PC - Weekly 2022 KW 26

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Zinsanhebungswettlauf mit drohender Rezession: Inverse Zinskurve, und ein maximaler Kursverlust von 24,5% im S&P 500 in den ersten 116 Börsentagen 2022 – Das könnte auf eine herannahende Rezession hindeuten. Nur während der Großen Depression im Jahr 1932 waren die Verluste in den ersten 116 Tagen höher. Die erwarteten Rezessionswahrscheinlichkeiten der Analysten werden tendenziell immer weiter nach oben geschraubt und Fed-Chairman Jerome Powell, der noch immer eine gemäßigte Abkühlung erzielen wollte, äußerte bei seiner jüngsten Anhörung vor dem Kongress erhebliche Zweifel an einem „Soft Landing“ für die Wirtschaft. Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes, Verbrauchervertrauen der Uni Michigan, Economic Surprise Index etc., deuten in den USA auf eine Phase des Abschwungs hin. Mit nachlassender Nachfrage aus China geraten auch Rohstoffpreise unter Druck. China hatte zuletzt 50% Weltwirtschaftswachstumsanteil! Der IWF hat deshalb am Freitag eine Revision seiner US-Wirtschaftswachstumsprognose für 2022 von 3,7 auf 2,9% vorgenommen und für 2023 senkte er seine Erwartungen von 2,3 auf 1,7%. Für 2024 geht der IWF nur noch von 0,8% BIP-Wachstum in den USA aus. Gleichzeitig fehlt in der Ukraine von Friedensverhandlungen jede Spur und die russische Offensive im Südosten des Landes nimmt ihren Verlauf, während die Spannungen China-Taiwan immer mehr zunehmen.

Privatwirtschaftliche Expansion verlangsamt sich in den USA: Der vorläufige (noch nicht vollständig ausgewertete) Aktivitätsindikator für die Privatwirtschaft, der S&P Global Flash US Composite PMI verzeichnete von Mai auf Juni einen Rückgang von 53,6 auf 51,2 Punkte (Expansionsgrenze 50 Punkte) und markierte somit ein 5-Monats-Tief. Noch härter traf es das Produktionsvolumen des verarbeitenden Gewerbes, dargestellt im US Manufacturing Output Index, der von 55,2 auf 49,6 Punkte zurückging und ein 24-Monats-Tief markierte. Das gab es in den vergangenen 15 Monaten erst zweimal, nämlich in der Finanzkrise 2008 und während der Pandemie-Lockdowns 2020. Betrachtet man das verarbeitende Gewerbe unter diversen Aspekten so fiel der dies darstellende US-Manufacturing PMI von 57 Punkte auf ein 23-Monats-Tief von 52,4 Punkten. Die Auftragseingänge in der Privatwirtschaft waren erstmals seit Juli 2020 rückläufig. Annualisiert läge das BIP-Wachstum der USA im Juni nur noch bei 1%.

Ernüchternde Ertragsperspektiven bei S&P 500 Unternehmen:  Die Preis-Kosten-Schere beginnt zu wirken und die Nettogewinn-Margen-Erwartungen (S&P 500) für das 2. Quartal 2022 sind mittlerweile seit Ende März von 12,7 auf 12,4% gesunken. Dieser Wert liegt noch über dem 5-Jahresschnitt von 11,1%, aber bereits unter dem Vorjahreswert von 13,1%.  Neun Sektoren sollten im zweiten Quartal Nettogewinn-Margen veröffentlichten, die über deren 5-Jahres-Durchschnitt liegen, insbesondere Energie (14,2% vs. 5,7%) und Grundstoffe (14,4% vs. 10,1%). Als einzige Branche darunter liegt die Nettogewinn-Marge bei den Nicht-Basis-Konsumgütern mit 6,4% vs. 6,7%). Per 24. Juni haben bereits 103 Firmen eine Gewinnvorschau ins 2. Quartal 2022 geliefert. 72 Firmen des S&P 500 meldeten negative Gewinnerwartungen und 31 positive, was einer Quote von 70% Negativausblicken entspricht – höchster Wert seit Q4 4 2019 und hoch im Vergleich zum 5 Jahres-Schnitt von 60%. Die erwartete Wachstumsrate für das zweite Quartal beträgt nur noch 4,3% verglichen mit den 5- und 10-Jahresschnitten von je 15 bzw. 8,8%. Für das Gesamtjahr erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum der S&P 500 Unternehmen von 10,4% (vor 8 Wochen noch 10,9%) und infolge jüngster Rückschläge liegt das 12-Monats-Forward-KGV im S&P 500 mit 15,8 bereits unter dem 5-Jahres-Schnitt von 18,6 und sogar unter dem 10-Jahresschnitt von 16,9. Die Enttäuschungen haben – wie bereits erwartet – mit Lieferkettenunterbrechungen und historisch hoher Teuerung im Laufe der Earning Season weiter zugenommen. Mittelfristig ist mit einer Abwärtsrevision der Gewinnwachstumsprognosen zu rechnen. Das bedeutet eventuell für die kommende Earning Season eine Reihe von Gewinnwarnungen. Somit ist der Aktienmarkt noch nicht günstig, vielmehr droht eine „Bewertungsfalle“.

Aktien - Europa

Privatwirtschaftliche Expansion erreicht im Euroraum ein 16-Monats-Tief: Der gewichtete Durchschnitt aus Geschäftstätigkeit im Produktions- und Service-Bereich, der Flash Euro Eurozone Composite Index Produktion von S&P Global brach von Mai auf Juni von 54,8 auf 51,9 Punkte ein und markierte somit ein 16-Monats-Tief. Ein 22-Monats-Tief markierte der EMI Industrie, ein Index bestehend aus der gewichteten Kombination der folgenden fünf Unterindizes (Gewichtung in Klammern): Auftragseingang (0,3), Produktion (0,25), Beschäftigung (0,2), Lieferzeiten (0,15), Vormateriallager (0,1). Der Index Lieferzeiten ist ein inverser Index.  Auch die Produktionslevel entwickeln sich rückläufig: Der Flash Eurozone Index Industrieproduktion fiel auf ein 24-Monats-Tief von 49,3 Punkte (Mai: 51,3). Steigende Lebenshaltungskosten, schlechtere Kreditbedingungen, Sorgen um Energieversorgung und Lieferkettenunterbrechungen führten dazu, dass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist so wenig optimistisch ausfielen wie zuletzt im Oktober 2020. Umgerechnet in Wirtschaftswachstum bedeutet dies für Juni marginales BIP-Wachstum von 0,2% vgl. mit 0,6% im März.

Starkes erstes Earning-Quartal 2022: Während sich in den USA bereits eine Abkühlung der Quartalsgewinnzuwächse bemerkbar macht, herrscht in Europa noch eine starke Aufwärtsdynamik, denn: Bis 21. Juni veröffentlichten 263 STOXX 600 Firmen Gewinne für das erste Quartal von denen 66,3% die Analystenprognosen übertrafen. In einem gewöhnlichen Quartal liegt diese Quote nur bei 52%. Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 42% (ohne Energiesektor: 22,9%) wachsen. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 13,9%, wobei der Energiesektor mit 85,8% am stärksten wachsen sollte. Doch je länger der Ukraine-Krieg in Europa tobt, desto größer ist auch hier das Risiko zukünftiger Gewinneinbrüche.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Konjunktur schwächelt: Lockdowns in China beeinträchtigen dort neben der Produktion auch den Warenverkehr durch einen Stau der Containerschiffe. Die Industrieproduktion wuchs im Mai nach einem Minus von 2,9% im Vorjahresvergleich im April nun um 0,7%. Die Einzelhandelsumsätze Chinas verlieren den dritten Monat in Folge (im Mai) an Dynamik, während die Jugendarbeitslosenquote von 18,2 auf 18,4% ansteigt.

Anleihen

Verschnaufpause bei Staatsanleihen: Auf eine Konzentration der Märkte auf Inflationsbekämpfung von Fed und EZB folgten mit einer vorsichtigen Kongress-Rede von Fed-Chef-Powells mehr Kommentare über Rezessionsrisiken. Dies führte zu einem zwischenzeitlichen Renditerückgang bei Staatsanleihen. In Japan bleiben die langfristigen Zinssätze auf Null und die kurzfristigen Zinsen bei minus 0,1%. Die ultralockere Geldpolitik wird beibehalten. Somit blieben gegenüber der Vorwoche die Renditen zehnjähriger Japanischer Staatsanleihen unverändert bei 0,22% und unter der Obergrenze von 0,25%. Die Renditen deutscher Bundesanleihen waren sogar wegen zunehmender Konjunkturschwäche in Europa von 1,65 auf 1,43% rückläufig. In den USA gingen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 0,10 Prozentpunkte auf 3,13% zurück.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads auf Wochenbasis von 5,17 Prozentpunkte weiter auf 5,38 Prozentpunkte aus (23.6.), zumal immer mehr Firmen in eine Preis-Kosten-Schere geraten und die Ausfallsraten zunehmen werden. Das ist das höchste Niveau seit September 2020 und ein weiteres Rezessionsgefahrensignal!

Edelmetalle und Rohstoffe

Rohstoffschwäche auf breiter Front oder weitere Einpreisung eines Konjunkturabschwungs: Industriemetalle sind gute Konjunkturindikatoren. Vergangene Woche erneut rückläufig waren u. a.: Kupfer (-7,0%), Zinn (-19,2%) und Nickel (-13,7%). Agrarrohstoffe wie Weizen, Baumwolle und Hafer erlitten zweistellige Verluste, während Mais 8% abgab. Hintergrund: Die Sorge vor einem knappen Angebot lässt nach. Die Hitzewelle in Frankreich beispielsweise hat keine großen Ernteausfälle verursacht. Außerdem können Russland und die EU die Weizenausfälle der Ukraine bislang auffangen. Um knapp 11% rückläufig waren UK Erdgas, während Erdöl leicht rückläufig war. Offensichtlich gibt es mehr als genug Erdgas und Erdöl. Die Verteilung ist somit nur eine Frage der Logistik.

Währungen

Yen Schwäche und fester Franken: Die anhaltend ultralockere Zinspolitik der japanischen Notenbank führte dazu, dass der Yen im Vergleich zum US-Dollar auf ein 24-Jahres-Tief stürzte, was bereits den privaten Konsum in Japan beeinträchtigt. Der Schweizer Franken hat sich mit 1,01 auf Messers Schneide der Parität genähert. Wird diese psychologisch wichtige Schwelle nachhaltig unterschritten ist eine rasche Abwertung des Euro Richtung 0,85 Franken zu erwarten. Indessen tendierte der Rubel zum Euro erneut fester.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

27.06.2022

Japan: Führender Wirtschaftsindex

USA: Auftragseingänge langlebige Wirtschaftsgüter, Nicht militärische Investitionsgüter Aufträge ohne Flugzeuge

28.06.2022

EUR: Rede EZB-Präsidentin Lagarde

USA: Immobilienpreisindex, Verbrauchervertrauen Conference Board

29.06.2022

Japan: Einzelhandelsumsätze

EUR: Verbrauchervertrauen u. Geschäftsklimaindex, Rede EZB-Präsidentin Lagarde

USA: BIP-Daten, Fed Powell Rede, Persönliche Konsumausgaben

30.06.2022

China: NBS PMI Produktion, PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe.

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Chicago Einkaufsmanagerindex

01.07.2022

Japan: Inflationsdaten, Tankan Herstellungsindex für große Unternehmen, Tankan Große Produktionsprognose

China: Caixin PMI Produktion

EUR: Inflationsdaten

USA: ISM verarbeitendes Gewerbe, S&P Global PMI Herstellung

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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