PC - Weekly 2022 KW 31

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Leitzinsanhebung eingepreist: Im Einklang mit den Märkten für die Fed-Fund-Futures haben auch der Bondmarkt, der Aktienmarkt und die Edelmetallpreise die, am Mittwoch von der Fed verkündete Leitzinsanhebung, offensichtlich eingepreist. Kaum war die Katze aus dem Sack, stiegen Aktienkurse, Bondpreise und auch die Edelmetallpreise kräftig an. Vor allem an der NASDAQ herrschte Erleichterung. Immer mehr Marktteilnehmer gehen davon aus, dass Fed, Bank of England und EZB zur Bekämpfung der hohen Inflationsraten eine milde Rezession in Kauf nehmen. Somit waren die ersten Auswertungen der Einkaufsmanagerindizes, die ab Juli auf den Eintritt einer möglichen Rezession hindeuten, keine Tragödie. Eines der zuverlässigsten Rezessionssignale seit den 70er-Jahren wäre eine inverse Zinskurve zwischen 10jährigen US-Treasuries und 3-Monats-Papieren der US-Regierung. Invers bedeutet, dass die kurzfristigen Zinsen über den längerfristigen Zinssätzen liegen. Mit Riesenschritten nähern wir uns so einem Szenario. Bis 29. Juli schmolz die Rendite-Differenz zwischen 10 Jahren und 3 Monaten auf 0,26 Prozentpunkte und somit den niedrigsten Stand seit Jänner 2020. Damals kündigte dieser Indikator ebenfalls richtig eine Rezession in den USA an. In diesem Zusammenhang ist für viele Verbraucher in Europa die galoppierende Inflation besorgniserregend, die im Euroraum mittlerweile einen neuen Rekordwert von 8,9% erreichte.

Auftragseingänge für langlebige Güter im Juni überraschend gestiegen: Die Durable Good-Orders sind im Vergleich zum Vormonat um 1,9% gestiegen, während Volkswirte im Schnitt von minus 0,4% ausgingen. Vor allem der Transportsektor zeigte Stärke und auch ohne diesen (inkl. Flugzeuge) läge das Monatswachstum bei 0,3%. Auch jenseits der Militärgüter und Flugzeuge gab es 0,5% Zuwachs. Nimmt man die ersten sechs Monate 2022 und vergleicht diese mit dem Vorjahreszeitraum, so steht einem Wachstum der Auslieferungen um 11,7% ein Wachstum des Auftragseingangs um 11,1% gegenüber. Ein mit 16,6 zu 12,3% wesentlich stärkeres Auftragseingangs-wachstum verzeichnete indessen der Transportsektor. Im Rüstungsbereich gab es hingegen im YTD Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 1,7% bei Neuaufträgen.

Das BIP-Wachstum verlangsamte sich vom ersten auf das zweite Quartal 2022 von 3,5 auf 1,6%, wobei Exportwirtschaft, Konsum und private Investitionen noch stützten.
Allerdings war der auf Konsumausgaben basierende Preisindex PCE um 6,8% gestiegen (Vormonat 6,3%). Der PCE wird von der Fed genau verfolgt. Etwas mehr als erwartet legten gegenüber dem Vormonat die Konsumausgaben zu, während die Einkommen privater Haushalte um 0,6% stiegen.

US-Verbraucherstimmung hellt auf: Rückläufige Inflationserwartungen sind erste Lichtblicke. Der Index des Verbrauchervertrauens stieg um 3% auf 51,5 Punkte – nach wie vor nieder, aber es gibt bereits Gegenreaktionen: Der Index zur aktuellen Konjunkturlage stieg im Vormonatsvergleich um 8% auf 31,1 Zähler, lag damit aber noch niedriger als im Juli 2021. Die einjährigen Wirtschaftsaussichten fielen noch auf den niedrigsten Stand seit 2009. Positiv ist, dass die einjährigen Inflationserwartungen von 5,3 auf 5,2 % gesunken sind und die fünfjährigen von 3,1 auf 2,9%.

Verhaltene Wachstumsdynamik der S&P 500 Unternehmen zur Earning Season für das zweiten Quartal gewinnt an Kontur: Per 29. Juli haben 56% der S&P 500 Unternehmen ihre Quartalsergebnisse bekanntgegeben. Zwar verbesserte sich die Quote positiver Gewinnüberraschungen mit weiteren Quartalsberichten auf Wochenbasis von 68 auf 73%. Trotzdem liegt dieser Wert unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 77%. Gleichzeitig werden die positiven Überraschungen immer bescheidener, weshalb der positive Drive von den Gewinnnachrichten nachlassen könnte, denn: Aggregiert man die Gewinnüberraschungen, so liegen diese nur noch 3,1% über den Analysten-erwartungen. Dieser Wert ist sowohl unter dem 1-Jahres-Schnitt von 9,8% als auch unter dem 5-Jahres-Schnitt von 8,8%. Hält dieser Wert von 3,1% über die Earning-Season, so wäre das die niedrigste Gewinnüberraschung seit dem ersten Quartal 2020 (damals 1,1%). Der Energiesektor veröffentlicht mit 10,1% noch die stärksten positiven Gewinnüberraschungen (Gewinne 10,1% über Analystenschätzungen), gefolgt von der Gesundheitsbranche, wo Hologic, Biogen und Abbott Laboratories besonders positiv auffielen. Im Energiesektor überraschten der Ölfeldausrüster Schlumberger, Valero Energy und Chevron positiv. Auch die Versorger zeigen mit 8% Gewinnüberraschungen Stärke. Spitzenreiter waren Southern Company und CMS Energy. Am schlechtesten sieht es hingegen laut FactSet bei den langlebigeren Konsumgütern mit -10,5% aus. Hier enttäuschten V.F. Corporation und Amazon.com. Für das Gesamtjahr werden bei den S&P 500-Firmen noch 8,9% Gewinnwachstum prognostiziert (in der Vorwoche wurden noch 9,8% erwartet). Nach jüngstem Rebound liegt das 12-Monats-Forward-KGV bei 17,1 verglichen mit einem 10-Jahres-Schnitt von 17.

Aktien - Europa

Triste Wirtschaftsstimmung: Stärker als erwartet trübt sich im Juli die Wirtschaftsstimmung im Euroraum ein. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) sank den zweiten Monat in Folge (von 104 auf 99 Punkte) und markierte dabei den niedrigsten Wert seit Februar 2021. Analysten hatten noch 102 Zähler erwartet. Besonders stark ging das Verbrauchervertrauen zurück, das den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1985 erreichte. Offensichtlich zerstört die Inflation mit der Kaufkraft auch das Verbrauchervertrauen.

Noch immer solide Zahlen und positive Überraschungen: Europa befindet sich mitten in der Ukraine-Krise, die sich immer mehr auch auf die Ergebnisse der Firmen des STOXX 600 durchschlägt. Trotzdem halten sich die Gewinne noch relativ stabil: 98 STOXX 600 Firmen veröffentlichten bereits Gewinne des 2. Quartals. Davon konnten 57,1% die Analystenprognosen übertreffen vgl. mit 53% im langjährigen Schnitt. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 16,2%. Allerdings steht voraussichtlich eine gute Gewinnverdopplung (+111%) im Energiesektor einem Gewinnrückgang von 9,2% im Finanzsektor gegenüber. Auch die Wachstumsdynamik im Technologiesektor und der Immobilienbranche könnte nachlassen. Letztere könnte durch steigende Zinsen gebremst werden.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Stützt die anhaltende expansive Geldpolitik der BoJ die Konjunktur in Japan? Anhaltend unbegrenzte Wertpapierkäufe und eine Renditeobergrenze von 0,25% bei zehnjährigen Staatsanleihen – im Gegensatz zur übrigen Welt geldpolitisch paradiesische Zustände. Doch wie dynamisch wächst Japans Wirtschaft?
Im ersten Quartal lag das BIP-Wachstums Japans lediglich bei 0,4%. Hingegen lag die Steigerung der Industrieproduktion im Juni auf Monatsbasis mit 8,9% über den Erwartungen (4,2%). Die Auto- und Maschinenexporte laufen wieder an. Das Ende der Lockdowns beflügelt. Neben der Binnenwirtschaft ist der Export ein weiterer wichtiger Konjunkturfaktor. Die Geldpolitik hat allerdings über einen schwächeren Yen positive Auswirkungen auf die Exportwirtschaft.

Anleihen

Rückläufige Renditen: Erste Rezessions-Alarmzeichen von wichtigen Einkaufsmanager-Indizes führten bereits vor zwei Wochen zu rückläufigen Staatsanleihenrenditen - eine Entwicklung, die sich auch in der vergangenen Woche weiter fortsetzte.
Seit dem 30. Juni sind die mittelfristigen Leitzinserwartungen, die von den Fed Fund Futures eingepreist werden, rückläufig. Beispiel: Fed-Entscheidung am 1. Februar 2023: Noch vor einem Monat lag bis dahin die Wahrscheinlichkeit von Leitzinsen in Größenordnung von 3,50 bis 3,75% und höher bei 43,6%. Bis 29. Juli ist die eingepreiste Wahrscheinlichkeit auf 24,1% gesunken. Entsprechend reagierten auch die Kurse zehnjähriger US-Treasuries, deren Renditen auf Wochenbasis von 2,78 auf 2,65% zurückgingen. Die Renditen laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen fielen sogar von 1,03 auf 0,81%. Selbst Staatsanleihen schlechterer Bonitäten zeigten zuletzt Stärke: Auf Monatssicht gingen beispielsweise die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen um 51 Basispunkte auf 1,91% zurück! Der Hintergrund: Die EZB legt sich auf keine messbaren Größen im weiteren Zinsausblick fest, sondern „fährt auf Sicht“. Das bedeutet, sie agiert von nun an nur noch datenabhängig von Sitzung zu Sitzung. Je mehr die Kontraktion an Profil gewinnt, desto wahrscheinlicher wird es auch, dass die Fed zurückrudert. Mittlerweile rechnen immer mehr Experten damit, dass die Zinsanhebungsphase nicht lange anhalten wird, da eine mittlere bis schwere Rezession den Notenbanken einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Eine milde Rezession scheinen Fed und EZB hingegen in Kauf zu nehmen – so eine weit verbreitete Einschätzung.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein:
Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads bis 14. Juli 2022 auf 5,53 Prozentpunkte aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist. Doch dann folgte eine Gegenbewegung auf 4,98 Prozentpunkte (28.07.22). Offensichtlich sind die Spreads der Konjunktur zu weit vorausgeeilt.

Edelmetalle und Rohstoffe

Rebound von Weizen und Edelmetallen:
Der Weizenpreis verzeichnet nach dem Einbruch im Zuge des Exportabkommens wieder einen kräftigen Rebound, zumal die Dürre voraussichtlich zu einer im Vorjahrsvergleich kleineren weltweiten Weizenernte führt. Indessen profitierten die Edelmetalle von sinkenden Anleihenrenditen. Der Silberpreis stieg sogar um rund 9% an. Gold zeigte sich ebenfalls von der festeren Seite.

Währungen

Euroschwäche auf breiter Front:
Die Leitzinsanhebung der Fed war in EUR/USD eingepreist. Das Währungspaar blieb zwar unverändert, doch Rohstoffwährungen wie Kanadischer Dollar und Australischer Dollar, aber auch die Krisenwährung Schweizer Franken werteten weiter zum Euro auf. Mittlerweile notiert das Währungspaar EUR/CHF unter der Parität bei 0,9729. Auch das Britische Pfund zeigte Stärke zum Euro, genauso wie der Japanische Yen. Der Russische Rubel schwächte sich zum Euro wieder ab. Die Sanktionen schaden auch Russland. Indessen versinkt die Türkei im Inflationschaos und die Türkische Lira setzt ihre Talfahrt zum Euro weiter fort.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

07.08.2022

China: Caixin PMI Produktion

EUR: S&P Global Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe, Arbeitslosenquote

USA: ISM verarbeitendes Gewerbe

02.08.2022

USA: Gesamte Fahrzeugverkäufe

03.08.2022

USA: S&P Global PMI Gesamtindex, Werkaufträge, ADP Beschäftigungsänderung; ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe

EUR: Einzelhandelsumsätze, S&P Global PMI Gesamtindex; Erzeugerpreise

04.08.2022

UK: Bank of England Zinssatzentscheidung

USA: Handelsbilanz, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung

05.08.2022

Japan: Gesamte Haushaltsausgaben

USA: Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, AL-Quote, Erwerbsbeteiligungsquote; Durchschnittliche Stundenlöhne und Wochenarbeitszeit

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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