PC - Weekly 2022 KW 6

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Starker Arbeitsmarkt spricht für baldige Leitzinsanhebung der Fed: Während die Kurseinbrüche bei Netflix und der Facebook-Muttergesellschaft Meta Platforms mehr auf individuelle Probleme zurückzuführen waren, zeigt sich auf breiter Front ein starkes Wirtschaftswachstum, und damit einhergehend wird der Arbeitsmarkt durch massiven Stellenaufbau wieder leergefegt, was Lohninflation bedeutet. Im vierten Quartal 2021 lag das BIP-Wachstum annualisiert bei 6,9% vs. der von Volkswirten erwarteten 5,5%. Im Gesamtjahr 2021 wuchs das US-BIP um annualisierte 5,7% - das ist der höchste Wert seit 1984. In den Monaten Dezember 2021 und Jänner 2022 sind außerhalb der Landwirtschaft knapp eine Million Stellen geschaffen worden, und die Stundenlöhne ziehen bereits an. Bleibt es bei diesen Tendenzen, dann winkt in der Fed-Sitzung vom 16. März 2022 eine Leitzinserhöhung, die der Futuresmarkt bereits vollständig einpreist. Nun ist die Schrumpfung der Bilanzsumme der Fed das Thema, während sich in Europa nach Vorliegen neuer Wirtschaftsprognosedaten in der EZB bereits ab 10. März (EZB-Ratssitzung) eine restriktive Geldpolitik durchsetzen könnte. Zusätzlich inflationstreibend über höhere Weizen- und Ölpreise wirkt der Ukraine-Konflikt, in dem ein russischer Einmarsch in die Ukraine nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Die aus diesen Spannungen resultierenden steigenden Öl- und Weizenpreise bergen vor allem in diversen Schwellenländern (z.B. Ägypten oder Kasachstan) politischen Sprengstoff.

US-Arbeitsmarkt zu stark: In den Monaten Dezember 2021 und Jänner 2022 entstanden außerhalb der Landwirtschaft jeweils 510.000 bzw. 467.000 Stellen. Trotz Omikron stieg die Arbeitslosenquote von Dezember auf Jänner lediglich von 3,9 auf 4,0%. Die Zahl der Arbeitslosen stieg lediglich von 6,319 auf 6,513 Millionen, wobei der Zuwachs sich in etwa mit der Steigerung der Anzahl der "Job-Leavers" (Personen, die ihren Job quittieren) deckt. Die Anzahl der "Job-Quittierer" stieg auf Jahressicht von 653.000 auf 952000 (Jänner 2022). Immer weniger Amerikaner wollen arbeiten, während die Arbeitslosenquote bei den erfahrenen Arbeitskräften (Indikator Alter von mindestens 25 Jahren) nur noch bei 3,4% liegt. Die Jahres-Steigerung der US-Stundenlöhne beschleunigte sich somit von Dezember auf Jänner von 4,7% auf 5,7% (erwartet: 5,2%).

Omikron Variante drückt Stimmung im Dienstleistungssektor: Infolge des erneuten Aufkeimens der Pandemie war der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) den zweiten Monat in Folge rückläufig.  Der Rückgang um 2,4 BP auf 59,9 Zähler ist gleichzeitig auch ein Rückfall auf das niedrigste Niveau seit Februar 2021. Noch im November hatte der Indikator den höchsten Stand seit Erhebung der Daten im Jahr 1997 erreicht. Hingegen nur eine leichte Abkühlung auf hohem Niveau erfuhr das verarbeitende Gewerbe, wobei die Auftragseingänge etwas stärker rückläufig waren.

Nachlassende Gewinnwachstumsdynamik im S&P: Bis zum 4. Februar 2022 kristallisierte sich heraus, dass sich im ersten Monat des ersten Quartals 2022 die Analystenprognosen für das laufende Quartal erstmals seit dem zweiten Quartal 2020 rückläufig entwickelten. Sie gingen um 0,7% zurück. Der Wert liegt aber noch unter dem 10-Jahres-Schnitt von minus 1,9% im ersten Monat eines Quartals. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Earning Season, so haben bereits 56% der S&P 500 Unternehmen ihre Daten für das vierte Quartal 2021 bekanntgegeben. Bei 76% lagen dabei die Gewinne über den Analystenschätzungen, was exakt dem 5-Jahresschnitt entspricht – so die Daten von FactSet. Allerdings lag die aggregierte Größenordnung der positiven Überraschungseffekte bereits mit 8,2% unter dem 5-Jahres-Schnitt von 8,6%. Trotzdem sollte das Gewinnwachstum der S&P 500 Unternehmen im vierten Quartal mit 29,2% ein viertes Quartal in Folge über 25% liegen (aktuelle Zahlen u. Schätzungen). Zuletzt gab es das in der Erholung von der Finanzkrise vom vierten Quartal 2009 bis zum dritten Quartal 2010. Allerdings kann es heuer zu einer deutlichen Abkühlung des Gewinnwachstums kommen. Bei 8% Umsatzwachstum sollen die Unternehmensgewinne im S&P 500 nur noch um 8,6% wachsen, weshalb ein 12-Monats-Forward-KGV von 19,7 (10Jahres-Schnitt: 16,7) bereits etwas ambitioniert erscheint. Gefahrenpotenziale liegen in der Pandemie und einer denkbaren Preis-Kosten-Schere.

Aktien - Europa

Europäische Aktien mit Value Bonus: Nimmt man den aus 1490 Large, Mid, und Smallcaps bestehenden MSCI Europe IMI Index, so ist dieser gegenüber dem MSCI World IMI erheblich günstiger bewertet. Vor allem im Industriebereich und im Energiesektor sind noch kräftige Gewinnschübe möglich. Während einem aktuellen KGV von 18 (per 31.01.22) im MSCI Europe IMI eines von 21,9 im MSCI World IMI gegenübersteht, liegt das 12-Monats-Forward-KGV im MSCI Europa IMI nur noch bei 14,8 vs. 18,1 im MSCI World IMI. In Europa steht eine Dividendenrendite von 2,47% einer von 1,75% im MSCI World IMI gegenüber. Allerdings ist Europa noch stärker als die USA von der sogenannten „Old-Economy“ geprägt. Vor allem Banken, Versicherungen und Telekom-Unternehmen, aber auch herkömmliche Industriegiganten spielen in Europa als Indexschwergewichte eine wichtige Rolle.

Starkes viertes Earning-Quartal 2021: Während sich in den USA bereits eine starke Abkühlung der Quartalsgewinnzuwächse bemerkbar macht, herrscht in Europa noch eine starke Aufwärtsdynamik, denn: Bis 1. Februar veröffentlichten 46 STOXX 600 Firmen Gewinne für das vierte Quartal von denen 67,4% die Analystenprodukten übertrafen. In einem gewöhnlichen Quartal liegt diese Quote nur bei 52%. Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im vierten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 55% (ohne Energiesektor: 38,7%) wachsen. Im Gesamtjahr 2021 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 71,4% (vgl. vor 2 Wochen: Da waren es noch 66,7%).

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Konjunktur auf Sparflamme: Obwohl Chinas BIP-Wachstum über das Gesamtjahr 2021 bei 8,1% lag, schwächte es sich vom dritten auf das vierte Quartal 2021 von 4,9 auf 4,0% ab. Doch ein relativ starker Inlandskonsum stützt, vor allem im laufenden Jahr – so die Prognosen des „Center for Forecasting Science (CEFS)“ der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Der Inlandskonsum 2022 sollte mit einer nominalen Wachstumsrate von 5,4 bis 7% weiterhin wachsen, und die Exporte sollten immerhin um fast 7% zulegen. Im Gesamtjahr 2022 sollte laut CEFS die chinesische Wirtschaft um 5,5% wachsen, wobei 5,2% Plus im ersten, 5,5% im zweiten 5,6% im dritten und 5,7% im vierten Quartal zu erwarten sind. Risikofaktor bleiben Inflation und Pandemie.

Anleihen

Inflation diktiert Notenbanken Gesetz des Handelns: Im Euroraum stieg im Jänner die Inflationsrate auf einen erneuten Rekordwert von 5,1%, während sich in den USA immer mehr die Lohn-Preis-Spirale in Gang setzt. Der von der Universität Michigan entwickelte Maßstab zur Messung von Inflationserwartungen zeigt, dass die Fünf-Jahres-Inflationserwartung im Jänner mit 3,1% den höchsten Stand seit 2009 erreichte. Noch im März 2020 lag der Wert bei 2,3%. Die EZB muss in ihrer nächsten Sitzung am 10. März voraussichtlich von höheren Inflationsraten ausgehen, was eine aktuelle Expertenbefragung andeutet: So befragt die EZB viermal im Jahr Volkswirte zu deren Wachstums- und Inflationsprognosen für die Eurozone und die jüngsten Inflationseinschätzungen sind kritisch:

Für das Jahr 2022 wird ein Anstieg der Verbraucherpreise um 3,0% erwartet, verglichen mit erwarteten 1,9% in der Herbstumfrage 2021. Für 2023 wurde die Prognose von 1,7 auf 1,8% nach oben revidiert und 2024 sollte bereits wieder ein Rückgang auf 1,9% folgen. Zwar beließ die EZB in ihrer Entscheidung vom 3. Februar noch alles beim Alten, doch kündigte sie einer Überprüfung der aktuellen Geldpolitik auf Basis einer aktuellen Datenlage im März an. In den USA stellen sich die Märkte bereits auf eine erste Leitzinsanhebung ein, die mittlerweile auch im Euroraum etwas näher rückt. Zumindest zeigt dies der relativ starke Anstieg der Zwei- und Dreijahres-EUR-Swapsätze. In den USA liegt die Frage bezüglich der Leitzinsanhebung ob 0,25 Prozentpunkte ausreichend sein werden, denn die Fed-Fund-Futures reflektieren die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um 0,50 Prozentpunkte bereits mit rund 37%. Diese Entwicklungen und starke Arbeitsmarktdaten in den USA führten dazu, dass die Renditen zehnjähriger US-Treasuries binnen 14 Tagen um 17 Basispunkte auf 1,91% stiegen. Im gleichen Zeitraum haben sich lauzeitkongruente deutsche Bundesanleihen bereits um 28 Basispunkte auf 0,20% verteuert. Quer durch die Eurozone schnellen die Staatsanleihenrenditen nach oben.

HY-Corporate Bonds - Das Ende der Fahnenstange?: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind infolge steigender Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken, das nur noch globale Ausfallsraten von weniger als 2% einpreist. Doch konjunkturelle Risiken steigen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündit - schlichtweg zu niedrig! Bis 3. Februar 2022 folgte ein rascher Anstieg auf 3,51 Prozentpunkte. Weitere Schübe nach oben sind zu erwarten.

Edelmetalle und Rohstoffe

Im Bann der Ukraine-Krise: Durch die Ukraine gehen wichtige Erdgaspipelines und die Ukraine ist ein bedeutender Weizenproduzent.  Ängste vor einer Kappung der Versorgung trieben zuletzt vor allem den Ölpreis nach oben. Zuvor waren auch die Weizenpreise im Aufwind. Trotz Renditeanstiegen verhielten sich Gold und Silber stabil. Die beiden Edelmetalle zeigen bereits Inflations- und Krisenschutzeigenschaften.

Währungen

Der Euro schlägt zurück: Restriktivere Signale aus der EZB und steigende Wahrscheinlichkeiten früher als ursprünglich erwarteter Leitzinsanhebungen im Euroraum ließen den Euro vergangene Woche gegenüber den wichtigsten Währungen deutlich aufwerten, und zwar um 2,7% gegenüber US-Dollar und Yen, und sogar um 2,1% gegenüber dem Schweizer Franken. Trotz Leitzinsanhebung der Bank of England um 25 BP auf 0,50% wertete der Euro zum Pfund um 1,7% auf. Erneut um 3% lag die Aufwertung des Euro zur Türkischen Lira, zumal die Inflationsrate der Türkei bereits 49% (höchster Wert seit April 2002) erreicht hat und dort selbst eine Hyperinflation nicht mehr ausgeschlossen ist.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

07.02.2022

China: Caixin China PMI Dienstleistungen

08.02.2022

Japan: Werkzeugmaschinenbestellungen

Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex

USA: Handelsbilanz, API wöchentliche Rohöllagerbestand

09.02.2022

USA: 10-Jahres-Note Auktion

10.02.2022

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; Inflationsdaten;

11.02.2022

UK: BIP

EUR: Verbrauchervertrauen u. Geschäftsklimaindex

USA: Fed Bericht zur Geldpolitik; Reuters/Universität Michigan Verbrauchervertrauen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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