Weekly 2022 KW 27

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Zinsängste behalten Oberhand: Führten Anfang der Woche noch besser als erwartete Auftragseingänge für die Produktion von langlebigen Gütern zu Optimismus, so wendete sich das Blatt im Wochenverlauf: Auf dem Forum der Europäischen Zentralbank warnten Bank of England und EZB vor einer länger anhaltenden Inflationsperiode. Tags zuvor schlug US-Notenbank-Chef, Jerome Powell in die gleiche Kerbe. Damit kochten einmal mehr Befürchtungen hoch, dass aggressive geldpolitische Eingriffe der Notenbanken als Antwort auf die Geldentwertung die Wirtschaft ausbremsen und in die Rezession schicken könnten. Das habe die Debatte angeheizt, "dass fortdauernde Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation am Ende in eine Rezession münden", schrieb Marktstratege Jim Reid von der Deutschen Bank. In diesem Zusammenhang kam eine Schnellschätzung der Inflationsrate im Euroraum, die von Mai auf Juni einen Anstieg von 8,1 auf 8,6% bescheinigt, äußerst ungelegen. Gleichzeitig zeigen sich auch schwarze Wolken am Konjunkturhimmel. Die Inflation verunsicherte die Verbraucher, die in den USA den privaten Konsum stärker als erwartet zurückhielten. Dadurch gerieten vor allem Autoaktien unter Druck. Gleichzeitig droht der Ukraine-Krieg außer Kontrolle zu geraten. Russische Truppen haben die südöstliche ukrainische Stadt Lyssytschansk eingenommen. Gleichzeitig wirft Belarus Machtinhaber Alexander Lukaschenko der Ukraine Raketenangriffe auf militärische Ziele in seinem Land vor. Gleichzeitig droht er der NATO im Falle eines Angriffs westliche Hauptstädte ins Visier zu nehmen.

Auftragseingänge für langlebige Güter überraschend stark: Im Mai lag das Monat-zu-Monats-Wachstum der Auftragseingänge für langlebige Güter mit 0,7% weit über den Prognosen der Volkswirte. Die Auslieferungen wuchsen erneut um 0,8%. Nimmt man den bisherigen Verlauf im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum so stand ein Wachstum der Auslieferungen von 11,4% einem Auftragswachstum von 10,9% gegenüber – eine moderate Verlangsamung. Hingegen auf Wachstumskurs befindet sich Transportausrüstung: Auftragseingänge 2022 YTD +15,7% vs. Auslieferungen von +11,3%. Indessen brachen im zyklisch schwankenden Rüstungsbereich die Aufträge um 8,5% ein, während sich bei Metallprodukten das Wachstum verlangsamt.

Conference Board Verbrauchervertrauen bricht ein: Die Inflation verunsichert Konsumenten, weshalb die Zukunftserwartungen so niedrig wie seit 2013 nicht mehr sind. Das gesamte US-Verbrauchervertrauen ist mit 98,7 wesentlich schwächer ausgefallen als erwartet – das ist der tiefste Stand seit Februar 2021.

Verarbeitendes Gewerbe verliert an Wachstumsdynamik: Im Juni brach der vom Institute for Supply Management (ISM) veröffentlichte Einkaufsmanager-Index für den Produktionsbereich in den USA gegenüber Mai von 56,1 auf 53 Punkte, was der niedrigste Stand seit Juni 2020 ist (damals 52,4 Punkte). Unternehmen berichten über hohe Einkaufspreise und Rückgänge bei den Auftragseingängen. Der Subindex für Auftragseingänge verlor 5,9 Punkte und markierte mit 49,3 Punkten (Kontraktionsbereich beginnt bei 50 Punkte) bereits den schrumpfenden Bereich.

Ernüchternde Ertragsperspektiven bei S&P 500 Unternehmen im zweiten Quartal: Bereits jetzt sind die Erwartungen der Anleger nach unten geschraubt. Trotzdem zeigten die Bottom-up-Prognosen für die aggregierten Q2-Unternehmensgewinne/Aktie im S&P 500 vom 31. März bis 30. Juni um 1,1% von 56,06 auf 55,44 USD nach unten. Das ist allerdings noch ein wesentlich besserer Wert als die Durchschnitts-Gewinnrevision über ein Quartal von 3,3% in den vergangenen 10 Jahren. 7 von 11 Branchen zeigten eine negative Gewinnrevision, insbesondere langlebige Konsumgüter (-19,3%) und Kommunikationsdienstleistungen (-8,1%). Auf der anderen Seite zeigten vier Branchen eine positive Earning-Revision, insbesondere Energie (+38,6%) und Grundstoffe (+8,6%). Bis 30. Juni haben bereits 238  Firmen eine Gewinnvorschau für 2022 geliefert. 132 Firmen des S&P 500 meldeten negative Gewinnerwartungen und 106 positive, was einer Quote von 55,5% Negativausblicken entspricht. Im 10-Jahres-Schnitt meldeten 117 Firmen negative Ausblicke. Doch die aktuelle Zahl von 132 liegt noch unter dem Peak (10 Jahre) im Jahr 2014. Damals waren es 142 Firmen. Für das Gesamtjahr erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum der S&P 500 Unternehmen von 10,2% (vor 9 Wochen noch 10,9%) und infolge jüngster Rückschläge liegt das 12-Monats-Forward-KGV im S&P 500 mit 15,8 bereits unter dem 5-Jahres-Schnitt von 18,6 und sogar unter dem 10-Jahresschnitt von 16,9. Die Enttäuschungen haben – wie bereits erwartet – mit Lieferkettenunterbrechungen und historisch hoher Teuerung im Laufe der Earning Season weiter zugenommen. Mittelfristig ist mit einer Abwärtsrevision der Gewinnwachstumsprognosen zu rechnen. Das bedeutet eventuell für die kommende Earning Season eine Reihe von Gewinnwarnungen. Somit ist der Aktienmarkt noch nicht günstig, vielmehr droht eine „Bewertungsfalle“.

Aktien - Europa

Geschäftsklima im Euroraum eingetrübt: Das von der EU-Kommission veröffentlichte Barometer für das Geschäftsklima fiel um 1,0 auf 104 Punkte. Im Mai hatte sich der Indikator nach zwei deutlichen Rückgängen stabilisiert und war leicht gestiegen.  Im Juni zeigten alle wichtigen Bereiche der Wirtschaft tendenziell abwärts. Vor allem die Baubranche stellt sich auf schlechte Zeiten ein. Der Ausblick der privaten Haushalte auf ihre künftige finanzielle Situation erreichte sogar ein Rekordtief, weshalb eine rückläufige Bereitschaft für größere Anschaffungen nicht weiter verwunderlich ist.

Starkes Gewinnwachstum im ersten Quartal 2022: Während sich in den USA bereits eine Abkühlung der Quartalsgewinnzuwächse bemerkbar macht, herrscht in Europa noch eine starke Aufwärtsdynamik, denn: Bis 28. Juni veröffentlichten 275 STOXX 600 Firmen Gewinne für das erste Quartal von denen 66,5% die Analystenprognosen übertrafen. In einem gewöhnlichen Quartal liegt diese Quote nur bei 52%. Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 42,1% (ohne Energiesektor: 22,9%) wachsen. Das Umsatzwachstum ex Energiesektor sollte bei 15,5% liegen. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 14,4% - das ist sogar eine leichte Aufwärtsrevision zur Vorwoche!

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Industrie wieder auf Wachstumskurs: Lockerungen der Corona-Auflagen haben sich bereits positiv auf den Einkaufsmanagerindex für die großen und staatlich dominierten Unternehmen ausgewirkt. Dieser stieg im Juni wieder über die sogenannte „Expansionsschwelle“. Gleiches galt Tags darauf für den vom Wirtschaftsmagazin Caixin und S&P Global veröffentlichten Einkaufsmanagerindex für kleinere und mittlere Industriebetriebe aus dem Privatsektor. Dieser stieg von Mai auf Juni von 48,1 auf 51,7 Punkte und damit höchsten Stand seit Mai 2021. Der Anstieg lag weit über Erwartung der Volkswirte.

Anleihen

Chinas Industrie wieder auf Wachstumskurs: Lockerungen der Corona-Auflagen haben sich bereits positiv auf den Einkaufsmanagerindex für die großen und staatlich dominierten Unternehmen ausgewirkt. Dieser stieg im Juni wieder über die sogenannte „Expansionsschwelle“. Gleiches galt Tags darauf für den vom Wirtschaftsmagazin Caixin und S&P Global veröffentlichten Einkaufsmanagerindex für kleinere und mittlere Industriebetriebe aus dem Privatsektor. Dieser stieg von Mai auf Juni von 48,1 auf 51,7 Punkte und damit höchsten Stand seit Mai 2021. Der Anstieg lag weit über Erwartung der Volkswirte.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich (20.1.) 3,10 Prozentpunkte war – wie angekündigt – schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads auf Wochenbasis von 5,38 Prozentpunkte weiter auf 5,87 Prozentpunkte aus (30.6.), zumal immer mehr Firmen in eine Preis-Kosten-Schere geraten und die Ausfallsraten zunehmen werden.

Edelmetalle und Rohstoffe

Einpreisung eines Konjunkturabschwungs: Während Erdgas wegen angeblicher russischer Lieferdrosselungen nach Europa um 15% anstieg, beginnen sogar die Ölpreise abzubröckeln. Die OPEC+ weitet nämlich ihre Förderungen aus. Indessen sind Industriemetalle gute Konjunkturindikatoren. Vergangene Woche erneut rückläufig waren u. a.: Kupfer (-3,6% per Montag), Zinn (-4,7%), und Nickel (-4,8%). Stark unter Druck stehen Mais und Weizen Hintergrund: Bessere Ernteaussichten in den USA.

Währungen

Euroschwäche: EUR/CHF hat bereits die Parität erreicht. Wird diese nachhaltig nach unten unterschritten könnte es wie nach Aufhebung der Untergrenze am 15.1.2015 einen Rückschlag des EUR zum Franken auf bis zu 0,85 geben. Die anhaltend ultralockere Zinspolitik der japanischen Notenbank führte jedoch dazu, dass der Yen im Vergleich zum US-Dollar auf ein 24-Jahres-Tief stürzte, was bereits den privaten Konsum in Japan beeinträchtigt. Gegenüber dem Euro war allerdings der Yen vergangene Woche schon fester. Indessen scheint sich der EUR/RUB-Kurs zwischen 56 und 59 einzupendeln.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

04.07.2022

EUR: Erzeugerpreisindex

05.07.2022

China: Caixin PMI Dienstleistungen

EUR: S&P Global PMI Gesamtindex

USA: Werkaufträge

06.07.2022

EUR: Einzelhandelsumsätze; EU-Kommission BIP-Wachstumsprognose

USA: S&P Global Gesamtindex, ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe, FOMC-Protokol

07.07.2022

Japan: Führender Wirtschaftsindex

USA: Erstanträge Arbeitslosenunterstützung; Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung; ADP Beschäftigungsänderung

08.07.2022

USA: Beschäftigung außerhalb Landwirtschaft, Arbeitslosenquote, Erwerbsbeteiligungsquote, Durchschnittliche Stundenlöhne.

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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