PC - Weekly 2022 KW 30

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Konjunkturbedenken vs. Inflationsbekämpfung:  Sowohl in den USA als auch in der Eurozone rutschte im Juli die Privatwirtschaft erstmals seit der Covid-19-Krise wieder in den Kontraktionsbereich, während die EZB stärker als ursprünglich erwartet die Leitzinsen gleich um 0,5 Prozentpunkte anhob. In den USA nehmen die Märkte für die Fed Sitzung am Mittwoch bereits einen Leitzinsanstieg auf 2,25 bis 2,50% vorweg.
Der Philly Fed Index fällt überraschend tiefer in den negativen Bereich, während die Situation in der Ukraine weiter angespannt bleibt. Einerseits sollte eine Übereinkunft bezüglich Getreidelieferungen auf dem Seeweg getroffen worden sein, gleichzeitig kam es zu einem Großangriff auf die Hafenstadt Odessa. Fraglich bleiben weiterhin Umfang und Dauer russischer Erdgaslieferungen nach Europa. Während Europa im Ukraine- und Inflationschaos versinkt, kündigt sich um Taiwan bereits der nächste globale Konflikt ab. China droht nämlich mit Konsequenzen für die geplante Taiwan-Reise der Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die Taiwan US-Unterstützung gegen China zusichert. Gleichzeitig flammt der Konflikt im Norden Syriens erneut auf. Die Türkei plant eine Militäraktion gegen kurdische Gruppen. Russland und der Iran sind dagegen. Da aber türkische Diplomaten im Ukrainekrieg vermitteln, könnten dies die Vermittlerrolle der Türkei gefährden.

Erstmals seit Juni 2020 rutschte die US-Privatwirtschaft wieder in den Kontraktionsbereich – so das vorläufig ausgewertete Umfrage-Ergebnis im Rahmen des S&P Global Flash US Composite PMI™. Demnach fiel beispielsweise der US-Manufacturing Output Index von Juni auf Juli von 50,20 auf ein 25-Monats-Tief von 49,9 Punkten.
Der US Services Business Activity Index brach sogar von 52,7 auf 47 Punkte ein. Die Kontraktionsgrenze liegt bei 50 Punkten. Mit Ausnahme der Covid-19-Krise war dies der stärkste Abschwung seit 2009. Produktionsbetriebe verzeichneten den zweiten Neuauftragsrückgang in Folge. Inflationsdruck und steigenden Zinsen belasten Unternehmen und auch die Exportaufträge fielen einen zweiten Monat in Folge. Hochgerechnet bedeuten jüngste Entwicklungen bereits einen BIP-Rückgang um 1%.

Industrieregion Philadelphia zeigt Konjunkturschwäche: Das Geschäftsklima in diesem Wirtschaftsraum hat sich im Juli erneut eingetrübt. Der dafür erstellte Stimmungsindikator, Philly Fed Index, fiel um 9 Punkte auf minus 12,3 Zähler.
Im Gegensatz dazu rechneten Volkswirte sogar mit einem Anstieg um 0,8 Punkte. Es ist bereits der vierte Rückgang in Folge. Ebenfalls einen Hinweis auf Abkühlung zeigten die steigenden Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die Ende KW28 um weitere 7000 auf 251.000 stiegen (höchster Level seit Mitte November 2021, USA bundesweit).

Enttäuschender Auftakt der S&P 500 Unternehmen zur Earning Season für das zweite Quartal:
Per 22. Juli haben bereits 21% der S&P 500 Unternehmen ihre Quartalsergebnisse bekanntgegeben. Bei 68% liegen die Gewinne über den Analystenprognosen - ein im Vergleich zu einem 5-Jahres-Schnitt von 77% niedriger Wert. Aggregiert betrachtet, lagen die Gewinne nur noch 3,6% über den Schätzungen, während der 5-Jahres-Schnitt 8,9% beträgt. Kombiniert man bereits veröffentlichte Zahlen mit den Schätzungen bei den restlichen Unternehmen, läge das Quartalsgewinnwachstum nur noch bei 4,8%, was den schlechtesten Wert seit dem vierten Quartal 2020 (4,0%) darstellt. Im Vergleich dazu liegt der 10-Jahres-Durchschnitt bei 8,9%. Nur noch 6 von 11 Branchen berichten Wachstum, vor allem die Bereiche Energie und Industrieprodukte. 5 Branchen, insbesondere der Finanzsektor, schwächeln. Für das dritte und vierte Quartal 2022 werden laut FactSet Analysten im S&P 500 nur noch jeweils 9,2% (Vorwoche noch 10,1%) bzw. 8,7% (Vorwoche noch 9,2%) erwartet. Für das Gesamtjahr werden noch 9,8% Gewinnwachstum prognostiziert. Nach dem jüngsten Rebound liegt das 12-Monats-Forward-KGV bei 16,7 verglichen mit einem 10-Jahres-Schnitt von 17. Doch von echtem Value fehlt noch jede Spur, zumal mit einer Reihe von Abwärtsrevisionen der Gewinnprognosen zu rechnen ist.

Aktien - Europa

Privatwirtschaft der Eurozone im Kontraktionsbereich: Ein wichtiger Aktivitätsindikator der Privatwirtschaft, basierend auf einer vorläufig ausgewerteten Umfrage, schlägt im Euroraum Konjunkturalarm: Konkret rutschte der S&P Global Flash Eurozone EMI™ von 52 Punkten im Juni auf 49,4 Punkte im Juli ab.
Die Kontraktionsgrenze liegt bei 50 Zählern. Damit markiert der Index ein 17-Monats-Tief. Während der Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit mit einem Rückgang von 53 auf ein 15-Monats-Tief von 50,6 Punkten noch an der Kontraktion knapp vorbeischrammte, hat es den Industriebereich (Produktion) besonders hart erwischt. Der Flash Eurozone EMI™ Industrie fiel von 52,1 auf ein 25-Monats-Tief von 49,6. Die Auftragsbestände sanken sowohl in der Industrie als auch im Service-Bereich. Zuletzt war dies vor 1,5 Jahren der Fall. Nachfrageflaute und Überkapazitäten sind die Faktoren. Gleichzeitig beschleunigte sich der Rückgang der Industrieproduktion in Deutschland und Frankreich. Besonders stark unter Druck steht generell Deutschland, dessen Composite PMI den niedrigsten Stand seit Juni 2020 markierte. Das wirkt sich auf den gesamten Euroraum aus: Eine leichte BIP-Schrumpfung auf Quartalsbasis – erstmals seit Juni 2013 – erwarten die Volkswirte bei S&P Global Market Itelligence. Doch diese Entwicklungen könnten auch noch etwas anderes bedeuten, nämlich früher oder später eine Dämpfung der Inflation über die rückläufigen Rohstoffpreise.

Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal 2022 erwartet, trotzdem noch erfreuliche Zahlen:
Europa befindet sich mitten in der Ukraine-Krise, die sich immer mehr auch auf die Ergebnisse der Firmen des STOXX 600 durchschlägt. Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im zweiten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur noch um 22,1% (ohne Energiesektor: 3,3%) wachsen. Das Umsatzwachstum ex Energiesektor sollte bei 11,9% liegen und ist primär der Inflation geschuldet. Doch es könnte etwas besser kommen: 45 STOXX 600 Firmen veröffentlichten bereits Gewinne des 2. Quartals. Davon konnten 60% die Analystenprognosen übertreffen vgl. mit 53% im langjährigen Schnitt. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 16,3%. Allerdings steht voraussichtlich eine gute Gewinnverdopplung (+108,9%) im Energiesektor einem Gewinnrückgang von 8,9% im Finanzsektor gegenüber. Auch die Wachstumsdynamik im Technologiesektor und der Immobilienbranche könnte nachlassen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Konjunkturstimulation: Das BIP-Wachstum Chinas hat sich vom ersten auf das zweite Quartal von 4,8% auf 0,4% verlangsamt. Das ist auch kritisch für den Immobilien- und Hypothekenmarkt.
Deshalb hat im einjährigen Zinsbereich die chinesische Zentralbank ihren Leitzins bereits von 3,80 auf 3,70% gesenkt und von Seiten der Regierung in Peking ist ein Konjunkturprogramm im Volumen von 1,1 Billionen Dollar zu erwarten. Es ist ein Mega-Infrastruktur-Programm geplant.

Anleihen

Rückläufige Renditen: Erste Rezessions-Alarmzeichen von wichtigen Einkaufsmanager-Indizes führten vergangene Woche, trotz überraschend starker Leitzinsanhebung der EZB und eines erwarteten 75 Basispunkte-Zinsschritts am Mittwoch, zu rückläufigen Staatsanleihenrenditen auf breiter Front.
Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries gingen von 2,92 auf 2,78% zurück und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen von 1,12 auf 1,03%. Die EZB legt sich auf keine messbaren Größen im weiteren Zinsausblick fest, sondern „fährt auf Sicht“. Das bedeutet, sie agiert von nun an nur noch datenabhängig von Sitzung zu Sitzung. Je mehr die Kontraktion an Profil gewinnt, desto wahrscheinlicher wird es auch, dass die Fed zurückrudert. Mittlerweile rechnen immer mehr Experten damit, dass die Zinsanhebungsphase nicht lange anhalten wird, da eine Rezession den Notenbanken einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein:
Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads bis 14. Juli 2022 auf 5,53 Prozentpunkte aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist. Doch dann folgte eine Gegenbewegung auf 4,99 Prozentpunkte (21.07.22). Offensichtlich sind die Spreads der Konjunktur zu weit vorausgeeilt.

Edelmetalle und Rohstoffe

Fallende Öl- und Weizenpreise:
Schwächere Konjunktur bedeutet weniger Ölverbrauch, während die Verhandlungslösung zur Auslieferung ukrainischen Weizens auf dem Seeweg zu rückläufigen Preisen bei Weizen und Mais führte. Eine Entspannung am Bondmarkt (rückläufige Renditen am langen Ende) stabilisierte den Goldpreis, während bei Palladium eine kräftige Gegenreaktion einsetzte.

Währungen

Gefährliche Dollaraufwertung: Die stärkere Leitzinsanhebung der EZB sorgte nur für kurze Ausschläge am Devisenmarkt. Der US-Dollar hat sich nach einer kurzen Abschwächung zum Euro wieder beruhigt und tendiert nun seitwärts. Zuvor hat er aber massiv aufgewertet. EUR/CHF liegt bereits unter der Parität bei 0,984, während der Yen weiter abschwächte.
Der starke US-Dollar belastet US-Unternehmen mit Europa-Exporten und führt im Euroraum zur Verstärkung inflationärer Tendenzen, weshalb die aktuelle Entwicklung wirtschaftspolitisch unerwünscht ist.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

25.07.2022

USA: Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex

Deutschland: ifo Geschäftsaussichten

26.07.2022

EUR: EU-Gipfel

USA: S&P/Case-Shiller Hauspreisindex

27.07.2022

Japan: Führender Wirtschaftsindex

USA: Auftragseingänge langlebige Wirtschaftsgüter, Nicht militärische Investitionsgüter Aufträge ohne Flugzeuge, Fed Zinssatzentscheidung und FOMC Pressekonferenz

28.07.2022

EUR: Verbrauchervertrauen u. Geschäftsklimaindex

USA: BIP-Daten, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung

29.07.2022

Japan: Inflationsdaten, Industrieproduktion, Arbeitslosenquote, Einzelhandelsumsätze

USA: Arbeitskostenindex, Chicago Einkaufsmanagerindex; Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen, Persönliches Einkommen und Privatausgaben

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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