PC - Weekly 2022 KW 29

Marktdaten / Marktüberblick

Aktien – USA

Inflationsschub belastet, Aktienmarkt testet kurzfristige Konsolidierung: Von Mai auf Juni kletterte in den USA die Inflationsrate von 8,6 auf 9,1% und somit auf das höchste Niveau seit November 1981. Starke Zinsschritte werden erwartet – unabhängig von aktuellen Konjunktursorgen, zumal die kanadische Notenbank ihren Leitzins gleich um einen Prozentpunkt auf 2,5% anhob! Gleichzeitig setzten Konjunkturängste aber auch die Aussichten einer Anhebung der Ölproduktion Saudi-Arabiens (bei Bidens Besuch von Saudi-Arabien angekündigt) den Ölpreis um 7% unter Druck, während sich die Erdgas- und Strompreise in Europa auf hohem Niveau stabilisierten. Was im Wochenverlauf die Kurse belastete, waren überraschend schlechte Quartalszahlen im Bankensektor. Die beiden US-Großbanken, Morgan Stanley und JP Morgan veröffentlichten einen überraschenden Ergebniseinbruch. Doch am Freitag folgte wieder auf niedrigem Niveau ein Rebound, der Hoffnungen auf eine zumindest kurzfristige Bodenbildung nährte. Die weitere Entwicklung ist jedoch von den Q2-Quartalsergebnissen von Riesen wie Bank of America, Netflix und ASML abhängig. Negative Nachrichten könnten eine Fortsetzung des Bärenmarktes einleiten, genauso wie ein klarer russischer Erdgaslieferstopp durch Nordstream I. Auf jeden Fall kann die Aussicht auf einen besonders „kalten Winter“ wegen ausbleibender Erdgaslieferungen ein regelrechtes Crashszenario auslösen.

Erzeugerpreisanstieg beschleunigt sich: Auf Herstellerebene kam es nach einer Steigerung von revidiert 10,9% (zuvor 10,8%) im Juni, zu einer Beschleunigung des Anstiegs der Erzeugerpreise auf 11,3%. Volkswirte rechneten im Schnitt nur mit 10,7%. Ohne Energie, Nahrungsmittel und Handelsdienstleistungen lag der Anstieg bei 6,4% (vgl. mit 6,8 bzw. 6,7% in den Monaten April und Mai). Im Einklang mit diesen Entwicklungen beschleunigte sich die Verbraucherinflation im Juni auf 9,1%, wobei die Energiepreiskomponente mit 41,6% so stark anstieg wie seit April 1980 nicht mehr. Die Kerninflationsrate ex Energie und Nahrungsmittel liegt bereits bei 5,9%. Die Methode der kanadischen Notenbank könnte bei der nächsten Fed-Sitzung Schule machen (bedeutet massive Leitzinsanhebung).

Enttäuschender Auftakt der S&P 500 Unternehmen zur Earning Season für das zweiten Quartal:
Per 15. Juli haben bereits 7% der S&P 500 Unternehmen ihre Quartalsergebnisse bekanntgegeben. Von 60% liegen die Gewinne über den Analystenprognosen - ein im Vergleich zu einem 5-Jahres-Schnitt von 77% niedriger Wert. Aggregiert betrachtet, lagen die Gewinne nur noch 2% über den Schätzungen, während der 5-Jahres-Schnitt 8,8% beträgt. Vor allem schwache Zahlen aus dem Bankensektor und von einem Industrieproduktunternehmen drücken auf die Statistik. Kombiniert man bereits veröffentlichte Zahlen mit den Schätzungen bei den restlichen Unternehmen, läge das Quartalsgewinnwachstum nur noch bei 4,2%, was den schlechtesten Wert seit dem vierten Quartal 2020 (4,0%) darstellt. Nur noch 6 von 11 Branchen berichten Wachstum, vor allem die Bereiche Energie und Industrieprodukte. Hingegen 5 Branchen, insbesondere der Finanzsektor, schwächeln.
Für das dritte und vierte Quartal 2022 erwarten laut FactSet Analysten im S&P 500 nur noch jeweils 10,1 bzw. 9,2% Wachstum. Für das Gesamtjahr werden noch 9,9% Gewinnwachstum prognostiziert. Mittlerweile liegt das 12-Monats Forward-KGV mit 15,8 sowohl unter dem 5-Jahres-Schnitt (18,6), als auch unter dem 10-Jahres-Schnitt (17,0). Doch von echtem Value fehlt noch jede Spur, zumal mit einer Reihe von Abwärtsrevisionen der Gewinnprognosen zu rechnen ist.

Aktien - Europa

MSCI Europe – Bewertungsabschlag gerechtfertigt: Europa würde mit einer Einstellung russischer Erdgaslieferungen ein „Wirtschaftszusammenbruch“ drohen. Entsprechend sind die Risikoprämien noch nicht vollständig in den Aktienkursen eingepreist. Im 428 Werte enthaltenden MSCI Europe steht per 30.06.2022 ein KGV von 13,94 einem Wert von 16,30 im MSCI ACWI gegenüber. Etwas besser sieht die Relation der Forward-KGVs aus: 11,57 im MSCI Europe zu 14 im MSCI ACWI. Die Dividendenrendite liegt in Europa bei 3,44% vgl. mit 2,31% im MSCI ACWI. Fazit: Ein noch etwas größerer Bewertungsabschlag wäre für Europa derzeit gerechtfertigt.

Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal 2022 erwartet: Europa befindet sich mitten in der Ukraine-Krise, die sich immer mehr auch auf die Ergebnisse der Firmen des STOXX 600 durchschlägt.

Laut Schätzungskonsens von Refinitiv sollten die Gewinne der STOXX 600 Unternehmen im zweiten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur noch um 21,7% (ohne Energiesektor: 3,2%) wachsen. Das Umsatzwachstum ex Energiesektor sollte bei 11,2% liegen und ist primär der Inflation geschuldet. Im Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Gewinnzuwachs von 16,6% - das ist sogar eine leichte Aufwärtsrevision zu den Vorwochen! Allerdings steht voraussichtlich eine gute Gewinnverdopplung (+105,8%) im Energiesektor einem Gewinnrückgang von 8,3% im Finanzsektor gegenüber. Auch die Wachstumsdynamik im Technologiesektor könnte nachlassen.

Aktien - Schwellenländer / Asien

Chinas Wirtschaft stagniert: Nun ist das eingetroffen, was viele befürchtet haben. Die Null-Toleranz-Politik in der Corona-Bekämpfung forderte seinen Tribut. Das BIP-Wachstum Chinas hat sich vom ersten auf das zweite Quartal von 4,8% auf 0,4% verlangsamt. Dieses liegt unter den Erwartungen der von Bloomberg befragten Experten, die noch mit 1,2% rechneten. Für das erste Halbjahr ergab sich damit ein Gesamtwachstum von 2,5%. Mit dem beginnenden Abbröckeln der Immobilienpreise wird es kritisch, weshalb die Regierung in Peking, Medienberichten zufolge, staatlichen Fonds ein Volumen von 1,1 Billionen Dollar für ein Konjunkturprogramm zur Verfügung stellen sollte.

Anleihen

Erneute Renditeanstiege in den USA, Ruhe in Europa:  9,1% Inflationsrate, um 11,3% höhere Erzeugerpreise in den USA und im Euroraum eine Rekordinflation von 8,6%, können nur für eines sprechen: weitere kräftige Leitzinsanhebungen in den USA und im Euroraum. Gleichzeitig liegen die Erstzulassungen zur Arbeitslosenunterstützung in den USA mit 244.000, historisch betrachtet, im niedrigen Bereich.  Binnen 14 Tagen stiegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 4 Basispunkte auf 2,92% an. Hingegen waren bei deutschen Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit die Renditen von 1,26 auf 1,12% weiter rückläufig. Mittlerweile rechnen immer mehr Experten damit, dass die Zinsanhebungsphase nicht lange anhalten wird, da eine Rezession den Notenbanken einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

HY-Corporate Bonds – HY-Spreads preisen Abschwung ein: Die am ICE BofAML US High Yield Master II Option-Adjusted Spread gemessenen Risikoprämien von US-High Yield Corporate Bonds auf US-Treasuries sind gerade dabei, einen Abschwung einzupreisen. Ein Niveau von zwischenzeitlich 3,10 Prozentpunkten (20.1.22) war – wie angekündigt - schlichtweg zu niedrig! Mittlerweile weiteten sich die Spreads auf 5,53 Prozentpunkte (14.7.22) aus – ein Level, der bereits einen starken Konjunkturabschwung einpreist.

Edelmetalle und Rohstoffe

Konjunkturabschwung und Weizenexport der Ukraine: Kaum war die Lebensmittelinflation getrieben von steigenden Weizenpreisen in allen Medien, zeichnen sich mögliche Verhand-lungslösungen mit Russland ab, um eventuell doch noch ukrainische Weizenexporte auf dem Seeweg zu ermöglichen. Die Folge: Der Weizenpreis gab auf Wochenbasis 12,6% ab. Gleichzeitig setzten die „Konjunkturmetalle“ Kupfer, Aluminium und Nickel ihre Talfahrt fort, und der Preis der Ölsorte WTI gab, wegen Aussichten auf eine Produktionsausweitung Saudi-Arabiens um 7,2%, auf 94,44 USD nach. Gold und Silber bleiben wegen weiter steigender Zinsaussichten noch unter Druck. Hinzu kommt ein fester US-Dollar.

Währungen

Euroschwäche: EUR/CHF liegt bereits unter der Parität bei 0,985, während EUR/USD mit 1,009 genau auf der Parität landete. Im Klartext: Franken und US-Dollar werten zum Euro weiter auf. Mittlerweile importiert Europa immer mehr Inflation durch den festen Dollar, während die US-Exportwirtschaft allmählich unter Druck gerät. Je länger diese Entwicklung anhält, desto schlechter entwickelt sich die US-Exportwirtschaft. Nach einer zwischenzeitlichen Abschwächung wird der Rubel erneut stärker, zumal Russland Erdöl und Erdgas auch verstärkt an China und Indien verkaufen kann.

Diese WOCHE - worauf zu achten ist!

18.07.2022

USA: Auktion Treasury 3 u. 6 Monate

19.07.2022

EUR: Inflation

USA: Baugenehmigungen, Baubeginne

20.07.2022

China: Zinsentscheidung der Notenbank

UK: Inflationsdaten

21.07.2022

Japan: BoJ Zinssatzentscheidung u. Prognosebericht, BoJ Pressekonferenz; Handelsbilanz

EUR: EZB Zinssatzentscheidung u. Pressekonferenz

USA: Philly Fed Herstellungsindex; Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung

22.07.2022

Japan: Inflationsdaten

EUR: S&P Global PMI Gesamtindex und Teilindizes verarbeitendes Gewerbe sowie Dienstleistungen

USA: S&P Global PMI Gesamtindex und Teilindizes verarbeitendes Gewerbe sowie Dienstleistungen

Galt in der Vergangenen Woche als positiver Markttreiber

In der abgelaufenen Woche weder ein eindeutig positiver noch eindeutig negativer Markttreiber.

Galt in der vergangenen Woche als negativer Markttreiber.

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