PC - Weekly 2022 KW 38

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Gewinnenttäuschungen, Zinssorgen, Renditeanstiege und Kursverluste:  Diese Schlagwörter bringen das Geschehen der vergangenen Woche auf den Punkt. Immer mehr zeichnet sich sowohl in Europa als auch in den USA eine radikale Inflationsbekämpfung der Notenbanken ab, die eventuell sogar für ihr Stabilitätsziel einer Inflationsrate von 2% eine mittelschwere Rezession in Kauf nehmen würden. Die Inflationsrate war zwar von Juli auf August von 8,5 auf 8,3% weiter rückläufig. Der vorläufige Peak liegt bei 9,1% im Juni. Das sieht zwar auf den ersten Blick nicht schlecht aus, war aber nur die Gesamtinflation. Betrachtet man aber einzelne wichtige Produktgruppen dann sieht es anders aus:
Schließlich fiel beispielsweise der Benzinpreis 13 Wochen in Folge von über 5 USD/Gallone auf 3,71 USD. Der Nahrungsmittelpreisindex stieg hingegen um 11,4%, was der stärkste Anstieg seit Ende Mai 1979 war. Die viel beachtete Kerninflation, also Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel beschleunigte sich von Juli auf August von 6,1 auf 6,3%. Dies befeuerte Spekulationen dass die Fed kommenden Mittwoch ihren wichtigsten Leitzins um vielleicht sogar einen Prozentpunkt anhebt. Entsprechend gerieten die Kurse von US-Staatsanleihen unter Druck, was sich auch negativ auf Aktienkurse und Edelmetallpreise auswirkte. Vor allem Technologieaktien stürzten, da sie Wachstumswerte sind und hohe zukünftig erwartete Gewinne nun mit höheren Zinsen abgezinst werden müssen, wodurch der Fair Value sinkt. Zum Wochenausklang vermieste noch eine Gewinnwarnung bei FedEx die Stimmung. Die Aktie verlor 21,4 %.

Inflationsängste gedämpft:
Eine aktuelle Verbraucherbefragung der Universität Michigan zeigt, dass von August auf September die einjährigen Inflationserwartungen von 4,8 auf 4,6% zurückgingen. Das war der niedrigste Stand seit September 2021. Der Fünfjahres-Inflations-Ausblick fiel sogar erstmals seit Juli 2021 unter die Range von 2,9 bis 3,1% auf 2,8%. Das wirkt Ängsten vor einem Ein-Prozent-Leitzinsschritt der Fed entgegen. Die gesamte Verbraucherstimmung hat sich im September leicht verbessert.

Noch zu starker US-Arbeitsmarkt: Es herrscht keine klassische Rezession mit Nachfrageausfällen. Es gibt Engpässe unter anderem auch durch Personalmangel. Das zeigt sich auch in rückläufigen Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung und birgt Lohninflationspotenzial in sich: Die Daten für Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung wurden zuletzt nach unten revidiert und sanken in der am 10. September endenden Woche um weitere 5000 auf 213.000. Volkswirte rechneten mit 226.000.

Negatives Konjunktursignale durch schlechte Quartalszahlen bei FedEx: Das Logistik-Unternehmen ist mit seinen Paketdiensten weltweit aktiv und deshalb ein Indikator für die Welthandelsaktivitäten. Am 16. September 2022 veröffentlichte FedEx die Zahlen für das am 31. August 2022 abgelaufene Geschäftsquartal: Der Umsatz stieg zwar von 22 auf 23,2 Mrd. USD, lag aber unter den Analystenerwartungen von 23,61 Mrd. USD. Der Betriebsgewinn sank im Jahresverglich um ca. 15% auf 1,19 Mrd. USD. Das Ergebnis je Aktie brach indessen von 4,37 auf 3,44 USD ein, während die Analystenschätzungen von 5,14 USD ausgingen. Dabei stützten Preisaufschläge auf Treibstoff noch das Ergebnis. Vor allem enttäuschte die Entwicklung im asiatischen Raum. Ein Lieferboom nach der Wiedereröffnung Chinas nach Corona blieb aus. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr hat FedEx nun gestrichen, worauf die US-Investmentbank JP Morgan die FedEx-Aktie von „Overweight“ auf „Neutral“ herabstufte und das Kursziel von 258 auf 214 USD senkte. Reederei-Aktien und auch andere Logistiker standen am Freitag unter Druck. Die Frachtraten im Seehandel von Asien nach Nordeuropa bzw. zur Westküste Nordamerikas sind seit Jahresbeginn von jeweils mehr als 14.000 Dollar pro Container auf etwa 4.000 bzw. 8000 Dollar gefallen. Krass rückläufig entwickelten sich seit Mai die am Baltic Dry-Index gemessenen Frachtraten für Trockenfrachten: Der Index war vom 2022er-Hoch bei 3.369 bis 16. September auf 1553 Punkte rückläufig und hat auf Jahressicht bereits 63,7% eingebüßt.

Aktien - Europa

Euro-Schwäche und hohe Inflation verschlechtern Handelsbilanz im Euroraum: In den ersten 7 Monaten 2022 stiegen im Vorjahresvergleich die Warenausfuhren des Euroraums in die restliche Welt (Extra-Ausfuhren) um 17,9% auf 1.628 Mrd. EUR, was oberflächlich betrachtet auf den ersten Blick erfreulich erscheint. Doch der China-Export stagniert, während das Russland-Geschäft immer mehr wegbricht. Auf der anderen Seite explodieren die Energiepreise und Importvolumina von Energie und Rohstoffen. Hinzukommt noch die Dollarstärke. Die Folge: Das Extra-Einfuhrvolumen stieg im Betrachtungszeitraum im Vorjahresvergleich um 43,4% auf 1805,9 Mrd. EUR, wodurch sich der Extra-ER-Handelsbilanzsaldo von einem Überschuss von 121,3 Mrd. EUR in ein Defizit von 177,4 Mrd. EUR verwandelte.

MSCI Europe – Bewertungsabschlag gerechtfertigt: Europa würde mit einer Einstellung russischer Erdgaslieferungen ein „Wirtschaftszusammenbruch“ drohen. Entsprechend sind die Risikoprämien noch nicht vollständig in den Aktienkursen eingepreist. Im 429 Werte enthaltenden MSCI Europe steht per 31.08.2022 ein KGV von 14,02 einem Wert von 17,09 im MSCI ACWI gegenüber. Etwas besser sieht die Relation der Forward-KGVs aus: 11,36 im MSCI Europe zu 14,56 im MSCI ACWI. Die Dividendenrendite liegt in Europa bei 3,36% vgl. mit 2,26% im MSCI ACWI. Fazit: Ein noch etwas größerer Bewertungsabschlag wäre für Europa derzeit gerechtfertigt, zumal ein hoher US-Dollar noch die Margen der Exportunternehmen stützt. Doch sollte im Verlauf einer Rezession auch noch der US-Dollar beginnen abzuschwächen, dann würde dies wesentlich niedrigere Gewinne im MSCI Europe bedeuten.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Lichtblicke aus China: Im August entwickelten sich Einzelhandel und Industrie besser als erwartet, was teilweise auf staatliche Hilfen wie Subventionen für den Kauf von E-Autos oder Sondereffekte wie die Hitzewelle im August zurückzuführen ist, die vor allem die Stromproduktion nach oben trieb. In Zahlen: Die Einzelhandelsumsätze stiegen im August im Vorjahresvergleich um 5,4% verglichen mit 2,7% im Juli. Die Industrieproduktion konnte im August um 4,2% gesteigert werden, vgl. mit 3,8% im Juli. Allerdings ist ein von der Regierung in Peking geplantes BIP-Wachstum von 5,5% im laufenden Jahr kaum noch denkbar. Vom ersten auf das zweite Quartal war das BIP-Wachstum von 4,8 auf 0,4% rückläufig.

Anleihen

Erneute Renditeanstiege bei Staatsanleihen: Die höhere Kerninflation in Kombination mit explodierenden Nahrungsmittelpreisen und einem leergefegten Arbeitsmarkt (Gefahr der Lohn-Preis-Spirale) verunsicherten die Bondanleger erneut. Für kommenden Mittwoch preisen die Futures-Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung der Fed um einen Prozentpunkt zu 20% ein. Eine 80% Wahrscheinlichkeit gilt für einen 0,75 PP-Schritt auf 3,00 bis 3,25%. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries sind bereits im Vorfeld der Fed Sitzung binnen drei Wochen von 3,04 auf 3,45% gestiegen, und jene laufzeitkongruenter deutscher Bundesanleihen von 1,38 auf 1,75 %. Schließlich hat die EZB am 8. September ihre drei Leitzinssätze um jeweils weitere 0,75 Prozentpunkte angehoben, weshalb der Hauptrefinanzierungssatz noch bereits bei 1,25 % liegt. Gleichzeitig stiegen die Inflationserwartungen der EZB. Eine Annäherung an das Inflationsziel von 2% ist erst für 2024 zu erwarten. Bis Jahresende erscheinen weitere EZB-Leitzinsanhebungen im Hauptrefinanzierungssatz auf 2% realistisch. Danach hängt die weitere Entwicklung vom erneuten Inflations- und Konjunkturverlauf ab. Eine tiefere Rezession könnte über eine Drosselung der Nachfrage erneute (Rohstoff)Preisrückgänge bewirken. Generell für begrenztes Leitzinspotenzial nach oben (ev. nur bis 3%) spricht die hohe Staatsverschuldung diverser Euroländer. Beispielsweise liegt die Staatsschuldenquote Italiens bereits bei über 152% des BIP und die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen hat bereits jetzt die Marke von 4% überschritten.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads bis 5. Juli 2022 auf fast 6 Prozentpunkte aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist. Doch dann folgte eine Gegenbewegung auf 4,21 Prozentpunkte (11. August) die mit einem volatilen Anstieg auf 4,77 Prozentpunkte (15.09.22) bereits beendet sein könnte, denn: Default Rates um die 1% sind im US-HY-Spektrum auf längere Sicht nicht haltbar. Rezessionsphasen erfordern deshalb höhere Spreads! Aus der Vogelperspektive betrachtet prägt sich im mehrjährigen HY-Spread-Chart eine runde Drehung bzw. „Cup with a handle“ aus. Ein Überschreiten eines Levels von 6 Prozentpunkten könnte der Auslöser eines HY-Bond-Crashs sein. Deshalb sind risikante Unternehmensanleihen derzeit mit Vorsicht zu genießen.      

Edelmetalle und Rohstoffe

Edelmetalle und Industriemetalle weiter unter Druck: Während steigende Dollarzinsen und ein fester Dollar vor allem Gold und Silber belasten, sind es Konjunktursorgen, vor allem im Zusammenhang mit der Rohstoffnachfrage aus China, die Industriemetalle unter Druck setzen. Hinzukommen die enttäuschenden Quartalszahlen von Fedex und rückläufige Seefrachtraten. Charttechnisch kritisch sieht es bei Gold aus, dessen Preis unter die Unterstützung von 1680 USD fiel.

Währungen

Schwäche von Pfund und Commonwealth-Währungen: Das Britische Pfund zeigt Schwäche gegenüber dem Euro, da weitere kräftige Leitzinserhöhungen der EZB zu erwarten sind. Aber es gibt auch reichlich fundamentale Gründe: Das Leistungsbilanzdefizit lag bei besorgniserregenden 8,3% des BIP im ersten Quartal und die Rezessionssignale mehren sich. Gegenüber dem US-Dollar fiel das Pfund sogar auf den tiefsten Stand seit 37 Jahren. Wegen fallender Rohstoffpreise zeigen auch der Australische Dollar und der Kanadische Dollar Schwäche zum Euro. Ein weiterer Punkt ist, nach dem Tod von Queen Elizabeth II, die generelle Zukunft des Commonwealth. Wenig Bewegung hingegen zeigte der Euro zu Yen, US-Dollar und Schweizer Franken.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

19.09.2022

USA: NAHB Immobilienmarktindex

20.09.2022

Japan: Inflationsdaten

China: Zinssatzentscheidung PBoC

USA: Baugenehmigungen u. Baubeginne

21.09.2022

USA: Verkäufe bestehender Häuser; Fed Zinssatzentscheidung u. FOMC Wirtschaftsprojektion; Fed-Pressekonferenz

22.09.2022

Japan: BoJ Zinsentscheid. und Geldpolitik Statement

Schweiz: SNB Zinssatzentscheidung u. Lagebeurteilung

UK: BoE Zinssatzentscheidung u. Sitzungsprotokoll;

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Leistungsbilanz

EUR: Verbrauchervertrauen

23.09.2022

EUR: S&P Global PMI Gesamtindex (Produktion u. DL)

USA: S&P Global Gesamtindex (DL u. Herstellung)

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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