PC - Weekly 2022 KW 24

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Inflationsschub sorgt für Turbulenzen: Die US-Inflationsrate ist von 8,3% im April auf den höchsten Wert seit Dezember 1981 von 8,6% gestiegen. Analysten gingen lediglich von 8,3% aus. Hingegen die Kerninflationsrate ex Nahrungsmittel und Energie war leicht von 6,2% auf 6,0% rückläufig, was aber noch immer über den Erwartungen der Volkswirte lag. Gleichzeitig wurden in der US-Wirtschaft außerhalb des Agrarsektors 390.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, während der 4-Wochen Schnitt der Folgeanträge auf Arbeitslosenunterstützung rund um die niedrigsten Stände seit 1970 verharrte. Die geldpolitischen Entscheidungsträger in den USA hoffen, keine rückläufige Arbeitslosenquote erleben zu müssen, die ohnehin mit 3,6% nahe dem tiefsten Stand seit 1969 liegt. Fast gleichzeitig kündigte die EZB für den Sommer eine erste Leitzinsanhebung an, weshalb der 21. Juli 2022 ein entscheidender Tag wird. Nun wachsen die Befürchtungen, dass die Fed in ihrer Sitzung am 15. Juni den Leitzins anstatt nur um 0,5% um 0,75% anhebt – ein Szenario, das am 12. Juni mit 96,4% Wahrscheinlichkeit bereits im Markt eingepreist ist. Gegenüber CNBC brachte im Zusammenhang mit der hohen Inflation der Barclays-Ökonom Jonathan Miller das genannte Szenario ins Spiel, und Aneta Markowska, Ökonomin bei Jefferies, rechnet ebenfalls mit einem 0,75 PP-Zinsschritt.
     Rezessionsgefahr nimmt zu: Die Zutaten für eine Stagflation, nämlich hohe Inflation bei wirtschaftlicher Verlangsamung wären gegeben. Die Fed hat laut diversen Experten wie beispielsweise Terence Wheat, Co-Leiter Unternehmensanleihen bei PGIM Fixed Income, zu spät auf Inflation reagiert und erhöhe nun zum beginnenden Abschwung mit Riesenschritten die Leitzinsen. Wheat: „Die Fed hat sich dem Problem zu spät angenommen. Jetzt versucht sie, vorwärtszumachen“ Die Folge werde vermutlich eine Rezession sein. „Eine harte Landung der Wirtschaft ist wahrscheinlicher als eine weiche“. Bereits Ende Mai bezifferten Volkswirte die Rezessionswahrscheinlichkeit mit 15%. Bereits im dritten Quartal 2021 hat das Gewinnwachstum der Unternehmen den Höhepunkt erreicht. Nun folgt die Preis-Kosten-Schere. Auch teils hohe Lagerbestände können belasten und zu Abschreibungen führen. Somit ist das Kontrastprogramm zu den Lieferengpässen die nächste böse Falle mit Geldvernichtung.

Verbraucher in Panik: Von Mai auf Juni fällt der Level des von der Universität Michigan erhobenen Konsumentenvertrauens von 58,4 auf ein Rekordtief von 50,2 Punkten, während Volkswirte noch für Juni 59 Punkte erwarteten. Die Inflationserwartungen für 2023 stiegen von 3,3 auf 5,4%. Der Index der aktuellen Situation brach von 53,3 auf 55,4 Punkte ein und jener der Erwartungen gar von 44,2 auf 46,8. Das Problem: Inflation beschneidet Kaufkraft.

Erstes Quartal im kritischen Rückblick: Noch nie in den vergangenen 10 Jahren haben so viele S&P 500 Firmen im Earning Call „Inflation“ erwähnt, nämlich 417 von 487 Unternehmen. Alle Grundstoffproduzenten und 97% der Konsumgüterhersteller erörterten die Inflationsproblematik. Im Technologiesektor waren es noch 74%. Die Preis-Kosten-Schere beginnt zu wirken und die Nettogewinn-Margen-Erwartungen (S&P 500) für das 2. Quartal 2022 sind mittlerweile seit Ende März von 12,7 auf 12,4% gesunken. Besonders stark rückläufig werden die Margen voraussichtlich im Konsumgüterbereich sein. Auch Versorger und Technologieunternehmen sind von rückläufiger Entwicklung betroffen, während die Bereiche Energie (Erwartungen von 11,8 auf 14,3% gestiegen) und Grundstoffe (Erwartungen von 14 auf 14,4% gestiegen) die großen Gewinner sind. Für das Gesamtjahr erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum der S&P 500 Unternehmen von 10,4% (vor 6 Wochen noch 10,9%) und infolge jüngster Rückschläge liegt das 12-Monats-Forward-KGV im S&P 500 mit 16,8 bereits unter dem 5-Jahres-Schnitt von 18,6 und sogar unter dem 10-Jahresschnitt von 16,9. Die Enttäuschungen haben – wie bereits erwartet – mit Lieferkettenunterbrechungen und historisch hoher Teuerung im Laufe der Earning Season weiter zugenommen. Mittelfristig ist mit einer Abwärtsrevision der Gewinnwachstumsprognosen zu rechnen. Somit ist der Aktienmarkt noch nicht günstig, vielmehr droht eine „Bewertungsfalle“.

Aktien - Europa

Starkes erstes Earning-Quartal 2022: Während sich in den USA bereits eine Abkühlung der Quartalsgewinnzuwächse bemerkbar macht, herrscht in Europa noch eine starke Aufwärtsdynamik, denn: Bis 7. Juni veröffentlichten 258 STOXX 600 Firmen Gewinne für das erste Quartal von denen 66,7% die Analystenprognosen übertrafen. In einem gewöhnlichen Quartal liegt diese Quote nur bei 52%. Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41,4% (ohne Energiesektor: 22,3%) wachsen. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 13%, wobei der Energiesektor mit 81,8% am stärksten wachsen sollte. Doch je länger der Ukraine-Krieg in Europa tobt, desto größer ist auch hier das Risiko zukünftiger Gewinneinbrüche.

Kriegsupdate: Russland beendet Gaslieferungen an Finnland, Polen und Bulgarien und will so den Druck auf die EU erhöhen. Die EU hat sich zu einem Ölembargo gegen Russland durchgerungen. Indessen nimmt die russische Offensive im Donbas ihren verlauf. Großbritannien plant die Lieferung von Raketenwerfern mit ca. 40 Kilometer Reichweite. Russland kündigte im Falle der Auslieferung entsprechende Gegenmaßnahmen und militärische Schläge an. Von Friedensverhandlungen fehlen indessen jegliche Spuren, während China die aktuelle Lage immer mehr dazu nützt, um eine mögliche Einnahme von Taiwan auszuloten. Doch US-Präsident Joe Biden verspricht Taiwan militärische Unterstützung im Falle eines chinesischen Einmarsches.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Servicesektor im Mai unter Druck: Vor allem der Dienstleistungssektor leidet unter den Coronalockdowns. Zwar stieg der Einkaufsmanagerindex für Dienstleister um 5,2 auf 41,4 Punkte (Quelle: Caixin), doch bereits den dritten Monat liegt der Indikator unter der Kontraktionsgrenze von 50 Punkten. Dabei machen Dienstleister rund 60% der Wirtschaftsleistung Chinas aus. Bereits seit den Coronaausbrüchen Anfang April befindet sich Chinas Konjunktur auf Talfahrt, da die Metropolen Shanghai und Peking in den Lockdown geschickt wurden. Hotels und Restaurants leiden darunter und Unternehmen warten noch mit Neueinstellungen.

Anleihen

Starke Renditeanstiege und fallende Staatsanleihenkurse: In den USA preist der Fed-Fund-Futures-Markt bereits einen Zinsschritt im Ausmaß von 0,75 Prozentpunkten ein. Die letzte Leitzinsanhebung in diesem Ausmaß gab es Mitte November 1994. Auf konjunkturelle Belange scheint die Fed derzeit keine Rücksicht mehr zu nehmen und auch in der EZB droht das Pendel in diese Richtung auszuschlagen. Bereits vor rund 2 Wochen kündigte EZB-Chefin Christine Lagarde eine Zinswende für Sommer an, was sie in der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung vergangenen Donnerstag erneut bestätigte. O-Ton: „Der EZB-Rat hat die Bedingungen sorgfältig überprüft, die gemäß seiner Forward Guidance erfüllt sein sollten, bevor er mit der Erhöhung der Leitzinsen der EZB beginnt. Infolge dieser Überprüfung ist er zu dem Schluss gelangt, dass diese Bedingungen erfüllt sind. Dementsprechend, und im Einklang mit der zeitlichen Abfolge der geldpolitischen Maßnahmen des EZB-Rats, beabsichtigt der EZB-Rat, die Leitzinsen der EZB auf seiner geldpolitischen Sitzung im Juli um 25 Basispunkte zu erhöhen“.  Entsprechend ist im laufenden Jahr der Eurozinsswapsatz (Ann/6Mo) 2 Jahre gestiegen, nämlich von 1.1. bis 13.5.2022 von -0,30 auf +1,69% was bis Sommer 2024 ein Leitzinsniveau (Hauptrefinanzierungssatz der EZB) von 1,625 bis 1,875% implizieren würde. Unter Umständen folgen sogar rasche Zinserhöhungen Richtung 2% und mehr. Entsprechend sind auch die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen angestiegen. Auf Monatsbasis stiegen die Renditen zehnjähriger Deutscher Bundesanleihen um 58 Basispunkte (BP) auf 1,52%, jene laufzeitkongruenter griechischer und italienischer Papiere stiegen um je 96 bzw. 99 BP auf je 4,42% bzw. 3,83%. Französische Staatsanleihen mit 10jähriger Laufzeit weisen bereits 2,12% Rendite auf. Solche Rendite-Niveaus könnten bereits Staatsanleihen zu einer ernstzunehmenden Substitutionskonkurrenz gegenüber Immobilien machen. Auch in den USA gilt dies, wo zehnjährige Treasuries auf Monatssicht einen Renditeanstieg um 31 BP auf 3,21% verzeichneten.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads auf 4,42 Prozentpunkte aus, zumal immer mehr Firmen in eine Preis-Kosten-Schere geraten und die Ausfallsraten etwas zunehmen werden. Spreads von fünf bis sieben Prozentpunkte wären bis Jahresende 2022 durchaus denkbar, zumal bereits am 24. Mai ein zwischenzeitliches Niveau von 4,94% erreicht wurde.

Edelmetalle und Rohstoffe

Einpreisung eines Konjunkturabschwungs: Industriemetalle sind gute Konjunkturindikatoren. Vergangene Woche rückläufig waren u. a.: Kupfer (-3,2%), Primäraluminium (-3,8%), Nickel (-7,6%) und Zink (-4,5%). Palladium und Platin stehen wegen schwacher Autoindustrie unter Druck, während die Notierungen von Gold und Silber durch steigende Zinsen nach oben ausgebremst werden. Selbst der Ölpreis steigt nicht mehr weiter: Die OPEC+ Länder einigten sich zuletzt, darauf, im Juli und August täglich 648.000 Barrel zusätzlich zu fördern. Gleichzeitig ist weltweit „Energiesparen“ angesagt und eines Tages ist auch der Ukrainekrieg vorbei.

Währungen

Devisenmärkte im Krisenmodus: „Zurück ins Zentrum“ lautet das Motto der Trader aus Japan, der Schweiz und den USA. Der Yen stoppte seine Talfahrt, während der US-Dollar binnen einer Woche zum Euro um rund 2% aufwertete. Nach einer zwischenzeitlichen Abschwächung fester tendiert auch wieder der Schweizer Franken. Die Goldwährung Rubel wertete binnen einer Woche erneut um rund 8% auf, während sich die Türkische Lira noch einer weiteren zweistelligen Abwertung (11 bis 12%) auf Monatsbasis mit Riesenschritten der Hyperinflation nähert.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

14.06.2022

Japan: Industrieproduktion
EUR: ZEW Konjunkturerwartungen
USA: Erzeugerpreise

15.06.2022

China: Einzelhandelsumsätze; NBs-Pressekonferenz; Industrieproduktion
EUR: Industrieproduktion
USA: Controlling des Einzelhandels, Einzelhandelsumsätze, Fed-Zinssatzentscheidung und FOMC Pressekonferenz

16.06.2022

Schweiz: SNB Zinssatzentscheidung; SNB Beurteilung der Geldpolitik
EUR: Lohnkosten
USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Philly-Fed-Herstellungsindex; Baugenehmigungen u. Baubeginne

17.06.2022

Japan: BoJ Zinssatzentscheidung, Pressekonferenz mit Statements zur Geldpolitik
EUR: Inflationsrate
USA: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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