PC - Weekly 2022 KW 14

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Der Anfang vom Ende des Petro-Dollars ist nun amtlich

Lange Zeit galten Sprüche wie: „Die Emerging Markets wollen weg vom US-Dollar als einzige Währung zur Abrechnung von Rohstoff-Exporten“, als leeres Geschwätz der „Goldkäfer-Szene“. Umso größer ist die Tragweite von dem was sich vergangene Woche zugetragen hat und in der Corona- und Kriegsberichtserstattung teils untergangen ist. Während sich die meisten Marktteilnehmer derzeit mit alltäglichen „Banalitäten“ beschäftigen, wird nebenbei Geschichte geschrieben, denn:
Russland lässt sich sein Erdgas von allen Importeuren mit denen es im Konflikt steht, offensichtlich über einen goldgedeckten Rubel „mit Gold aufwiegen“. Vom 28. März bis 30. Juni 2022 kauft die russische Zentralbank Gold von den Kreditinstituten zu 5000 Rubel pro Gramm. Am 25. März, dem Tag der Ankündigung als USD/RUB bei 96,62 stand, war Gold in Russland 1610 US-Dollar pro Feinunze wert. Doch an der Börse wurde Gold mit 1958 US-Dollar gehandelt, was implizierte, dass der Rubel gegenüber Dollar um 21,6% höher notieren sollte. Tatsächlich ging Putins Rechnung auf: Der Dollar fiel bis 1. April 23 Uhr auf 86,42 Rubel bei einem Goldpreis von 1923,8 Dollar. Damit stieg Gold in Russland bereits auf knapp 1800 Dollar. Die im Ausland weitgehend sanktionierten russischen Goldminen können nun ihr Gold im Inland zu einem akzeptablen Preis verkaufen. Somit werden lokales Angebot und lokale Nachfrage nach Gold autark mit in Russland gefördertem Edelmetall über die Zentralbank abgewickelt. Das funktioniert, denn Russland war bis vor dem Ukraine-Krieg drittgrößter Goldproduzent der Welt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis im Einklang mit steigender Rubelnachfrage im Zuge von Erdgasexporten und eines steigenden Goldpreises der Rubel kontinuierlich aufwertet, weshalb erdgasabhängige Staaten, Firmen und private Haushalte sich u.a. mit Gold gegen steigende Erdgaspreise absichern sollten.
Das Beispiel Russlands könnte unter den wichtigsten Öl- und Rohstoffexportländern bald Schule machen und das Ende des Petro/Rohstoff-Dollars besiegeln! Zuvor hatte bereits der chinesische Staatspräsident Xi Jinping Gold als wichtiges Reserve-Asset zur Erreichung der Unabhängigkeit von einem westlich dominierten Weltwährungssystems betrachtet, das hauptsächlich auf dem ungedeckten US-Dollar basiert. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate, gleichzeitig Zuflucht russischer Milliardäre vor der Enteignung, titulierten vergangene Woche die USA als „unzuverlässigen Partner“.

Chicagoer Einkaufsmanagerindex steigt im März stärker als erwartet: Die Region Chicago ist ein wichtiger Wirtschafsraum, dessen Verfassung Rückschlüsse auf den landesweiten Einkaufsmanagerindex des ISM zulässt. Dieser Indikator stieg von Februar auf März von 56,3 überraschend auf 62,9 Punkte, während Volkswirte nur 57 Punkte erwarteten. Mit einer Steigerung um 8,9 auf 61,9 Punkte besonders aufgefallen ist der Subindex für den Auftragseingang. Offensichtlich läuft die US-Konjunktur rund, was sich auch mit jüngsten Arbeitsmarktdaten deckt.

Starker US-Arbeitsmarkt: Noch immer ist die Anzahl der Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung nahe dem niedrigsten Stand seit 1969. In der Abrechnungswoche endend 26. März stieg die Anzahl an Neuanträgen von 188.000 auf 202.000. Zufriedenstellend sind vor allem die Zahlen für März, die faktisch erstmals eine fast vollständige Arbeitsmarkterholung seit der Corona-Krise signalisieren. Außerhalb des Agrarsektors entstanden 431.000 neue Stellen, insbesondere im Gastronomie/Freizeit-Bereich, bei hochwertigen Dienstleistungen, im Einzelhandel, und der Produktion. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Basispunkte auf 3,6% zurück und die Gesamtzahl der Arbeitslosen um 318.000 auf 6 Millionen. Damit wäre fast schon wieder die Ausgangssituation vor der Coronakrise (Februar 2020) erreicht. Damals gab es 5,7 Millionen Arbeitslose bei 3,5% AL-Quote. Im März 2022 stieg die Partizipationsrate um 0,2 PP auf 62,4%, während die Stundenlöhne mit 5,6% noch nicht im Ausmaß der Inflation anstiegen.

Aktien - Europa

Ukrainekrieg verschlechtert Stimmung in Unternehmen und bei Verbrauchern: Nach dem vorläufigen S&P Global Flash Eurozone Composite Index Produktion zeigt ein weiterer wichtiger Stimmungsindikator nach unten. Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Economic Sentiment Indicator (ESI) für die EU brach im März gegenüber dem Vormonat um 5,3 auf 107,5 Punkte und jener für den Euroraum um 5,4 auf 108,5 Punkte ein.  Besonders verschlechtert hat sich die Stimmung unter den Verbrauchern mit einem Einbruch um 9,4 Punkte, da Privatpersonen die Zukunft des Landes und ihre eigene finanzielle Situation besonders negativ einschätzen. Größere Anschaffungsvorhaben und die Reflexion der eigenen Finanzsituation fielen auf 13- bzw. 11-Monats-Tiefs. Gleichzeitig hat sich auch die Stimmung in Handel und Industrie in der EU verschlechtert. Dafür nimmt die Unsicherheit zu: Der Economic Uncertainty Indicator (EUI) stieg im März um 10,7 auf 25,8 Punkte, liegt aber noch unter dem Level zu Beginn der Covid-19-Krise im Jahr 2020 (38,8 Punkte).


Wie stehen die Chancen auf ernsthafte Friedensverhandlungen und Verhandlungsergebnisse zwischen Russland und Ukraine?

Russische Truppen zogen von Kiew und der Westukraine ab. Nun fokussieren sich die Angriffe auf Städte im Süden und Südosten des Landes. Während in der vernichteten Stadt Mariupol angeblich Kämpfe zwischen russischen Söldnertruppen und dem ukrainischem Asow-Regiment toben, nehmen die Angriffe auf Odessa zu. Nur geringe Annäherungen brachten indessen die Friedensgespräche in der Türkei. Trotzdem spricht die wirtschaftliche Plausibilität für einen baldigen Frieden. Als erster Schritt könnte ein Oster-Waffenstillstand einsetzen.  Die Neutralität der Ukraine ist ein Punkt auf den man sich einigen könnte. Die restlichen Fragen bedürfen Kompromisse, die aber auf jeden Fall besser als Krieg und harte Wirtschaftssanktionen und Zerstörung sind.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Industrieaktivitäten schrumpfen im März erneut: Shanghai ist menschenleer – totale Ausgangssperre zur Bekämpfung von Covid-19 herrscht. Hinzu kommen Lieferkettenunterbrechungen durch die Ukraine-Krise. Der Caixin/Markit Manufacturing Purchasing Managers´Index (PMI) fiel von Februar auf März von 50,4 auf 48,1 Punkte und signalisiert damit die stärkste Kontraktion seit Februar 2020. Ob das BIP-Wachstumsziel der Regierung von 5,5% heuer noch erreicht werden kann, bleibt abzuwarten.

Anleihen

Kurze Zinsschockpause: Nachdem die Inflationsdynamik in den USA und Europa weitgehend bekannt ist, legten die Renditen im jüngsten Anstieg eine kurze Verschnaufpause ein. In den USA waren die Renditen 10jähriger Treasuries um 6 BP auf 2,41% rückläufig, jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen um 2 BP auf 0,56% und dies trotz Rekord-Inflation von 7,5% (März) in der Eurozone. Es ist nämlich die mit 10,93% im HVPI gewichtete Energiepreiskomponente um 44,7% gestiegen (Vormonat auf Jahresbasis um 32%). Die zweitgrößte Verteuerung gab es bei unverarbeiteten Lebensmitteln mit 7,8%. Diese sind aber im HVPI nur knapp 5% gewichtet. Ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel läge die Inflationsrate lediglich bei 3,2%. In den USA beginnt sich bereits langsam die Lohn-Preis-Spirale zu drehen, da mit 3,6% Arbeitslosenquote der Arbeitsmarkt weitgehend leergefegt ist. Wirft man einen Blick auf das Fed-Watch-Tool, dann preisen die Fed-Fund-Futurespreise bis zur Fed-Zinsentscheidung am 14. Dezember 2022 (per 2. April 22) für einen Leitzinsanstieg auf mindestens 250 bis 275 Basispunkte (aktuell: 25 bis 50 BP) eine Wahrscheinlichkeit von 52,3% ein. Bis 26. Juli 2023 gelten 350 bis 375 BP, also 3,50 bis 3,75% als plausibel. Hingegen mehren sich die Stimmen für raschere Leitzinsanhebungen in 0,5 Prozentpunkte-Schritten, was von manchen Markt-Teilnehmern ein „Paul-Volcker-Szenario“ befürchten lässt.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken,  das nur noch globale Ausfallsraten von weniger als 2% einpreist. Doch konjunkturelle Risiken steigen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Zuletzt weiteten sich die Spreads wieder auf 3,93 (25.2.) Prozentpunkte aus, ehe bis 31. März wieder eine Gegenbewegung auf 3,43 PP folgte. US-Firmen sind von der Ukraine-Krise weniger stark betroffen.

Edelmetalle und Rohstoffe

Gegenbewegung hält an: Friedensgespräche, zeitweise steigende Aktienmärkte und höhere Anleihenrenditen setzen die Gold- und Silberpreise unter Druck, während Rohöl wegen der Freigabe der strategischen US-Reserven zum Verkauf fällt. Anhaltende Erdgaslieferungen Moskaus führten im Erdgaspreis bereits auf Monatsbasis zu 45% Minus und die Getreidepreise entspannen sich wegen anhaltender Lieferbereitschaft der Ukraine.

Währungen

Rubel als „Goldwährung“: Während sich der Euro gegenüber den wichtigsten Währungen nur wenig bewegt, hat er auf Monatsbasis gegenüber dem Rubel fast 30% abgewertet. Australischer und Kanadischer Dollar bleiben als Rohstoffwährungen auf hohem Niveau, während der Südafrikanische Rand seinen Aufwärtstrend mittelfristig fortsetzt. Fakt ist jedoch, dass erstmals seit Bretton Woods wieder die Währung einer „Großmacht“ an den Goldpreis gekoppelt ist und nach Russland auch noch weitere Länder folgen könnten

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

04.04.2022

USA: Werkaufträge

05.04.2022

EUR: Markit PMI Gesamtindex
USA: Markit PMI Gesamtindex, ISM Nicht-verarbeitendes Gewerbe, Markit PMI Dienstleistungen,

06.04.2022

China: Caixin China PMI Dienstleistungen
USA: FOMC-Protokoll

07.04.2022

Japan: Führender Wirtschaftsindex

EUR: Einzelhandelsumsätze

USA: EIA-Erdgaslagerbestand; Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung

08.04.2022

Japan: Leistungsbilanz

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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