auf 30,7 Punkte anstieg.

US-Einzelhandelsumsätze fallen im Mai stärker als erwartet: Die Umsätze sind im Mai um 1,3% und somit stärker gesunken als die von den Analysten erwarteten 0,8%. Allerdings ist das Wachstum im Vormonat auf 0,9% revidiert worden und die Jahressteigerung zeigt gegenüber dem Vorjahresmonat eine Erholung um 27,7%.

S&P 500: Besonders positiv schätzen Unternehmen des S&P 500 das zweite Quartal ein. Für das zweite Quartal haben bereits 103 Unternehmen ihre Gewinnprognosen bekanntgegeben, wovon 66 positive 37 negativen Gewinnerwartungen gegenüberstehen, was einer positiven Erwartungsquote von 62% (5-Jahres-Schnitt: 35%) entspricht. Seit 31. März stiegen die durchschnittlich erwarteten Gewinne/Aktie um 3,9%, während die durchschnittliche Veränderung der Prognosen über ein Quartal in den vergangenen 10 Jahren bei -4% lag. Das erwartete Quartalsgewinnwachstum würde 61,9% betragen und das bei einer Umsatzsteigerung um 19,4%. Das Gewinnwachstum wäre der höchste Wert seit dem vierten Quartal 2009 (108,9%). Die Nettogewinnmarge würde mit 11,7% weit über dem 5-Jahresschnitt von 10,6% und der Vorjahres-Marge von 8,6% liegen. Für das Gesamtjahr sind bei 12% Umsatzwachstum 34,4% Gewinnwachstum zu erwarten, was das hohe Forward-KGV im S&P 500 von 22,4 relativiert (10-Jahresschnitt: 16,1).

Aktien - Europa

Industrieproduktion im Euroraum läuft auf Hochtouren: Bereits der finale IHS Markit Composite Index Eurozone, ein wichtiger Stimmungsindikator, zeigte für Mai Stärke. Die Industrieproduktionsdaten von Eurostat bestätigen in einer gewissen Zeitverzögerung das Bild einer starken konjunkturellen Erholung: Im April stieg gegenüber dem Vorjahresmonat im Euroraum die Industrieproduktion um 38,7%. Auffallend stark ist das Plus mit je 110,4% bzw. 67,5% bei Gebrauchs- und Investitionsgütern. Unternehmen investieren wieder. Die Produktionskapazitäten sind teils knapp und werden ausgebaut. Allerdings ist der Aufschwung ausgehend von einem entsprechend niedrigerem Basisniveau.

Gewinnschub im ersten Quartal erwartet: Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 95,5% wachsen. 288 Firmen des STOXX 600 veröffentlichten ihre Quartalsgewinne, wovon 72,6% die Analystenprognosen übertrafen (langjähriger Durchschnitt: 51%). Vor allem bei zyklischen Konsumgütern, Industriewaren und im Finanzsektor werden starke Gewinnsteigerungen erwartet. Das für das Gesamtjahr 2021 erwartete Gewinnwachstum beträgt 44,7% (Tendenz wieder rückläufig!), wobei die stärksten Ertragsschübe im Energiesektor und bei zyklischen Konsumgütern stattfinden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

China: Einzelhandel und Industrie schwächer als erwartet. Eine Mäßigung der jüngsten Erholungsdynamik zeigte sich zuletzt auch im Mai bei den Umsätzen im Einzelhandel. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg der Umsatz nur um 12,4%, während Volkswirte mit 14% Plus rechneten. Zum Vergleich: Im April lag der Zuwachs noch bei 17,7%. Auch Industrieproduktion und Investitionen in Sachanlagen enttäuschten. Die Industrieproduktion konnte im Mai um 8,8% (Prognosen: 9,2%) gesteigert werden. Bei den Investitionen in Sachanlagen waren 17% Steigerung erwartet worden. Tatsächlich waren es nur 15,4%. Chinas Dynamik wird offensichtlich in letzter Zeit etwas überschätzt.

Anleihen

Neuer kurzer Rendite-Anstieg ausgehend von der Pressekonferenz zur jüngsten Fed-Entscheidung: Der Renditeanstieg um 7 Basispunkte auf 1,569% bei den 10jährigen US-Treasuries war nur von kurzer Dauer, da der Markt die „strengen Töne“ von Powell letztendlich nicht ganz ernst nimmt. Diesbezüglich ein Meinungsmacher ist Neel Kashkari, Präsident der Fed von Minneapolis. Er ist gegen eine Leitzinserhöhung vor 2023, zumal der Inflationsanstieg nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Hingegen die Mehrheit der Mitglieder des Offenmarktausschusses, der die Leitzinsen festlegt, geht von zwei Leitzinsanhebungen bis Ende 2023 aus. Doch inklusive Kashkari fünf Mitglieder wollen keine Zinsanhebung vor Ende 2023. Demgegenüber stehen sieben Mitglieder, die bereits 2022 mit der ersten Leitzinsanhebung in diesem Zyklus rechnen. Doch was sagt der Markt? Diesbezüglich zuverlässig ist das FedWatch-Tool, das Zinsanhebungswahrscheinlichkeiten aus Futures-Preisen ableitet. Ergebnis: Während am 11. Juni die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender US-Leitzinsen noch bei knapp unter 76% lag, waren es eine Woche später nur noch 63,1%. Eine Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte ist bereits zu 31% und eine um 50 Basispunkte mit 5,5% Wahrscheinlichkeit eingepreist. Auf der anderen Seite lässt die globale konjunkturelle Dynamik etwas nach und an der Pandemie-Front brauen sich neue Bedrohungsszenarien zusammen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich auf Monatssicht die Renditen 10jähriger US-Treasuries um 19 BP auf 1,44% rückläufig entwickelten. Indessen liegen die Renditen laufzeitkongruenter Deutscher Bundesanleihen unverändert bei -0,2%. Die EZB bleibt nach wie vor in ihrer Geldpolitik expansiv. Erst für 2024 erwarten Analysten hier eine erste Leitzinsanhebung.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger von 5,64 Prozentpunkte (24.09.20.) auf 3,15 Prozentpunkte (17.06.21) gesunken. Auf diesem Niveau sind die langfristig erwarteten Kreditverluste nicht mehr abgedeckt. Das schreit förmlich nach einer Gegenbewegung.

 

Edelmetalle und Rohstoffe

(Edel)Metallpreise unter Druck: Während die Wachstumsverlangsamung in China Industriemetalle unter Druck setzt, sind es ein starker Dollar in Kombination mit Zinsängsten in den USA, die zu einer kräftigen Korrektur bei den Edelmetallen führten. Der Silberpreis liegt fast 8% im Minus, Platin sogar über 9%. Vor allem die Zinserwartungen der US-Notenbanker belasten und auch der Inflationsanstieg in Europa von 1,6 auf 2,0% (Mai). Je nach weiterem Verlauf der geldpolitischen Debatten in den USA ist entweder mit einer weiteren Korrektur des Goldpreises Richtung 1600 Punkte oder mit erneuten Anstiegen zu rechnen.

Währungen

Dollarstärke: Aus der Fed kommen restriktivere Töne. Früher als erwartet könnte es zu Leitzinsanhebungen in den USA kommen. Das setzte den Euro gegenüber dem US-Dollar unter Druck: Der US-Dollar wertete zum Euro in der vergangenen Woche 2,1% auf. Ebenfalls fester tendierte mit den rückläufigen Aktienkursen der Japanische Yen zum Euro, während der Schweizer Franken wieder leicht abwertet. Erneut schwächer tendierten die Carry-Trade-Währungen Südafrikanischer Rand, und Mexikanischer Peso, während Russischer Rubel und der Brasilianische Real fester tendierten.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

21.06.2021

EUR: Rede EZB-Präsidentin Lagarde
China: Leitzinsentscheidung der PBoC

22.06.2021

USA: Anhörung von Fed-Chef Powell

23.06.2021

EUR: Markit PMI Gesamtindex, Markit PMI verarbeitendes Gewerbe, Markit PMI Dienstleistungen
USA: Markit PMI Herstellung; Markit PMI Dienstleistungen, Markit PMI Gesamtindex, Verkäufe neuer Häuser

24.06.2021

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung, BIP-Daten; Auftragseingänge langlebiger Güter; Konsumausgaben,

25.06.2021

EUR: Tagung des Europäischen Rates
Japan: Inflationsdaten
USA: Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Privatausgaben

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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